Münchner verteidigt Titel beim verrücktesten Käse-Rennen der Welt
Ein 3,5 Kilogramm schwerer Käselaib, ein Hügel mit 45 Grad Neigung und Teilnehmer, die kopfüber ins Tal stürzen: Beim legendären Cheese Rolling in England hat ein Münchner zum zweiten Mal in Folge gewonnen – und kurz darauf das Bewusstsein verloren.
Für die meisten Menschen ist Käse etwas, das auf dem Frühstückstisch landet. In der englischen Grafschaft Gloucestershire dient er dagegen als Trophäe eines der ungewöhnlichsten Wettbewerbe der Welt.
Beim traditionellen »Cheese Rolling« am Cooper's Hill hat der Münchner Tom Kopke seinen Titel erfolgreich verteidigt. Der 23-Jährige gewann das spektakuläre Rennen bereits zum zweiten Mal in Folge und setzte sich erneut gegen zahlreiche Teilnehmer durch, die einem bergab rollenden Käselaib hinterherjagten.
Das Prinzip des Wettbewerbs ist ebenso simpel wie riskant: Ein mehrere Kilogramm schwerer Laib Double Gloucester wird einen steilen Hang hinuntergerollt. Sekunden später stürzen sich die Teilnehmer hinterher. Wer als Erster die Ziellinie am Fuß des Hügels erreicht, gewinnt den Käse.
Verletzungen fester Bestandteil
Der rund 200 Meter lange Cooper's Hill gilt dabei als eigentliche Herausforderung. Mit seiner extremen Steigung verlieren viele Läufer schon nach wenigen Metern die Kontrolle und überschlagen sich talwärts. Verletzungen gehören seit Jahrzehnten zum festen Bestandteil des Spektakels.
Auch für Kopke verlief das Rennen nicht ganz folgenlos. Britischen Medien zufolge erinnerte er sich nach seinem Lauf nur noch bruchstückhaft an die letzten Meter. Nach dem Zieleinlauf sei er kurzzeitig bewusstlos gewesen. Der trockene Untergrund habe den ohnehin berüchtigten Hang in diesem Jahr besonders hart gemacht.
Britischer Humor at its best
Offiziell existiert die Veranstaltung längst nicht mehr. Nachdem das Event vor einigen Jahren Besucherzahlen von mehr als 15.000 Menschen erreicht hatte, wurde es aus Sicherheitsgründen eingestellt. Die Rennen finden dennoch weiterhin statt – organisiert von Freiwilligen und begleitet von Tausenden Schaulustigen, die jedes Jahr nach Gloucestershire pilgern.
Woher die Tradition stammt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Historiker vermuten, dass die Wurzeln des Wettbewerbs mehrere Jahrhunderte zurückreichen. Manche führen ihn auf alte Frühlingsrituale zurück, andere auf Bräuche rund um Weiderechte oder Fruchtbarkeitsfeste. Sicher ist lediglich: Kaum ein anderer Wettbewerb verbindet britischen Humor, lokale Tradition und kontrolliertes Chaos auf so eindrucksvolle Weise wie das Cheese Rolling. Und zumindest in diesem Jahr bleibt der begehrte Käselaib erneut in Münchner Hand.