Dass sich plötzlich das gesamte Restaurant leert und vor der Tür Handys gezückt werden, ist als Plus zu werten, denn die »Lakeside Bar« bietet einen unvergleichlichen Blick auf den Chiemsee, besonders wenn die Sonne hinter den Bergen versinkt. Anfang des Jahres eröffnete im »Hotel Chiemgauhof« dieses außergewöhnliche Sushi-Konzept: Edip Sigl und Küchenchef Max Müller bieten dort regionale Küche auf höchstem Niveau. Müller, der zuvor unter anderem im Berliner »Nobelhart & Schmutzig« tätig war, bringt umfassende Erfahrung mit dem lokalen Ansatz mit, den Sigl im »Ess\:enz« im Hotel Achental auf Drei-Sterne-Niveau verfeinert hat. Beide Häuser gehören der Motel-One-Gründerfamilie Müller. Der Fisch kommt direkt vom Bootssteg, das Gemüse wächst in enger Absprache mit regionalen Bauern, und die Marmelade wird hausgemacht. Ein echtes Geschmackserlebnis ist das Zander-Nigiri aus dem See, das eine überraschende Tiefe hat, die dem oft obligatorischen Thunfisch fehlt. Im Restaurant selbst wird die gebeizte Seeforelle in mildem Verjus serviert – ein Gericht, das in seiner Präzision und Finesse überzeugt. Ein weiteres Highlight: zarte Rinderspieße vom Chiemgauer Weiderind, die mit Auberginen-Baba-Ganoush und Artischocken serviert werden, ein Ensemble, das trotz seiner Schlichtheit begeistert. Als Tagesgericht könnte beispielsweise perfekt gegarter Spargel serviert werden, an dessen Seite ein kleiner Salat aus regionalen Kräutern ein dezentes Feuerwerk entfacht. Und zum Abschluss sollte man unbedingt das spektakuläre Sauerampfer-Granité mit Rahm, Apfel und Buttercrumble probieren, das dank Kirschöl eine unerwartet runde Note erhält: ein Dessert, das man so schnell nicht vergisst.