Zu keinem Wirtshaus lässt sich gerade so viel erzählen wie über den »Schwarzen Adler« in Jochberg bei Kitzbühel. »Seit 1492« führt man mit dem Aviso, schon länger Gäste zu bewirten, als Amerika entdeckt wurde. Die prächtigen
Stuben frischten die neuen Pächter mit Sinn für die Substanz auf. Der spektakuläre
»Kaisersaal« wurde anlässlich einer Visite Seiner Majestät errichtet und war 1900 einen Tag in offiziellem Gebrauch. Soweit zur Hardware, die bislang kulinarisch kein adäquates Spiegelbild hatte. Mit der Wintersaison hat sich das gründlich geändert. Wer auf der Homepage zum Team scrollt, mag sich wundern. Da wäre einmal Geschäftsführer Klaus Pinter, zuvor führend bei Commerzbank oder Lloyd Fonds tätig und nun Gründer eines KI-gesteuerten Versandhandels für hochwertiges Fleisch namens »MEZGa«. Hier kommt Hannes Hönegger ins Spiel – als Qualitätsmetzger bekannt, Co-Entwickler der Wiener »Tatarie Marie« und Lieferant zahlreicher Top-Restaurants. Er steuert das Fleischwissen für den Webshop bei und ist zugleich Gastgeber im »Schwarzen Adler«, der auch als eine Art Schauraum für die »MEZGa«-Produkte fungiert. Und damit das tolle Fleisch auch würdig zubereitet auf die Teller kommt, stieß zum bisherigen Küchenchef Mario Naschenweng noch Marco Gatterer dazu, zuvor hochdekorierter Koch des »Berggericht« in Kitzbühel. Das wurde vom Management unter seltsamen Umständen im Juli 2025 über Nacht geschlossen. Gatterer lernte einst bei Größen wie Reitbauer, Sieberer, Nickol und Wallner und hebt hier nun Wirtshausküche auf ein neues Niveau. Handgeschnittenes Beef Tatar wird von Hönegger bei Tisch komponiert, dazu holzofengegrillte Salatherzen und Dottercreme. Und obwohl man sich dezidiert nicht als Fine-Dining-Adresse versteht, kann sich Gatterer Abstecher dorthin nicht verkneifen. Siehe sein neu interpretierter Germknödel: Optisch ident der deftigen Hüttenvariante, kommt ein zarter Germschaum mit Powidl, Zwetschkensorbet und drunter marinierte Entenleber – exzellent. Zartes Jochberger Lamm wird als Dreierlei aufgetragen – marinierte Karree-Spieße, gefüllte Paprika mit Faschiertem und Leber. Besonders beliebt: Gamslasagne – weniger saftig als gewohnt, denn die Teigschnitten kommen kurz auf den Grill, dazu »Tiroler Einbrenn« mit Bergkäse und Pilzallerlei. Die Weinkarte erfüllt die ortsüblichen Ansprüche – von Chateau Lafleur abwärts bis zu sehr freundlich gepreisten Einstiegsweinen finden alle etwas. Die Region Kitzbühel hat eine alte neue Top-Adresse.