Als die legendäre »Osteria due« vor einigen Jahren abgerissen wurde, lebte ihr Konzept in der »Osteria da Francesco« weiter – mit Gastgeber Francesco Delvecchio und Küchenchef Jochen Kempf. Doch als auch dieser Betrieb im vergangenen Jahr über Nacht schloss (offiziell wegen Personalmangels), ging alles schnell: Das Luxushotel »The Fontenay« entschied kurzerhand, das Restaurant unter dem ursprünglichen Namen im eigenen Haus fortzuführen – erneut mit Delvecchio und Kempf. Das Motto ist klar: keine Experimente. Weder bei der Speisekarte noch bei der Musik. Nun aber zum Eigentlichen – dem Dinner: Unter »gebratenen Gamberetti mit Orangen-Fenchel-Salat und Bergamotte« darf man durchaus eine kleine Garnelen-Auswahl erwarten. Tatsächlich sind es nur zwei – makellos gebraten, aber eben zwei. Dazu: etwas Fenchelsalat, zwei Rucolablätter, zwei Orangenfilets und ein paar Tupfer Mayonnaise. Die Bergamotte? Vermutlich vorhanden, geschmeckt hat man sie nicht. Die hauchdünne Pizzetta mit Trüffelsalami und Mozzarella macht dagegen richtig Freude. Auch die Krustentiercremesuppe überzeugt: aromatisch dicht, mit knackigen Garnelenstücken. Die Spaghetti Carbonara hingegen enttäuschen. Statt Guanciale kommt Pancetta zum Einsatz, das typische Aroma fehlt. Zum Glück liefern die Kalbsleberscheiben genau das, was man sich wünscht: kräftig gebraten, innen perfekt rosa, dazu fluffiges Püree, aromatische Salbeibutter und süß geschmorte Tropea-Zwiebeln mit Sultaninen. Wenn die Schwächen ausgebügelt werden, könnte die Osteria auch an ihrem neuen Standort wieder zur Institution werden.