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© Gina Müller / Caroline Seidler.com

Kokos-Produkte: (K)eine gute Alternative

Wissenschaft
Nachhaltigkeit
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Vor wenigen Jahren ist der Hype rund um Kokosprodukte voll ange­laufen. Ob Öl, Zucker, Mehl, Sirup, Milch oder Wasser: All ­die exotischen Varianten werden als besonders gesund und umweltfreundlich angesehen. Die Wahrheit aber ist: Sie punkten mit ihrer Geschmacksnote, jedoch kaum mit anderen aussergewöhnlichen Vorteilen. Und: Ökologisch ist der Kokosnuss-Anbau nicht unumstritten.

Sie sind ein Sinnbild für Fernweh nach den Tropen: Kokospalmen an einsamen weissen Stränden, Kokosnüsse mit abgeschlagener Spitze und Strohhalm. So weit der Traum – die Wirklichkeit sieht anders aus: Im grossen Stil erfolgt der Anbau auf Plantagen im Hinterland der Küstenregionen. 

Satellitenaufnahmen zufolge sind weltweit etwa zwölf Millionen Hektar mit Kokospalmen bepflanzt. Das entspricht ungefähr der eineinhalbfachen Fläche von Österreich. Vor allem Kleinbauern auf den Philippinen, in Indonesien, Indien und Sri Lanka leben von der vielseitig nutzbaren, langlebigen Pflanze. 

Vom Fruchtwasser und dem Fruchtfleisch bis hin zu den Schalen und Fasern sowie Palmwedel und Stämmen ist die Kokospalme – theoretisch – verwertbar. Nach sechs bis zehn Jahren fangen die Palmen an, Nüsse zu tragen. Nach 15 bis 20 Jahren erreichen sie ihren Produktionshöhepunkt. Geerntet werden die Kokosnüsse von Kletterern rund viermal im Jahr. Nach der Ernte wird die äussere Schale der Nüsse entfernt, die hölzerne Schale geknackt und das weisse Fruchtfleisch – die sogenannte Kopra – entnommen. 

Die Kopra kann in mehrerlei Hinsicht verwendet werden. Getrocknet wird sie zu Kokosraspeln verarbeitet, die wiederum beim Kochen, für Süsswaren und Müslis eingesetzt werden. Wird getrocknetes, entöltes Fruchtfleisch gemahlen, entsteht Kokosmehl. Dieses hat deutlich weniger Kohlenhydrate als Weizenmehl, ist glutenfrei und kann daher für Personen mit Zöliakie oder Glutensensitivität interessant sein.

© Gina Müller / Caroline Seidler.com

Für Kokosmilch wird zerkleinertes Fruchtfleisch einer etwa zwölf Monate alten Kokosnuss mit Wasser gemixt und dann gepresst. Das Filtrat bildet Kokosmilch, die etwa in Currys ihren Einsatz findet. Kokossirup wiederum wird aus dem Nektar der Palmen gewonnen und schmeckt nach Karamell. Kokosblütenzucker wird gemacht, indem man den Sirup erhitzt bis er kristallisiert. Er liefert ebenfalls Kokos- und Karamellnoten, hinsichtlich Süsskraft und Kaloriengehalt ist er dem Haushalts­zucker aber sehr ähnlich. Aus der Kopra wird auch das Kokosöl gepresst, wobei man je nach Herstellungsmethode – wie bei anderen Ölen auch – natives und raffiniertes Kokosöl unterscheidet.

Kokosöl ist weiss und bei Zimmertemperatur fest. Daher spricht man auch von Kokosfett. Es verflüssigt sich bei etwa 24 Grad Celsius. Dieser Umstand macht das Kokosöl für industrielle Süsswarenproduktion attraktiv, weil das Fett für seine Stabilität nicht gehärtet werden muss. Es ist stark erhitzbar, ist daher auch zum Backen, Braten und Frittieren geeignet, findet aber auch in Speiseeis Verwendung. Aufgrund der Streich­fähigkeit verwenden es manche zudem statt Butter oder Margarine.

Nicht besser als Palmöl

Einen gesundheitlichen Benefit darf man sich davon jedoch nicht erwarten: Die bis heute vorliegende Studienlage lässt keinen Schluss zu, dass Kokosöl in irgendeiner Weise gesundheitsfördernd wirkt. Weder hat es Effekte auf die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch hilft es bei der Gewichtsabnahme. Kokosöl besteht ähnlich wie Palmöl vor allem aus gesättigten Fettsäuren, von denen wir ohnehin mehr als ausreichend aufnehmen und die sich unter anderem auf die Blutfettwerte negativ auswirken. Für den Gebrauch in der Küche sind daher Öle mit einem günstigerem Fettsäuremuster besser, wie Raps-, Sonnenblumen- oder Olivenöl.

Wer glaubt, aus ökologischen Gründen auf Palmöl verzichten zu müssen und stattdessen auf Kokosöl setzt, der irrt. Auf einem Hektar lassen sich mit  Kokospalmen 0,7 Tonnen Kokosöl erzeugen. Bei der Ölpalme liegt der Ertrag beim Fünffachen. Die Öko-Bilanz der Kokosnuss ist also noch schlechter.

Auch wer glaubt, aus ökologischen Gründen besser auf Produkte mit Palmöl verzichten zu müssen und stattdessen auf jene mit Kokosöl setzt, der irrt. Auf einem Hektar lassen sich mit Kokospalmen etwa 0,7 Tonnen Kokosöl erzeugen. Bei der Ölpalme liegt der Ertrag etwa bei dem Fünffachen. Für dieselbe Menge bräuchte man also deutlich mehr Fläche. Das Problem der Entwaldung sowie möglicher sozialer Missstände würde sich durch den Ersatz daher nur verlagern bzw. sogar verschlechtern. Noch dazu gibt es im Gegensatz zu Palmöl weniger Initiativen für Zertifizierungs­programme.

Kokoswasser

In Flaschen oder Tetrapak gefülltes Kokoswasser wird bei uns als isotonischer Durstlöscher gehypt. Vor allem Sporttreibende sollen davon profitieren. Kokoswasser ist das Fruchtwasser von jungen (grünen oder gelben) Kokosnüssen einer bestimmten Sorte (Trink-Kokosnüsse). Diese werden etwa in einem Alter von sechs Monaten geerntet und weisen zu diesem Zeitpunkt am meisten Fruchtwasser (ca. 600 ml) auf. Eine reife Kokosnuss enthält kein Kokoswasser mehr, weil es das Fruchtfleisch aufgesaugt hat.

Wird das Wasser nicht direkt aus der Nuss getrunken, sondern in grossem Massstab verwertet, dann kommt es vor der Abfüllung zur Pasteurisation. Pur schmeckt das Kokoswasser erfrischend, leicht süss-säuerlich und nur dezent nach Kokos. Mit rund 15 Kalorien pro 100 Gramm ist es relativ kalorienarm. Diverse Mineralstoffe, darunter Kalium, Natrium und Magnesium, können dazu beitragen, den Elektrolythaushalt nach dem Sport wieder auszugleichen. Ein mineralstoffreiches Mineralwasser oder ein Apfelsaft gespritzt erfüllen allerdings den gleichen Zweck. Auch beim Kokoswasser gilt also: aus gesundheitlichen Gründen nicht nötig, aus ökologischen nicht sinnvoll.

MEHR FOOD-SCIENCE


 

Marlies Gruber
Autor
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