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Falstaff Talk mit Travis Fuller von Kilikanoon: «Grenache wird der nächste australische Superstar»

Interview
Australien
Wein

Kilikanoon gehört seit vielen Jahren zu den Spitzenproduzen­ten Australiens und hat sich mit terroirgetriebenen Weinen aus dem Clare Valley einen Namen gemacht. Mittlerweile tritt die Rebsorte Grenache hierbei immer mehr in den Fokus. Travis Fuller, General Manager von Kilikanoon, erläutert im Falstaff-Gespräch weshalb.

Falstaff: Herr Fuller, Australien ist weltbekannt für seine Shiraz-Weine. Bei Kilikanoon spezialisieren Sie sich aber aktuell auf die Rebsorte Grenache. Weshalb?

Travis Fuller: Auf das gesamte Land bezogen ist Shiraz immer noch die Nummer eins unter den roten Rebsorten. Wir selbst produzieren auch Shiraz-Weine und zwar gar nicht mal so schlechte. Unser Oracle Shiraz Jahrgang 2019 wurde in diesem Jahr beispielsweise bei Mundus Vini als bester australischer Rotwein ausgezeichnet. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass Grenache der nächste australische Superstar unter den roten Rebsorten sein wird. 

Können Sie das etwas näher erläutern?

Die Rebsorte Grenache bringt Weine hervor, die fruchtbetonter und leichter sind. Weine, die elegant sind und keinesfalls üppig wirken, obwohl sie 14,5 Volumenprozent Alkohol besitzen. Das ist überaus zeitgemäss. Hinzu kommt, dass die Weine herrlich reifen. Ich bin sicher, dass wir damit eine grosse Zukunft haben werden. Besonders im Clare Valley, wo Kilikanoon ansässig ist. Dort finden sich einige der ältesten Grenache-Reben des ganzen Landes.

Seit wann wird Grenache in Australien kultiviert?

Dazu muss ich etwas weiter ausholen. In den 1850er Jahren wurden in Australien mehrere französische Rebsorten für die Herstellung von aufgespriteten Weinen gepflanzt. Grenache war eine davon. Bis in die 1960er Jahre waren aufgespritete Weine das grosse Ding in Australien und machten den Grossteil der Weinproduktion aus. Dann gab es aber immer mehr Probleme mit Leuten, die betrunken Auto fuhren, und man begann die Bevölkerung davon abzuhalten, Hochprozentiges zu trinken. Für eine Weile wechselten die Leute zu Bier, dann zu Stillwein. Anfang der 1980er Jahre gab es eine Überproduktion in Australien und die Regierung zahlte den Produzenten Prämien, wenn sie Rebflächen rodeten. Damals gingen etwa 80 bis 90 Prozent der alten Rebflächen verloren.

Wie konnten die alten Grenache-Pflanzungen im Clare Valley erhalten bleiben?

Das Clare Valley hatte Glück, weil es so abgelegen ist. Es liegt etwa zwei Stunden nördlich von Adelaide. Im Barossa Valley und McLaren Vale haben sie alles herausgerissen. Das Clare Valley ging aber vergessen. Die ältesten Grenache-Reben bei Kilikanoon sind ungefähr 80 Jahre alt. Ein echter Schatz.

Dieser Schatz soll noch lange erhalten bleiben. Welche Herausforderungen erwarten Sie für die Zukunft?

Kevin Mitchell, der Gründer von Kilikanoon, hat mir mal erzählt, dass er in den frühen 1970er Jahren auf seinem Schulweg im Clare Valley diverse Bäche überqueren musste. Das Wasser ist mittlerweile aber verschwunden. Vor meinem Haus gibt es eigentlich einen Fluss, den Hutt River. Der Fluss führt aber niemals Wasser. Wassermangel ist das grösste Problem in Zukunft. Bewässerungslizenzen sind in Australien mittlerweile wertvoller als Reben.

Danke für das Gespräch, Travis Fuller.

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Dominik Vombach
Dominik Vombach
Chefredaktion Schweiz
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