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Sind manche Tequilas, die als »100 Prozent Agave« deklariert sind, in Wirklichkeit mit günstigerem Alkohol aus Zuckerrohr verschnitten? Eine Klage gegen zwei Top-Brands lässt aufhorchen.

Sind manche Tequilas, die als »100 Prozent Agave« deklariert sind, in Wirklichkeit mit günstigerem Alkohol aus Zuckerrohr verschnitten? Eine Klage gegen zwei Top-Brands lässt aufhorchen.
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Doch nicht alles Agave? Klage gegen Casamigos und Don Julio sorgt für Wirbel

Tequila
Spirituose

Sie sind hochpreisig und gehören zu den erfolgreichsten Tequilas der Welt: »Don Julio« und die von George Clooney gegründete Marke »Casamigos«. Doch ein Restaurantbesitzer aus New York wirft den Brands nun Betrug vor und zieht vor Gericht.

Die renommierten Tequila-Marken Don Julio und Casamigos, letztere bekannt durch Mitgründer George Clooney, sehen sich mit einer Sammelklage konfrontiert. Diese wirft dem Mutterkonzern Diageo vor, die Produkte fälschlicherweise als »100 % Agave« vermarktet zu haben, obwohl sie angeblich erhebliche Mengen an Alkohol aus anderen Quellen wie Rohrzucker enthalten.

Die Kläger, darunter das Restaurant «Sushi Tokyo» aus Brooklyn und der Restaurantbetreiber sowie Cocktail-Enthusiast Avi Pusateri, behaupten, dass unabhängige Labortests signifikante Konzentrationen von Nicht-Agaven-Alkoholen in den Tequilas nachgewiesen hätten. Dies würde gegen sowohl US-amerikanische als auch mexikanische Vorschriften verstoßen, die für die Bezeichnung »100 % Agave« eine ausschließliche Verwendung von Blauer Weber Agave vorschreiben. Die Kläger fordern Schadensersatz in Höhe von jeweils 5 Millionen US-Dollar und eine gerichtliche Anordnung, die Diageo daran hindert, die Tequilas weiterhin als »100 % Agave« zu vermarkten. Sie argumentieren, dass sie bei Kenntnis der tatsächlichen Inhaltsstoffe entweder andere Produkte gewählt oder einen niedrigeren Preis gezahlt hätten.

 

Die Blaue Weber Agave bildet den Grundstoff für jeden Tequila. Vor allem Premium-Tequilas sind stolz auf ihre Zertifizierung als »100 Prozent Agave Tequila«, doch eine neue Laboranalyse, die mithilfe von Kernspinresonanztests Alkoholarten identifizieren kann, wirft Fragen auf.
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Die Blaue Weber Agave bildet den Grundstoff für jeden Tequila. Vor allem Premium-Tequilas sind stolz auf ihre Zertifizierung als »100 Prozent Agave Tequila«, doch eine neue Laboranalyse, die mithilfe von Kernspinresonanztests Alkoholarten identifizieren kann, wirft Fragen auf.

Reaktion von Diageo

Diageo hingegen weist die Anschuldigungen entschieden zurück und bezeichnet die Klage als »unverschämt«. »Diese Ansprüche sind unbegründet und wir planen, uns vor Gericht energisch zu verteidigen«, heißt es von Seiten Diageos. Das Unternehmen betont, dass sowohl Casamigos als auch Don Julio den Regulierungsstandards entsprechen und von der Consejo Regulador del Tequila (CRT) sowie dem US-amerikanischen Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau (TTB) zertifiziert sind. Casamigos, gegründet von George Clooney, lag 2023 mit einem Absatz von drei Millionen Neun-Liter-Kisten auf Platz vier der meistverkauften Tequilas der Welt, während Don Julio mit 3,4 Millionen Kisten nach Jose Cuervo der zweitgrößte Tequila war.

Negative Auswirkungen befürchtet

Die Klage wirft zudem ein Schlaglicht auf die Transparenz in der gesamten Spirituosenindustrie, insbesondere im Premium-Segment, denn ein Teil der Klage hat eine Sprengkraft, die weit über die beiden Marken hinausgeht. In der Klage heißt es nämlich unter anderem:

Berichten zufolge haben CRT-Beamte Gewinne erzielt, indem sie einigen Tequila-Konzernen erlaubten, Zuckerrohr- oder Maisalkohol in Tequila zu mischen, der dann als 100 % Agave deklariert wurde. Dies wurde durch die Einsendung von Tequila-Proben zur Laboranalyse und die Beobachtung von Lastwagen, die Zuckerrohralkohol an Destillerien lieferten, bestätigt.

Es steht also auch der Vorwurf der Bestechlichkeit der CRT im Raum. Auch das Verhalten der CRT gegenüber der Additive Free Alliance (AFA), welche die Tests durchgeführt hat, lässt Transparenz-liebende Verbraucher stirnrunzelnd zurück. Die 2020 gegründete AFA führt eine unabhängige Überprüfung von Tequila-Marken durch Labor- und sensorische Bewertungen durch, um festzustellen, ob sie Zusatzstoffe enthalten. Die AFA hatte zuvor eine Liste der Marken veröffentlicht, die die Anforderungen für die Kennzeichnung »ohne Zusatzstoffe« erfüllt hatten. Diese Liste wurde jedoch im Oktober von der Website entfernt.

Im März dieses Jahres verklagte die CRT schließlich die AFA beim US-Bezirksgericht in Florida, weil sie Verbraucher durch die Durchführung eines »nicht autorisierten« Zertifizierungsprogramms in die Irre geführt habe. Die AFA verwendet das Wort »Zertifizierung« jedoch nicht im Zusammenhang mit ihren Aktivitäten. Jede Marke und Brennerei muss zudem den Bedingungen der AFA zustimmen. Das CRT bezeichnet sich selbst als den einzigen Zertifizierer für Tequila und als die für die Genehmigung der Etiketten dieser Kategorie zuständige Agentur. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass das CRT keine staatliche Einrichtung ist.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnten weitere Marken unter die Lupe genommen werden und es könnten strengere Kontrollen durch Regulierungsbehörden folgen. Zudem wird die Rolle der CRT in Mexiko bereits seit einiger Zeit von Branchenkennern kritisch betrachtet, insbesondere hinsichtlich ihrer Überwachungs- und Zertifizierungspraktiken. Die Klage gegen Diageo könnte daher weitreichende Konsequenzen für die Tequila-Industrie haben, insbesondere in Bezug auf Marketingpraktiken und die Einhaltung von Qualitätsstandardssowie nicht zuletzt das Vertrauen der Verbraucher nachhaltig schädigen.


 

Alexander Thürer
Alexander Thürer
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