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Zum Ende der »Saurüsselalm«: »Das hat sich angefühlt wie eine Hetzkampagne«

Bayern
Interview
Schließung
Kritik

Nach Anfeindungen in der lokalen Presse und Streit vor Gericht geben Martin und Tanja Frühauf den Pachtvertrag für die »Saurüsselalm zurück.« Im Interview erzählt das Betreiberpaar, wie es soweit kommen konnte – und wie sie sich mit dem Ende fühlen.

Falstaff: Tanja und Martin Frühauf, Sie führen sehr erfolgreich die »Saurüsselalm« über dem Tegernsee. Jetzt haben Sie bekanntgegeben, dass Sie zum Jahresende aussteigen. Wie kam es dazu?

Martin Frühauf: Um das zu verstehen, muss man grundsätzlicher anfangen.

Bitte!

Martin Frühauf: Die Gemeinde Bad Wiessee hat den Besitzer der »Saurüsselalm« gebeten, sie umzurüsten: von einer landwirtschaftlichen auf eine gastronomische Nutzung. Das hat der Besitzer dann auch gemacht. Am 16. Dezember 2021 haben wir den Betrieb aufgenommen. Von Anfang an gab es Probleme.

Inwiefern? 

Martin Frühauf: Der Verein zum Schutz der Bergwelt hat gegen die Genehmigung geklagt, die den gastronomischen Betrieb der »Saurüsselalm« erlaubt.

Worin lag das Problem genau?

Martin Frühauf: Dass der gastronomische Betrieb der Alm zu mehr Tagestouristen führen würde – und damit die Natur gestört werden würde.

 

»Die Champagner-Alm«, so haben sie uns bezeichnet.

 

Heißt das, die Klage richtete sich gar nicht gegen ihr Verhalten, sondern dagegen, dass dort oben überhaupt eine bewirtete Alm betrieben wird?

Martin Frühauf: Sowohl als auch. In unserer Genehmigung steht, dass wir fünfzehn Sonderveranstaltungen durchführen dürfen. Die waren auch von der Naturschutzbehörde genehmigt, mit ein paar Auflagen: Zum Beispiel, wann die Veranstaltungen enden und dass die Gäste mit Shuttle-Fahrzeugen zum Parkplatz gefahren werden müssen. Damit nicht die ganze Gesellschaft mit Stirnlampen durch die Natur stapft und die Tiere stört.

Daran haben Sie sich gehalten. Woran haben sich die Kläger genau gestört?

Martin Frühauf: Die hatten den Eindruck, dass unsere Alm ein Hotspot für Schickimicki-Klientel aus München ist. »Die Champagner- und Event-Alm«, so haben sie uns bezeichnet. Unser Konzept war von Anfang an: Saurüssel, die etwas andere Alm. So haben wir das auch aufgezogen. Butterbrot und Weißwürste gab es bei uns natürlich auch, aber darüber hinaus noch mehr. Die Lokalpresse hat die Schickimicki-Vorwürfe der Umwelt-Vereine ungeprüft ausgeschlachtet und uns so total falsch dargestellt: Wir wären nur für die Reichen da, mit Trüffelpizza und Champagner. Das ist aber Quatsch. Neun von zehn Gästen sind Wanderer und Radfahrer, neun von zehn Bestellungen sind einfache lokale Speisen und Getränken. Die Wahrheit hat irgendwann aber niemanden mehr interessiert.

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Es gab aber nicht nur Beschwerden, sondern auch viele Menschen, die sehr gerne Gast auf Ihrer Alm waren.

Martin Frühauf: Genau, wir hatten 80 bis 90.000 Gäste pro Jahr. Die Wanderung hoch war angenehm, das gastronomische Angebot war gut. Unsere Gäste sind begeistert – vergangene Woche noch standen die Leute bis zu einer Stunde an, um ihren Lieblingsplatz zu kriegen.

Bei der Klage allein ist es nicht geblieben, die Presse hat die Geschichte aufgenommen und es ist zu Übergriffen gekommen. Was ist passiert?

Tanja Frühauf: In der Berichterstattung ging es nur darum, dass es die Event-Alm ist, dass dauerhaft Veranstaltungen stattfinden und nur die Schickimickis kommen. Wir haben da immer die Füße stillgehalten, weil wir gemerkt haben, dass die Lokalpresse uns jedes Wort im Mund verdreht.

Martin Frühauf: Wir sind aber auch nie direkt gefragt worden.

Tanja Frühauf: Jedenfalls haben wir eine Veranstaltung gehabt, die pro Person 249 Euro gekostet hat. Das ist nicht günstig. Aber die Leute, die daran teilgenommen haben, schwärmen heute noch davon! Da hat sich die Presse im Gebüsch versteckt und Fotos gemacht. Ich wusste gar nicht, dass man so tief in den Wald reinklettern kann. Das hat sich angefühlt wie eine Hetzkampagne.

 

Wir sind dankbar für die drei Jahre.

 

Nur zum Verständnis: Die Gemeinde Bad Wiessee wünschte sich einen gastronomischen Betrieb für die Alm, Sie setzen das auf Ihre Weise um – und das soll nun falsch sein?

Martin Frühauf: Genau.

Tanja Frühauf: Es gibt so viele Almen rund ums Tegernseer Tal und jede hat ihre Berechtigung. Wir wollten da oben etwas Schönes machen, das haben wir auch geschafft. Aber es war nie das Ziel, eine Schickimicki-Alm zu betreiben, wo kein Wanderer erwünscht ist. Unser Angebot war so breit, dass für jeden etwas dabei war. Dieser Schickimicki-Vorwurf ist weit weg von der Realität.

Klar ist: Solange Sie die Alm betreiben, schwelt dieser Konflikt. Was hat Sie bewogen, ausgerechnet jetzt aufzuhören?

Martin Frühauf: Es gab ein anhängiges Verfahren am Amtsgericht München, bei dem die 15 Sonderveranstaltungen verhandelt wurden. Wir haben im Dezember 2023 versucht, eine Einigung zu erzielen. Aber der Verein zum Schutz der Bergwelt war zu keinem Kompromiss bereit. Für April 2024 war dann ein Urteil anberaumt worden. Wir haben also erstmal keine Veranstaltungen angenommen, weil wir nicht wussten, wie es weitergeht. Das ist aber für so eine Alm wirtschaftlich nicht tragbar, denn wir haben unser Konzept mit diesen Veranstaltungen kalkuliert. Der Eigentümer hat die Baugenehmigung an das Landratsamt zurückgegeben, dadurch war die Klage des Vereins nicht mehr zulässig. Aber da hat sich dann wieder die Presse draufgestürzt: Wie kann es sein, dass es keine Baugenehmigung gibt? Warum macht der Frühauf einfach weiter?

Gab es von offizieller Seite keine Anweisungen?

Martin Frühauf: Wenn die uns dicht gemacht hätten, hätten sie auch alle anderen Almen dicht machen müssen, die auf genehmigungsfremden Raum stehen. Land und Gemeinde wissen zudem, dass die Tagesausflügler bei uns stets gut versorgt wurden, und natürlich freuen sie sich natürlich über die Arbeitsplätze und die Einnahmen für den Ort. Dieser Blick fürs Ganze haben wir leider bei den anderen Beteiligten vermisst.

Mit welchem Gefühl schließen Sie jetzt?

Martin Frühauf: Wir lieben diese Alm und auch die Gäste, die wir dort kennengelernt haben.

Tanja Frühauf: Wir sind dankbar für die drei Jahre, weil wir abgesehen von diesen Anfeindungen eine tolle Zeit gehabt haben. Auch wenn wir sieben Tage die Woche aufhatten – wir haben mit unseren Mitarbeitern eine neue Familie dazu gewonnen. Das werden wir in Erinnerung behalten.


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Moritz Hackl
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