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© Ferrari Trento

Falstaff Talk mit Camilla Lunelli: «Stillstand ist für uns keine Option»

Interview
Wein
Schaumwein
Italien

Ferrari Trento gilt längst als Massstab für italienischen Schaumwein: 100 Falstaff-Punkte für den Giulio Ferrari Riserva del Fondatore 2016, mehrfach «Sparkling Winemaker of the Year» – und dennoch ruht sich Familie Lunelli nicht auf ihren Lorbeeren aus. Im Falstaff-Talk erklärt Camilla Lunelli, Vizepräsidentin des Weinguts, was das Terroir des Trentino so unverwechselbar macht, wie ganzheitliche Nachhaltigkeit im Weinbau aussieht – und warum Ferrari weit mehr als nur Schaumwein ist.

Falstaff: Frau Lunelli, der Giulio Ferrari Riserva del Fondatore 2016 wurde kürzlich von Falstaff mit sagenhaften 100 Punkten gekürt – eine von zahlreichen internationalen Ehrungen für Ferrari Trento in den vergangenen Jahren. Wie bewahrt man sich trotz grosser Erfolge den Hunger nach Exzellenz und stetiger Weiterentwicklung?

Camilla Lunelli: Das Streben nach Exzellenz ist bei uns tief verwurzelt. Wir freuen uns natürlich über solche Erfolge, fragen uns aber immer sofort: Was kommt als Nächstes? Stillstand ist für uns keine Option. Wir sind überzeugt, dass das Trentino enormes Potenzial hat. Potenzial, das noch nicht völlig ausgeschöpft ist.

Was macht das Terroir des Trentino so besonders?

Das Trentino ist alpin geprägt. In den meisten Weinregionen dreht sich vieles um die Bodenbeschaffenheit. Natürlich haben wir auch im Trentino unterschiedliche Böden, etwa Kalkstein oder Porphyr, aber das ist nicht der zentrale Faktor. Der grosse Unterschied entsteht durch die Höhenlage und die Sonneneinstrahlung. Zwei Rebberge auf gleicher Höhe können völlig unterschiedliche Weine liefern, je nachdem, auf welcher Seite des Tals sie liegen. Mittlerweile zwingt uns der Klimawandel immer mehr in die Höhe, aber das ist kein Nachteil: Wir wissen, dass wir auch langfristig die Säure bewahren können, die für die Eleganz und Frische von Schaumweinen essenziell ist.

Gibt es etwas, an dem auch Nicht-Experten einen Ferrari-Schaumwein sofort erkennen?

Ferrari ist seit jeher Botschafter des italienischen Lebensstils. Das ist Teil unserer Identität. Ferrari wird bei vielen Staatsanlässen in Rom ausgeschenkt, zuletzt etwa beim Besuch von König Charles und Königin Camilla. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit anderen Marken des Herkunftslabels «Made in Italy» zusammen. Kooperationen mit Häusern wie «Missoni«, «Zegna» oder «Ferragamo» transportieren diese Idee eines ganzheitlichen italienischen Lebensgefühls. Ferrari steht für italienische Kultur, für Geselligkeit und Genuss, das ist die Konstante.

Gleichzeitig verändern sich Konsumgewohnheiten und Geschmäcker rasant. Wie bewahren Sie Tradition und entwickeln sich dennoch weiter?

Ja, heute ist alles schneller, leichter und internationaler. Schaumwein passt sehr gut zu diesem Lifestyle. Früher war er ein Wein für grosse Feiern, heute begleitet er ganze Mahlzeiten. Ein gut gemachter Schaumwein der klassischen Methode ist extrem vielseitig. Das ist kein Bruch mit der Tradition, sondern ihre zeitgemässe Fortführung.

© Ferrari Trento

Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema für Sie persönlich. Welche Massnahmen sind aus Ihrer Sicht heute entscheidend, um Weinbau langfristig nachhaltig zu gestalten?

Nachhaltigkeit hat für uns drei gleichwertige Dimensionen: ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Wir haben früh begonnen, unsere Weinberge biologisch zu zertifizieren und mit einem Biodiversitätsansatz zu arbeiten – sowohl in unseren eigenen Lagen als auch bei den rund 600 Winzerfamilien, die uns beliefern. Besonders wichtig ist uns der soziale Aspekt. Im Trentino leben viele Familien direkt in ihren Weinbergen. Der Einsatz problematischer Chemikalien betrifft also nicht nur die Umwelt, sondern auch unmittelbar die Gesundheit dieser Menschen. Darüber hinaus haben wir unsere Kellerei klimaneutral zertifiziert, indem wir Emissionen reduzieren und kompensieren. Nachhaltigkeit darf kein isoliertes Projekt sein, sondern muss ganzheitlich gedacht und gelebt werden.

Durch die Zusammenarbeit mit rund 600 Winzerfamilien haben Sie immensen Einfluss auf die Region. Wie gelingt es, so viele Menschen für diesen Weg zu gewinnen?

Die Grundlage ist Vertrauen. Unsere Zusammenarbeit mit den Winzern ist langfristig angelegt. Wir kaufen nicht nur Trauben, sondern begleiten sie intensiv: Acht Agronomen beraten, schulen und vermitteln neue Methoden, etwa beim Rebschnitt. Und natürlich spielt auch die Bezahlung eine Rolle – bessere Qualität wird besser vergütet. Aber viele Winzer waren aus Überzeugung bereits biologisch oder biodynamisch tätig. Zusätzlich investieren wir stark in Weiterbildung und digitale Systeme, um die enorme Datenmenge aus allen Weinbergen sinnvoll zu nutzen. Ohne diese Infrastruktur wäre das nicht machbar.

Zum Abschluss: Wenn Sie 20 Jahre in die Zukunft blicken – wie sieht Ihre Vision für Ferrari Trento und die Lunelli Group aus?

Als Lunelli Group möchten wir eine Gruppe von Marken entwickeln, die dieselben Werte teilen: hohe Qualität, Respekt für das Terroir und Verantwortung gegenüber den Menschen. Ferrari bleibt dabei unser Kern, aber wir denken breiter – Wein, Spirituosen, Wasser, alkoholfreie Getränke. Gleichzeitig ist uns der Generationenwechsel wichtig. Junge Menschen bringen Energie, Neugier und ein Gespür für kommende Entwicklungen mit. Wenn es gelingt, diese rechtzeitig einzubinden, sehe ich der Zukunft sehr optimistisch entgegen.

Die Schaumweine von Ferrari Trento sind in der Schweiz exklusiv bei Bindella erhältlich.
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Trentino-Südtirol, Italien
Dominik Vombach
Dominik Vombach
Chefredaktion Schweiz
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