Anwalt Christian Harisch: Wie bleiben Mieten in Ferienorten bezahlbar?
Der Hotelier aus Kitzbühel leitet ein Multihotelunternehmen mit zehn Betrieben, darunter das »Schwarzer Adler« in Kitzbühel oder die »Lanserhof«-Hotels. Im Falstaff-Talk teilt er uns seine Ansichten zur aktuellen Wohnsituation mit.
Falstaff: In Ferienregionen ist der Wohnraum knapp. In einigen Bezirken Tirols gibt es darum Kontrollen für Immobilienbesitzer. Wer keinen Hauptwohnsitz hat oder einen Ferienwohnsitz, der vor 1994 genehmigt wurde, erhält ein Benützungsverbot – selbst dann, wenn er über 80 Tage im Jahr vor Ort ist und dort arbeitet. Wohnraum für Einheimische soll dadurch bezahlbar bleiben. Funktioniert das System?
Dr. Christian Harisch: Diese Kontrollen gibt es seit drei Jahren. Abgesehen davon, dass ich diese Bespitzelung für unverhältnismäßig halte, hat in dieser Zeit keine einzige einheimische Familie dadurch eine günstigere Wohnung oder ein Haus bekommen. Aber es wurden für über 30 Häuser Benützungsverbote ausgesprochen, die jetzt leer stehen. Deren Bewohner vorher einkaufen gingen, Handwerker beschäftigten und Geld ausgaben, zum Beispiel in der Gastronomie und im Handel.
Fakt ist, dass sich viele Einheimische die Mieten in Ferienregionen nicht mehr leisten können. Wie würden Sie eine sogenannte Zweitwohnabgabe gestalten, damit sie wirklich nützt?
Alle Leute mit einem mindestens 80 Quadratmeter großen Arbeitswohnsitz, den sie mindestens 80 Tage nutzen, die aber keinen Hauptwohnsitz vor Ort haben, sollten eine Abgabe zahlen. Diese sollte zweckgebunden verwendet werden, damit Einheimische, die sich schwertun, die hohen Mieten zu bezahlen, von der Gemeinde einen Zuschuss zur Miete bekommen. Niemand sollte mehr als maximal 35 oder 40 Prozent fürs Wohnen ausgeben müssen. Sonst wird es für viele Menschen fast unmöglich, sich noch eine Wohnung zu leisten. Das betrifft junge Menschen, Pflegekräfte, Krankenschwestern, Handwerker:innen, Verkäufer:innen und viele mehr.
Wie schauen die Menschen in der großen Ferienregion Tirol auf Ihren Vorschlag?
Die Bürgermeister vor Ort sehen es weitestgehend ebenso. Von den Regierenden in der weit entfernten Landeshauptstadt fehlt jedoch leider bislang das Verständnis. Die Menschen in den betroffenen Bezirken leiden darunter, weil sie Arbeitsplätze verlieren, weil sie Umsatz verlieren, weil sie ihre Lebensgrundlage verlieren.