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Tiramisu erobert Olympia – und seine Geschichte ist älter, als man denkt

Dessert
Olympische Spiele
Italien

Was vor zwei Jahren ein Schokoladenmuffin war, ist jetzt das Tiramisu: Bei den Winterspielen in Mailand-Cortina wird das italienische Dessert zum Social-Media-Phänomen – und erinnert daran, dass seine Wurzeln älter sind als jeder virale Trend.

Wer sagt, dass bei Olympischen Winterspielen nur Goldmedaillen glänzen? In Mailand-Cortina hat ein Dessert die Aufmerksamkeit der Athleten auf sich gezogen: Tiramisu. Zwei Jahre nachdem Henrik Christiansens als »Muffin-Man« in Paris viral ging, ist es diesmal Jonas Hasler, 19, Snowboarder aus Thurgau, der für Furore sorgt. In der Kantine filmt er sich, wie er genüsslich ein Stück Tiramisu probiert, es als »neuen Chocolate Muffin« feiert und mit 12 von 10 Punkten bewertet. Mehr als 3 Millionen Views später ist klar: Das Dessert hat seinen eigenen Medaillenstatus erreicht.

Doch Hasler ist nicht allein. Die Schweizer Freestyle-Skifahrerin und Goldmedaillengewinnerin Mathilde Gremaud (26) greift beherzt zu und bringt gleich ein ganzes Blech zum Tisch. Das Tiramisu wird zum süßen Star der Spiele, der nicht nur die Gaumen der Athleten begeistert, sondern auch ihre Fans online.

Von der Renaissance bis ins Olympische Dorf

Das Dessert, das aktuell für Furore sorgt, basiert auf Rezepten, die bereits vor 200 Jahren existierten. Schon im 15. Jahrhundert servierten italienische Aristokraten Desserts aus leicht gesäuerter Sahne, Zucker und Traubensaft – Zutaten, die verblüffend an heutige Mascarponecremes erinnern. Der Name »Mascarpone« tauchte nämlich erst im 18. Jahrhundert auf, zuvor sprach man von »Mascarpa« oder »Puina«. Dieses Luxusprodukt war teuer, verderblich und lange nur in wohlhabenden Haushalten verfügbar.

Im 19. Jahrhundert tauchten dann erste Rezepte auf, die Mascarpone, Zucker und Eier kombinierten – die direkten Vorläufer des heutigen Tiramisu. Die entscheidende Innovation kam Mitte des 20. Jahrhunderts: Liköre wurden durch Kaffee ersetzt, die Biskuits eingeweicht, Kakao bestäubt. Gleichzeitig erhielt das Dessert seinen heute weltbekannten Namen: »Tiramisu« – wörtlich »zieh mich hoch«. Damit verband sich die belebende Wirkung der Zutaten mit einem einprägsamen Namen, der das Dessert unverwechselbar machte und von allen vorherigen Varianten abhob.

Die Technik als heimlicher Star

Dass Tiramisu weltweit zum Kult wurde, verdankt sich weniger einem einzelnen Geniekoch als der Technologie: Kühlschränke und stabile Kühlketten ermöglichten erstmals, dass Mascarpone über weite Strecken transportiert werden konnte. So verbreitete sich das Dessert in den 1980er-Jahren in Restaurants rund um den Globus und avancierte zu einem der beliebtesten italienischen Desserts überhaupt.

Ob klassisch mit Espresso und Kakao oder modern mit Matcha, Limoncello oder Erdbeeren – Tiramisu bleibt ein Symbol für italienisches Dolce Vita.In Mailand-Cortina verdankt vielleicht der eine oder andere Athlet seine Medaille einem Stück Tiramisu.


Redaktion
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