Marion Ebner-Ebenauer und Manfred Ebenauer erzeugen in Poysdorf eine Palette erstklassiger Grüner Veltliner.

Marion Ebner-Ebenauer und Manfred Ebenauer erzeugen in Poysdorf eine Palette erstklassiger Grüner Veltliner.
© Christof Wagner

Grüner Veltliner: Erfolgsmodell mit »Pfefferl«

Das Weinviertel ist nicht nur das größte Weinbaugebiet Österreichs – es steht auch wie keine andere Region für hervorragenden Grünen Veltliner. Falstaff lüftet das Erfolgsgeheimnis.

Jeder zweite Grüner-Veltliner-Rebstock der Welt steht im Weinviertel. Auf mehr als 6000 Hektar wird er hier, südlich der Thaya, angebaut.
Der unglaubliche Erfolg des Veltliners hat spätestens mit der Einführung der Herkunftsbezeichnung Weinviertel DAC eingesetzt. Der mittlerweile nicht nur in Österreich äußerst beliebte Weißwein aus der Rebsorte Grüner Veltliner wurde der unangefochtene Hauptdarsteller, wenn es um Wein aus dem Weinviertel geht. Und ist somit ein Musterbeispiel für ein erfolgreiches Herkunftsmarketing.
Dabei ist der Name Weinviertel für die Region erst seit etwas mehr als einem Jahrhundert gebräuchlich.
Anlässlich einer Verwaltungsreform wurde 1868 die Einteilung in die vier Viertel in Niederösterreich rechtlich obsolet, und die politischen Bezirke wurden eingeführt. Diese ersetzten die davor gebräuchliche Einteilung in Kreise. Das »Viertel unter dem Manhartsberg (V. U. M. B)« war Geschichte. An dessen Stelle trat der Begriff Weinviertel, was die Bedeutung der Weinkultur in diesem Teil des Landes sichtbar macht. Damit war es durchaus logisch, diesen Ursprung auch durch das »Weinviertel DAC« für den Konsumenten deutlich zu machen. Seit dem Jahrgang 2009 gibt es zusätzlich zur klassisch trocken ausgebauten Variante auch noch die Kategorie »Weinviertel DAC Reserve«, die für eine kräftigere Stilistik steht.

Bernhard Gschweicher ist ein Vertreter der jungen Winzer-Riege aus Röschitz.
© Petr Blaha
Bernhard Gschweicher ist ein Vertreter der jungen Winzer-Riege aus Röschitz.

Die Familie der österreichischen DAC-Weine ist in den letzten 15 Jahren übrigens bereits auf neun geschützte Herkünfte gewachsen, der Startschuss für die Nummer zehn, das »Schilcherland DAC« im Gebiet der Weststeiermark, steht unmittelbar bevor. Der Grüne Veltliner, angeboten in Form des Weinviertel DAC, verspricht dem Weinkonsumenten einen lebendigen frischen Weißweinstil mit der dem Veltliner eigenen Würze, die in der Kommunikation gerne auf das sogenannte »Pfefferl« der Rebsorte zugespitzt wird.
Seit der Einführung des Weinviertel DAC ist die Präsenz des Grünen Veltliners aus dem Weinviertel sowohl in der Gastronomie wie auch im Handel sichtbar gestiegen – ein Zeichen für die wachsende Akzeptanz am Markt.
Auch wenn der Weinviertel DAC als homogener Weintypus angeboten wird, so lässt sich bei eingehender Betrachtung des relativ großen Ursprungsgebietes aufgrund der geologischen Gegebenheiten und der klimatischen Bedingungen eine geografische Unterteilung in drei Teile des Weinbaugebietes darstellen: Im Westen des Weinviertels konzen-triert sich der Weinbau in und um das Pulkautal. Der Grüne Veltliner dominiert im Gebiet von Retz mit seinen sehenswerten Kelleranlagen unter der Altstadt und rund um Röschitz mit seinen geschmacksprägenden Urgesteinsformationen bis hinunter an den Manhartsberg. Hier zeigen die Grünen Veltliner sich von einer straffen, lebendigen und feinwürzigen Seite. Aber auch Mailberg, Haugsdorf, Jetzelsdorf und Schrattental, bekannt für gute Rotweine, bringen sehr klassische und langlebige Weinviertel DAC hervor.

Winzerin Ingrid Groiss in Breitenwaida: Weinbau hat im Weinviertel eine enorme Bedeutung.
© Regina Hügli
Winzerin Ingrid Groiss in Breitenwaida: Weinbau hat im Weinviertel eine enorme Bedeutung.

Weinviertel-DAC-Weine wachsen auch im nordöstlichen Teil des Weinviertels um Poysdorf, Herrnbaumgarten und Schrattenberg. Die Nordgrenze des Produktionsgebietes zu Mähren markieren die Kalkklippen von Staatz und Falkenstein, die hervorragende Voraussetzungen für fruchtbetonte, mineralische, würzige Weine bieten.
Weiter im Südosten, an der Grenze zum Marchfeld zwischen Auersthal und Mannersdorf, wird der warme pannonische Klimaeinfluss bemerkbar, die Veltliner wirken hier oft etwas runder und verfügen über ein milderes Säurebild und eine exotischere Fruchtausprägung. Zum klassischen Produktionsgebiet des Weinviertel DAC gehört aber auch das Gebiet um Wolkersdorf, es reicht bis an die Hänge des Bisambergs an den Stadtrand von Wien heran.

Foto beigestellt

Die Zukunft des Weinviertel DAC

Der »Vater des Weinviertel DAC« und Doyen der Weinviertler Qualitätswinzer, Roman Pfaffl, hat nach erfolgreichen 15 Jahren den Staffelstab an Hans Setzer aus Hohenwarth übergeben, der nun als Vorsitzender des regionalen Komitees fungiert. Auf die Frage, was getan werden kann, damit das Potenzial der Ursprungsmarke »Weinviertel DAC« noch stärker genutzt wird, sagt er: »Unser weites Land darf einen nicht täuschen. Die Struktur vieler Weinviertler Betriebe ist nach wie vor klein. Wir wissen, dass mehr Weinviertel DAC erzeugt wird, als von den Betrieben selbst verkauft werden kann. Daran kann man ersehen, dass es sich eher um ein Vermarktungsproblem handelt. Je stärker die Marke wird, desto leichter wird es für alle Teilnehmer, ihren Absatz zu steigern.«

Veltliner-Könner Roman Pfaffl junior aus Stetten mit Schwester Heidi.
Foto beigestellt
Veltliner-Könner Roman Pfaffl junior aus Stetten mit Schwester Heidi.

Setzer hat sich für die nächsten Jahre ein ambitioniertes Ziel gesetzt: »Ich möchte den Status des Weinviertel DAC von ›bekannt‹ zu ›begehrt‹ überführen. Wenn die Konsumenten aus Überzeugung Weinviertel DAC kaufen und im Lokal bestellen, dann wird sich vieles im Weinviertel verbessern.« Als sein persönliches Steckenpferd sieht der Winzer die Weinviertel DAC Reserve: Vielschichtig soll sie sein, elegant, ausdrucksstark und animierend. Bisher war diese Kategorie aus dem Weinviertel noch stark unterrepräsentiert, was daran lag, dass sich Betriebe extra dafür zertifizieren mussten. Das hat Hans Setzer nun geändert.

Hans Setzer (mit Gattin Uli) leitet die Geschicke des Weinviertel DAC.
© Petr Blaha
Hans Setzer (mit Gattin Uli) leitet die Geschicke des Weinviertel DAC.

»Die Zertifizierung ist an sich eine tolle Sache für das Weinviertel. Aber ein Winzer ist in erster Linie ein Handwerker und hat meist ein gespaltenes Verhältnis zur Büroarbeit. Wir mussten uns nach einigen Jahren Erfahrung eingestehen, dass diese Art der Zertifizierung zu wenig angenommen wurde. Deshalb haben wir nun die Muss-Bestimmungen für die Produktion der Weinviertel DAC Reserve in eine Kann-Bestimmung übergeleitet. Und schon im ersten Jahr danach haben wir nun erfreulicherweise gleich doppelt so viele Reserven als davor.«
Verständlicherweise sehen andere Winzer diese Entwicklung auch mit einer gewissen gesunden Skepsis, denn die bisher bereits zertifizierten Betriebe haben sich bei der Weinviertel DAC Reserve auf einen Mindestpreis geeinigt. So meint einer der alten Handvoll Reserve-Kämpfer: »Das Problem ist, dass nun bereits nicht zertifizierte Betriebe einen Grünen Veltliner Reserve in Verkehr bringen, und das zum halben Preis – da ziehen wir leider nicht am gleichen Strang.«

Das »Steckenpferd« des Weinguts Setzer ist die Weinviertel DAC Reserve.
© Petr Blaha
Das »Steckenpferd« des Weinguts Setzer ist die Weinviertel DAC Reserve.

Imagetransfer ist wichtig

Tatsächlich steht noch eine Menge Aufklärungs- und Verkostungsarbeit bevor, damit so viele Winzer wie möglich exakt wissen, wie eine Reserve schmecken soll. Denn einfach irgendein im Holz ausgebauter Wein ist damit sicher nicht gemeint. Hieran wird man in der Zukunft arbeiten, um das Profil zu schärfen. Das Potenzial des Grünen Veltliners als Weinviertel DAC ist positiv zu bewerten, allerdings muss man darauf achten, die Leitbetriebe auf diese Reise mitzunehmen.

Franz Prechtl aus Zellerndorf ist bekannt für feine Weinviertel-DAC-Lagenweine.
© Petr Blaha
Franz Prechtl aus Zellerndorf ist bekannt für feine Weinviertel-DAC-Lagenweine.

Herrschte bei der Einführung des Weinviertel DAC noch spürbarer Enthusiasmus, sehen manche Spitzenbetriebe die Entwicklung heute differenzierter. Manch einer, der anfänglich seine gesamte Veltliner-Palette mit einer DAC-Kapsel füllte, reicht heute nur einen oder zwei Weine ein. »Es wurde tatsächlich immer schwieriger, einen komplexeren Wein als DAC durchzubekommen. Einmal mussten wir unseren Topwein siebenmal anstellen. Das kostet Geld und Nerven.
Auf der anderen Seite wurde der Erstverkaufstermin vom 1. März auf den 1. Jänner nach der Ernte vorgezogen. Das hat den Weinstil komplett verändert. Nun werden viele Weine wieder im gleichen Jahr geerntet und gefüllt, kein Wunder, dass sich so die Preise nicht nach oben bewegen.« Topwinzer Philipp Zull aus Schrattenthal sieht die Entwicklung positiv: »Als erste Region mit einem klaren Profil für Grünen Veltliner als Weinviertel DAC haben wir bereits viel erreicht – speziell wenn ich an die heimische Gastronomie denke. So hat sich das Weinviertel als Produzent von preiswertem frischem, fruchtigem Veltliner einen Namen gemacht. Jetzt liegt es an den Vorzeigebetrieben, mit tollen Weinen im internationalen Vergleich darzustellen, was die Region zu erzeugen imstande ist.«

Aus Falstaff Magazin Nr. 04/2017

Peter Moser
Peter Moser
Wein-Chefredakteur Österreich
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