Cheers, Dude! Die Geschichte des »White Russian«
Einmal einen Bart haben, wie Jeff Bridges in »The Big Lebowski«? Kurz am richtigen Drink genippt und schon kommt man zumindest in die Nähe dieses Looks. Die Rede ist natürlich vom legendären »White Russian«. Aber was steckt hinter dem Drink und wie macht man ihn richtig?
Es ist sicherlich eine der bekanntesten Rollen, in die Jeff Bridges je geschlüpft ist: die des »Dude« im Filmklassiker »The Big Lebowski«. Der etwas schmuddelige Held des Films hat es nicht nur geschafft, im Bademantel durchs Leben schlurfend die Herzen von Millionen von Filmfans zu erobern, er hat diesen ganz nebenbei auch einen lange vergessenen Drink wieder ins Bewusstsein gerufen, der seither eine unverhoffte Renaissance erlebte: der »White Russian«.
Nun nimmt es der »Dude«, wie mit allen Dingen im Leben, auch bei der Rezeptur nicht ganz so genau und bedient sich an wechselnden Hausbars eben mit dem, was er findet. Gesetzt sind Eiswürfel, ein üppiger Schuss Vodka, dazu Kahlúa und Milch, die aber auch mal in Form von Milchpulver ins Glas wandern kann. Kurz gerührt und fertig ist das Kunstwerk. Zumindest für den großen Lebowski. Wer es zuhause aber genauso locker mit der Mixtur nimmt, wird aber sehr wahrscheinlich schnell enttäuscht sein, denn auch hier lohnt es sich, dem Ganzen ein wenig mehr Detailverliebtheit zuteilwerden zu lassen.
Von Schwarz zu Weiß
Bevor man sich an den Shaker macht, lohnt zudem ein Blick auf die Geschichte des Drinks, der eigentlich eine Weiterentwicklung eines »Black Russian« ist, der ursprünglich Ende der 1940er Jahre von einem gewissen Gustave Tops, Barchef des Hotel Metropole in Brüssel, erfunden worden sein soll und lediglich aus 2 Teilen Vodka und 1 Teil Kahlúa besteht. Der Drink soll, so die Geschichte, eine Hommage an einen amerikanischen Diplomaten gewesen sein und seinen Namen aufgrund der Assoziation von Wodka mit Russland bekommen haben. Der Zusatz »Black« bezog sich dann auf die dunkle Farbe des Kaffeelikörs. Der »White Russian« tauchte dann als Variante seines schwarzen Bruders erstmals 1961 in dem Buch »Diner's Club Drink Book« auf. Hierin wird dem Originalrezept ein wenig Sahne hinzugefügt, was dem After-Dinner-Drink zusätzliche Cremigkeit verleiht. Vier Jahre später startete Southern Comfort, das den benötigten Kaffeelikör damals vertrieb, dann eine Werbekampagne mit dem »White Russian«, deren Erfolg jedoch überschaubar blieb. Erst als Jeff Bridges 1998 als »The Dude« über die Leinwand flimmerte, wurde der Drink Teil der Popkultur und von der breiten Masse entdeckt und fand seinen Platz auf vielen Barkarten rund um die Welt. Wie auch der Cosmopolitan, der durch »Sex and the City« berühmt wurde, ist der »White Russian« somit ein perfektes Beispiel für die Symbiose zwischen Cocktailkultur und modernen Medien.
Wie man ihn am besten mixt
Der cremig-süße Shortdrink zählt zu den After-Dinner-Drinks, serviert wird er in der Regel im Tumbler auf Eis oder alternativ in einer Coupette oder Cocktailglas ohne Eis und ohne Garnitur. Auch bei mit der Sahne kann man variieren, vor allem dann, wenn einem diese zu gehaltvoll und der Drink zu wuchtig ist. In diesem Falle kann auch Milch verwendet werden, jedoch büßt der »White Russian« dann etwas von seiner Cremigkeit ein. Anders als der »Dude« sollte man die Zutaten aber nicht einfach im Glas verrühren, sondern zunächst den Vodka und den Kaffeelikör auf Eis shaken, abseihen und dann mit cremig, aber nicht steif geschlagener Sahne vorsichtig floaten. Und ganz wichtig: am besten ohne Eis servieren!