Start explizit im Sommer: Brau-Schwergewichte pushen Leichtbier
Leichtbier erlebt in Österreich neuen Aufwind: Mit einer gemeinsamen Sommeroffensive bringen mehrere Brauereien neue Biere mit reduziertem Alkoholgehalt in den Handel.
Ein 12 Jahre alter FALSTAFF-Bericht stand am Beginn einer bis dato nicht dagewesenen Initiative in Sachen Biergenuss. Michael Neureiter unterstrich mit der 2014 erfolgten Verkostung als Category Manager Bier bei der »Billa AG« den schwierigen Stand, den Leichtbiere in Österreich haben: »Die meisten zogen damals gänzlich alkoholfreie Biere vor«. Doch seither habe sich der Markt gründlich verändert. Eines der erfolgreichsten Biere mit nur 2,9 % vol unterstreicht das: Hopfenspiel von der Brauerei Trumer wurde just bei der Verkostung 2014 erstmalig vorgestellt. Es punktet bis heute mit reichlich Aromahopfen (Grapefruit-Duft) und Spritzigkeit. Vielleicht war man also einfach zu früh dran für den damals noch deutlich stolzeren Biermarkt. Damals lag der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei 105 Litern, aktuell sind es 97 Liter.
Spielraum für neuen Hopfen
Doch die Brauwirtschaft – 2025 mit einem Minus von 7,1 % konfrontiert – ist überzeugt, dass nicht der Biergeschmack an sich abkommt. Es wird nur anders getrunken, so die Einschätzung von »Mike« Neureiter, der daher unbedingt noch diesen Sommer landesweit eine eigene Range an leichten Bieren in die Billa-Regale bringen wollte. Wobei nicht alle drei der Definition eines Leichtbiers entsprechen, die maximal 3,7% vol Alkohol vorsieht. Das jüngst lancierte »Hello« von Hirter setzt die Akzente (bei 3,8%) aber mit dem »Huell Classic«-Hopfen wie Braumeister Raimund Linzer erklärte. Er war wie die Brauerei-Vertreter von Ottakringer und Stiegl ins Verkostungszentrum von »Del Fabro Kolarik« gekommen, um die stärkste Offensive für leichtes Bier vorzustellen.
Die Variante der Wiener Privatbrauerei trägt dabei die Ansage des niedrigen Alkohols – »2,9« – bereits im Namen. In Salzburg hingegen hat man dem »Hell« eine »kleine Schwester« beigesellt, die nur 3,5 % vol aufweist. Die Pils-Anklänge des hochvergorenen und daher sehr trockenen Leichtbiers kamen gut an. »Wir wollten auch drei unterschiedliche Biere in dieser Sparte haben«, sind diese Unterschiede wichtig für die Handelsinitiative.
Drei Brauereien machen’s leicht
So will man neue Konsumenten auch geschmacklich ansprechen und Biertrinker mit ihnen vertrauten Geschmacksbildern ansprechen. Restsüße und Malzigkeit sind technisch ebenso machbar wie betonte Trockenheit oder Fruchtigkeit via Aromahopfen-Gabe. Vor allem jüngere Konsumenten sollten einen weiteren Vorteil neben dem geringeren Alkoholkonsum schätzen – die verminderte Kalorienzufuhr. Rund 30 % macht dieser Unterschied beim Brennwert aus, auch wenn Vergleiche wie diese als »Health Claims« nicht am Etikett zulässig sind. Die Kommunikation erleichtert das den teilnehmenden Brauereien nicht, die »Leichten« müssen also geschmacklich überzeugen.
Der Spielraum im Sudhaus ist dafür aber gegeben: von den Kräutertee-Noten, die das »Krispindl« der Brauerei Gusswerk bis zum getreidigen »3« (benannt nach dem Alkoholgehalt) von Zipfer. Denn um das Segment in seiner Breite vorzustellen, wurden nicht nur die drei Neuheiten verkostet, sondern auch sieben weitere Biere mit maximal 3,9 % vol Alkohol. »Dieses Bier darf man nicht vergessen«, kommentierte Neureiter das leichte Freistädter Lager (früher als »Midium« vermarktet). Es befindet sich seit rund 25 Jahren auf dem oberösterreichischen Markt und zeigt, dass die Idee eines Leichtbieres auch abseits seiner engeren rechtlichen Definition keine neue Entwicklung darstellt.
Regionale Brauerei-Vergleiche
Ebenfalls aus Oberösterreich kam auch das Raschhofer »Geniuss« ins Glas. Im eigenen Gasthof der Brauer-Familie Scheriau kommt das 3,5 % vol leichte Zwickel seit Langem vom Hahn. Und das ebenfalls verkostete »Leichtsinn« der Schlossbrauerei Eggenberg zeigte mit seinem Namen, worum es bei der »Billa«-Initiative mit den drei Brauereien gehen soll: Im Zweifel kann man auch ein zweites Bier genießen. Der bundesweite Roll-out des Leicht-Sortiments startete jedenfalls parallel zur Verkostung bei »Del Fabro Kolarik«. Dann wird sich zeigen, ob der Markt heute reifer für leichte Biere ist als noch vor 12 Jahren!