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Johannes Jülg ist Dauergast auf Ehrenplätzen unserer Trophys.

Johannes Jülg ist Dauergast auf Ehrenplätzen unserer Trophys.
© Enrico Markx 2021 Content Creation Photo | Cinematography | Weingut Jülg

Die Sieger der Ortsweine Trophy 2025

Tasting
Deutschland

Dem deutschen Weinbau fehlt es nicht an Spitzenweinen. Doch neben den prestigereichen Lagenweinen sind auch die Ortsweine wahre Stars auf den Preislisten. Sie bilden den Einstieg in die begeisternde Welt des Terroirs – und erfreuen mit Typizität zu fairem Preis.

Schauen wir spaßeshalber einmal an die Côte d’Or: Dort hat die Klasse der Villages-Weine ihre ­Alltagstauglichkeit verloren. Ein Chablis Villages von Raveneau kostet 200 Euro, ein Puligny Villages von Leflaive um die 250 Euro, ein Gevrey Villages von Rousseau 400 Euro. Das hat natürlich sehr viel mit dem allgemeinen Anstieg der Burgunderpreise zu tun – aber ist ebenso Ausdruck der Tatsache, dass den Ortsweinen aus gutem Haus eine große Lagerfähigkeit und damit Wertstabilität zugetraut wird. Und auch, dass sie all das ins Glas bringen, wofür man diese Legenden schätzt.

Nicht anders ist es beim deutschen Wein. Die höchstbewerteten der genau 100 angestellten Ortsweine der diesjährigen Trophy stehen mit Noten bis zu 93+ Punkten in den Listen. Dies sind Kelterungen, die manchen Lagenwein in puncto Stilsicherheit und Komplexität hinter sich lassen.

Bei den Preisen herrschen hingegen noch keine burgundischen Verhältnisse. Ja, zugegeben: 20 oder 25 Euro sind auch schon viel Geld für ein vergängliches Gut. Und doch sind diese Weine ihren Preis wertTheresa Breuers Rüdesheimer Ortsriesling etwa präsentiert die Würze und das raffinierte Spiel Rüdesheims in Höchstform. Will man den Wein in den nächsten drei, vier Jahren trinken, dann macht der Ortswein zudem sicher mehr Spaß als ein viel zu junger Berg Schlossberg.

Wer den Kalk der Südpfalz auf der Zunge spüren möchte, ist beim Schweigener Spätburgunder der Familie Jülg bestens bedient. Der Nonnenhorner Chardonnay von Jonas Kurek wiederum ist gerade als Speisenbegleiter noch vielseitiger als sein großer Bruder aus Einzellage.

ZUR GESAMTEN TROPHY


 

Top 3 – Riesling

Der Duft zeigt sich blumig und zart, geradezu heiter, aber auch schieferwürzig und »ernsthaft«. Im Mund ist das subtil und fest, mineralisch und fruchtig, saftig und...
Rheingau, Deutschland
Steinige Würze trifft auf zitrische Frucht. Im Mund hat der Wein einen stattlichen Körper, eine tragende Säurestruktur, durchaus Geschmeidigkeit in Hintergrud, aber auch Stoff...
Rheingau, Deutschland

Top 3 – Weiße Burgundersorten

Ein sehr gekonnter Holzeinsatz flankiert einen dezent vielschichtigen, natürlich wirkenden Sortenduft. Der Gaumen webt eine feine Säure und zart mineralsiche Noten in einen...
Württemberg, Deutschland
In der Nase sehr sortentypisch mit Noten von weißen Blüten, etwas weißem Pfeffer und präsenter Mineralik, mit Luft dann auch weißer Pfirsich und ein Hauch Exotik. Einladende,...
Franken, Deutschland
Balsamische Hefenoten treffen auf eine konzentriert traubige Frucht, dazu kommt ein dezenter Holzton (wie von Kokosraspeln). Im Mund hat der Wein eine mittlere Dichte, zarte,...
Pfalz, Deutschland
Erfolgreich auch mit Ortswein: Peter Bernhard Kühn und Ehefrau Viktoria.
© Markus Basler
Erfolgreich auch mit Ortswein: Peter Bernhard Kühn und Ehefrau Viktoria.

Ortswein


einstieg in die faszination »terroir«
Nach dem Vorbild Burgunds setzt sich in den letzten Jahren auch im deutschen Weinbau eine vierstufige Herkunftspyramide durch: An der Basis stehen »Gutsweine«, die aus verschiedenen Ortschaften kommen können, solange es sich um eigene Weinberge des Weinguts oder der Genossenschaft handelt. Eine Stufe darüber steht der »Ortswein« – ein Wein mit dem klaren Herkunftscharakter einer einzelnen Gemeinde. In Frankreich wäre das die Stufe »Villages«. Darüber stehen dann die Einzellagenweine in den beiden Güteklassen Erste und Große Lage.

 

Top 3 – Spätburgunder

Ein würziger, dunkelbeeriger Duft mit Hochreife-Komponenten, Amarenakirsche, Pflaume, Bienenwachs, Holundersaft und Brombeerkonfitüre. Der Gaumen ist dicht mit mehligem, aber...
Pfalz, Deutschland
Trauben aus Ahrweiler. Wildkirsche, Schlehe, Rote und Schwarze Johannisbeere, Hagebutte, Malve. Auch Schiefer. Dezenter Holzeinsatz. Der Gaumen beginnt geschmeidig und getragen,...
Ahr, Deutschland
Wildkirsche, Veilchen und Cassis – ein sehr attraktives, auch mineralisch getöntes Duftbild. Im Mund ist der Wein geradeaus gebaut: mittelgewichtig in Extrakt und Körper, mit...
Rheingau, Deutschland

Erschienen in
Falstaff Magazin Österreich Nr. 3/2025

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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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