Christian Zechmeister im Falstaff-Talk: »Die Weinbranche steht unter Druck – doch sie wird ihren Weg finden«
Christian Zechmeister folgt auf Josef »Pepi« Schuller und übernimmt ab 2027 die Weinakademie Österreich als neuer Geschäftsführer. Mit Falstaff sprach er über neue Formate, seine Lieblingsweine und aktuelle Trends.
Nach 36 Jahren übergibt Josef Schuller ab 2027 die Leitung der Weinakademie an Christian Zechmeister, den bisherigen Geschäftsführer der Wein Burgenland und des Regionalen Weinkomitees Burgenland. Ab August startet eine Übergangsphase gemeinsam mit Josef Schuller, ab Jänner 2027 wird Zechmeister, der selbst diplomierter Weinakademiker und Lektor ist, die Geschicke der Akademie zur Gänze übernehmen.
Falstaff: Sie blicken bereits auf eine lange Karriere in der Weinbranche zurück. Wie hat sich die Weinwelt in dieser Zeit verändert?
Christian Zechmeister: Die Weinbranche ist eine immens aktive Branche. In den gut 25 Jahren, in denen ich aktiv in der Weinwirtschaft tätig bin, habe ich zahlreiche Trends, Krisen und Entwicklungen miterlebt. Die Weinwirtschaft ist eine Branche die stätig im Wandel war und ist.
Aktuell erleben wir eine starke Änderung der Konsumgewohnheiten, viel Gegenwind von Seiten der WHO und auch wirtschaftliche Herausforderungen. Wein ist ein emotionales Produkt – es berührt die Menschen! Daher bin ich überzeugt, dass wir auch einen Weg aus dieser schwierigen Zeit finden werden. Weinwissen, gemeinsames Degustieren und auch Weinevents können dabei einen wichtigen Beitrag leisten.
Wie sind Sie selbst zur Weinbranche gekommen?
Der Wein wurde mir sprichwörtlich in die Wiege gelegt, da ich in einem kleinen Weinbaubetrieb geboren wurde. Rasch entwickelte sich mein Interesse an Arbeiten im Keller und im Weingarten – somit kam auch die Entscheidung nach vier Jahren Gymnasium in Eisenstadt nach Klosterneuburg in die HBLA für Wein und Obstbau zu wechseln nicht überraschend. Nach der Matura zog es mich ins Ausland - zuerst ins Sonoma Valley (Kalifornien/USA), dann nach Central Otago (Neuseeland). Dies konnte meinen Wissensdurst jedoch nicht stillen und es folgten noch die Ausbildung zum Weinakademiker sowie das Masterstudium »Internationales Weinmarketing«.
Meine ersten beruflichen Erfahrungen sammelte ich als Vinotheks- und Logistikleiter an der Weinakademie bevor ich 2007 Geschäftsführer der Wein Burgenland wurde. Nach einer kurzen, aber spannenden und intensiven Zeit als Prokurist der Österreich Wein Marketing GmbH durfte ich im Burgenland den Weintourismus aufbauen und vor gut 3,5 Jahren auch wieder die Leitung der Wein Burgenland übernehmen. Nun freue ich mich auf die neue berufliche Aufgabe.
Was bedeutet es für Sie als diplomierter Weinakademiker, nun die die Leitung der Weinakademie zu übernehmen?
Die Weinakademie Österreich hat sich unter der Leitung von Dr. Josef Schuller zu einer der international anerkanntesten Weininstitutionen entwickelt. Als Weinakademiker und auch als langjähriger Lektor der Weinakademie Österreich ist es für mich eine große Ehre, aber auch eine Herausforderung, die Leitung der Weinakademie übernehmen zu dürfen. Ich freue mich auf diesen nächsten beruflichen Schritt, bin mir aber auch der großen Verantwortung bewusst. Persönlich ist es für mich auch eine Art »Back to the roots« – war doch die Weinakademie Österreich meine erste Station im Berufsleben.
Neben dem erfolgreichen Weinakademiker-Programm möchten Sie zusätzliche neue, an die aktuelle Marktsituation angepasste Formate entwickeln – wie sehen hier die ersten Schritte aus beziehungsweise wie könnten diese Formate aussehen?
Wir sehen aktuell einen Trend, dass Eventformate eine immer größere Beliebtheit erfahren. Diesem Trend soll und muss auch die Weinakademie Rechnung tragen. Zudem sollen neue, aktuelle Themen verstärkt in das Seminarprogramm aufgenommen werden. Der Club der Weinakademiker – der Alumni Club der Diplomabsolventen – hat außerdem über 1.000 Mitglieder. Ich bin klar der Meinung, dass wir hier noch großes Potential für vertiefende Weiterbildung haben. Das Seminarangebot, dass wir an Tourismusschulen und Co. machen, soll ausgebaut werden – hier haben wir einen direkten Kontakt zur nächsten Generation und können sehr neutral Wissen vermitteln und auch Interesse für die Vielfalt an Weinstilen wecken.
Wie sieht die Weinausbildung der Zukunft aus?
Die Weinausbildung der Zukunft ist mannigfaltig, stark an die Interessen der Zielgruppen angepasst. Zudem bedarf es bei der Ausbildung neben analogen Seminaren, bei denen Wein fachkundig beschrieben und verkostet wird, auch einer digitalen Unterstützung. Die Art wie Leute lernen – nicht nur in der Weinausbildung – hat sich in den vergangenen zehn Jahren so stark verändert, wie nie zuvor, auch weil es nun eine Vielzahl an Möglichkeiten gibt.
Daher sollen auch erfolgreiche bestehende Programme – wie der Weg zum Weinakademiker – weitergeführt und ausgebaut werden. Darüber hinaus sollen neue Themenseminare und Formate entwickelt werden.
Welchen Wein sollte man einmal im Leben getrunken haben? Und welchen Wein haben Sie immer gekühlt und griffbereit zu Hause?
Die erste Frage ist unmöglich zu beantworten – hier gibt es viel zu viele. Genau diese Vielfalt macht auch einen Teil der Faszination Wein aus. Außerdem gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken, die Neugier wird somit immer wieder aufs Neue gereizt.
In meinem Wohnzimmer steht ein Klimaschrank, der immer gut gefüllt ist. Was die Weißweine betrifft so ist immer ein Grüner Veltliner, ein Riesling oder ein Chardonnay griffbereit. Ich mag aber auch Rotweine leicht gekühlt. Die Weinwahl wird dann meist nach Lust und Laune oder aufgrund der Speisen – ich liebe Wein zum Essen – getroffen.