Vorhang auf für Amarone 2021
Amarone als Teil des Systems Valpolicella – der Jahrgang 2021 – und natürlich die olympischen Winterspiele Milano-Cortina 2026: das waren die zentralen Themen von Amarone Opera Prima in Verona.
»Der Amarone darf nicht als einzelne Weintypologie wahrgenommen werden, sondern muss als ein Bestandteil des Systems Valpolicella gesehen werden!« Das war die Kernaussage der Masterclass am ersten Tag der Veranstaltung in Verona. Anhand von sechs Weinen, einem Valpolicella DOC, einem Valpolicella Superiore DOC, einem Valpolicella Ripasso DOC, einem Amarone DOCG, einem Amarone Riserva DOCG und einem Recioto Amandorlato DOCG wurde die These dargelegt, dass Amarone nur eine von vielen Impressionen des Valpolicella ist, überzeugend vor den anwesenden Journalisten und Fachleuten aus allen wichtigen Importländern dar.
Die Weinbautradition des Gebietes besteht seit Jahrtausenden. War einstmals der süße Recioto der höchste Ausdruck des Weinbaus in den Tälern rund um Verona, so ist es heute der Amarone. Die wichtigsten Weine des Gebietes aber sind Valpolicella und Valpolicella Superiore. Diese Sichtweise bestätigte auch Christian Marchesini, Präsident des Consorzio Vini Valpolicella. Das sind neue Töne, die da zu vernehmen sind. Nachdem jahrelang versucht wurde, jede direkte Verbindung des Amarone mit den anderen Weinen des Valpolicella zu vermeiden, gibt es nun eine Kehrtwendung um 180 Grad. Schuld daran trägt gewiss auch eine allgemeine Trendwende bei den Weingenießern, von den mächtigen und fülligen Powerweinen von einst hin zu mehr Frische, Eleganz und Trinkfreudigkeit.
Valpolicella und Valpolicella Superiore liegen da genau richtig! Auch den Amarone versucht man durch frühere Lese, kürzere Trocknungszeiten der Trauben und kürzere Verweildauer der Weine im Holz mehr in diese Richtung zu führen. Auch werden die Weine zunehmend trockener, eine Wohltat! Die übermächtigen, stark von Restsüße markierten Weine der letzten beiden Jahrzehnte scheinen der Vergangenheit anzugehören. Die besten Amarone dieser neuen Art bieten Fülle, aber auch Frucht und sehr angenehmen Trinkfluss. Wobei: so neu ist diese Art eigentlich nicht; einer der großen Traditionalisten, Bertani, baute seine Amarone immer schon betont trocken aus. Nun kehren wieder mehr Betriebe zu dieser Stilistik zurück.
Und wie ist er nun, der neue Jahrgang 2021? Insgesamt 67 Betriebe präsentierten in den Gallerie Mercatali ihre Weine; jeweils ein Amarone aus dem Jahrgang 2021, dazu ein oder zwei weitere Amarone aus dem aktuellen Sortiment. 2021 wies als Jahrgang einen regulären Witterungsverlauf auf, war vor allem kühler als etwa 2020 oder vor allem 2022. Die besten Muster zeigten sich von außerordentlicher Qualität, der Jahrgang ist in seiner Güte mit 2015 oder 2016 durchaus vergleichbar. Wie üblich bei Amarone waren aber nur ein kleiner Teil der Weine bereits auf Flasche gefüllt oder gar im Handel. Viele machen noch langes Flaschenlager bis zu über einem Jahr oder lagern gar noch für viele Jahre im Holzfass. Das ist ein großes Ärgernis. Wenn Amarone wirklich einen großen Schritt machen will, müssen die Produzenten dazu übergeben, alle zugleich mit einem Jahrgang auf den Markt zu kommen, Tradition hin, Tradition her.
Bordeaux, Brunello und Barolo zeigen, dass dieses System sehr gut funktioniert. Die Verkostungseindrücke können somit also nur den derzeitigen Entwicklungsstand der Weine wiedergeben. Positiv aufgefallen sind: Costa Ariente, Benazzoli, Tenuta Villa Bellini, Massimago, Zymè und Le Guaite, wobei die beiden letzteren erst in 5-9 Jahren in den Handel kommen werden. Ein Wermutstropfen war, dass viele bekannte Weingüter der Region leider nicht an der Veranstaltung teilnahmen. Das ist schade und verhindert, dass man sich ein wirklich umfassendes Bild des Jahrganges machen kann. Hier gibt es noch viel Luft nach oben!
Stets als Thema präsent waren auch die olympischen Winterspiele Milano Cortina. In Verona findet ja die Abschlussveranstaltung der Winterspiele statt. Amarone Opera Prima musste daher aus dem üblichen Veranstaltungsort, der Gran Guardia gegenüber der Arena, weichen, weil die bereits für Olympia in Beschlag genommen war. Die Galleria Mercatali gegenüber der Messe Verona, haben sich dabei als adäquates Ausweichquartier bewiesen. Wie viele andere italienische Weinbaugebiete erhofft man sich auch in Verona durch Olympia einen gesteigerten weltweiten Bekanntheitsgrad.