Harvard-Studie: Länger leben ohne Butter?
Kann die Wahl des richtigen Fettes wirklich über Leben und Tod entscheiden? Eine Langzeitstudie der Harvard T.H. Chan School of Public Health scheint diesen Verdacht zu bestätigen.
Die Wahl des richtigen Fettes könnte über Leben und Tod entscheiden – so lautet zumindest das Ergebnis einer aktuellen Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Über einen Zeitraum von 33 Jahren analysierten Forschende die Ernährungsgewohnheiten von mehr als 221.000 Menschen und kamen zu einem klaren Schluss: Wer Butter durch pflanzliche Öle ersetzt, senkt sein Risiko für Herzkrankheiten, Krebs und sogar den vorzeitigen Tod.
Es scheint eine einfache, aber wirkungsvolle Empfehlung zu sein: Schon der Austausch von nur 10 Gramm Butter täglich – etwa einem Esslöffel – gegen pflanzliche Öle wie Oliven-, Raps- oder Sojaöl reduziert das Sterberisiko um 17 Prozent. Das Besondere daran: Es handelt sich um eine geringe Veränderung, die langfristige gesundheitliche Vorteile verspricht.
Killer Cholesterin
Laut Studienleiter Walter Willett, Professor für Epidemiologie an Harvard, ist der Hauptgrund für die positive Wirkung pflanzlicher Öle ihr hoher Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, die das LDL-Cholesterin senken und so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern. Im Gegensatz dazu erhöhen gesättigte Fettsäuren in Butter und anderen tierischen Produkten das »schlechte« Cholesterin, was mit einem höheren Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle verbunden ist.
Die Studie bezieht sich vor allem auf Olivenöl, Rapsöl und Sojaöl, die durch ihren Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren besonders vorteilhaft sind. Diese Öle wirken nicht nur kardioprotektiv, sondern haben auch entzündungshemmende Eigenschaften. Weniger empfehlenswert sind Öle wie Palm- oder Kokosöl, die einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren aufweisen.
Fett ist nicht gleich Fett
Die Wahl des richtigen Fettes ist dabei nicht nur eine Frage der Gesundheit, sondern auch der Zubereitung. Einfach ungesättigte Fettsäuren – wie sie in Olivenöl enthalten sind – sind nicht nur gesund, sondern auch stabiler und besser für den täglichen Gebrauch beim Kochen und Braten geeignet. Mehrfach ungesättigte Fette, wie sie etwa in Leinöl vorkommen, sind empfindlicher und sollten nicht stark erhitzt werden.
Doch Vorsicht: Laut den Harvard-Forschenden sollte der Ersatz von Butter nicht auf Kosten von Transfetten gehen. Diese entstehen, wenn pflanzliche Öle industriell gehärtet werden – wie es bei Fertigprodukten wie Chips oder Fast Food der Fall ist. Transfette gelten als besonders gesundheitsschädlich und sollten nach Möglichkeit gemieden werden.
Studienkritik
Ernährungsstudien sind oft fehleranfällig, insbesondere wenn Fragebögen zum Einsatz kommen. In solchen Fällen müssen Forschende darauf vertrauen, dass die Teilnehmenden sich genau an ihre Nahrungsaufnahme und die jeweiligen Mengen erinnern.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Personen, die viel Butter konsumieren, möglicherweise insgesamt ungesündere Essgewohnheiten haben, die zu einer höheren Sterblichkeit beitragen können. Im Gegensatz dazu könnten Menschen, die regelmäßig pflanzliche Öle verwenden, nicht nur von den positiven Eigenschaften des Öls profitieren, sondern auch von einer insgesamt gesünderen Ernährung. Es ist auch denkbar, dass Menschen, die zu pflanzlichen Ölen greifen, tendenziell mehr frische und gesunde Zutaten in ihre Mahlzeiten einfließen lassen. Zudem spielt das Einkommen eine Rolle: Menschen mit höherem Einkommen können sich tendenziell gesündere Lebensmittel leisten, was auch die Ergebnisse solcher Studien beeinflussen könnte.