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Das Weingut Proidl verfügt über beste Terrassenlagen in Senftenberg.

Das Weingut Proidl verfügt über beste Terrassenlagen in Senftenberg.
© Edwin Dullinger

Kremstaler Vielfalt: Die Sieger:innen des Kremstal DAC Cup

Verkostung
Kremstal
Winzerin
Winzer

Ein Jahrgang mit Charakter: Trotz zahlreicher Herausforderungen haben die Kremstaler Winzer 2024 eine Fülle von harmonisch-eleganten Grünen Veltlinern und frischen Rieslingen auf die Flasche gebracht.

Es waren herausfordernde ­Monate: Der Witterungsverlauf des Jahres 2024 war von zahlreichen Einflüssen und Ereignissen geprägt. Dank guter Wasserversorgung und frühsommerlichen Prachtwetters begann das Jahr vielversprechend und führte zu einem außergewöhnlich frühen Austrieb – jedoch auch zu einem erhöhten Risiko für Spätfröste.

Prompt sanken in der zweiten Aprilhälfte in vielen Teilen Niederösterreichs die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. Während tiefer gelegene Lagen teils erheblich geschädigt wurden, litten in der Thermenregion, im Kamptal und in der Wachau sogar Toplagen unter den Frostereignissen. Das Kremstal hingegen kam in dieser frühen Phase relativ glimpflich davon.

Ende Mai setzten dringend benötigte Niederschläge ein. Diese fielen jedoch mit der ebenfalls früh einsetzenden Blüte zusammen und führten zu ertragsmindernden Verrieselungseffekten. Ein warmer Sommer sorgte anschließend für eine ausgezeichnete Traubenreife. Die anhaltende Trockenheit ließ die Beeren klein und mit dicker Schale ausfallen. Der Zuckergehalt stieg entsprechend, während der Säuregehalt konti­nuierlich abnahm.

Zusätzliche Herausforderungen brachten in vielen Regionen punktuelle Hagelschläge, die die Erntemenge weiter reduzierten. Das Kremstal aber blieb davon verschont, man begann mit einer frühen Weinlese.

Klein aber fein

Nach einem heiß-schwülen Start in den September öffnete der Himmel über Ostösterreich alle Schleusen, und nie dagewesene Regenmengen führten zu Überflutungen. Die beunruhigenden Bilder aus dem Tullnerfeld und dem Kamptal bleiben in Erinnerung. Glücklicherweise hatte dieses Wetterphänomen nur geringen Einfluss auf die anschließend fortgesetzte Lese. Es wurden gesunde, aber lockerbeerige Trauben mit kleinen, dickschaligen Beeren und geringem Saftanteil geerntet. Das Traubengut präsentierte sich bei hoher Zuckerreife in perfektem Zustand.

Der Jahrgang 2024 brachte im Raum Krems Grüne Veltliner mit Schmelz und sortentypischer Würzigkeit.

Die Winzer des Kremstals dürfen sich daher über einen gelungenen Jahrgang freuen, der sich dank der ausgezeichneten Reife bereits in seiner Jugend als äußerst zugänglich zeigt. Die Weine bestechen mit ausgeprägter Frucht, Charme und einer runden, harmonischen Säurestruktur, die aufgrund der sommerlichen Hitze moderater ausfällt als in kühleren, späteren Jahrgängen. Einziger Wermutstropfen bleibt die Erntemenge, die durch den besonderen Witterungsverlauf naturgemäß geringer ausfiel.

Der Kremstal DAC Cup

Kommen wir zur aktuellen Verkostung des Kremstal DAC Cups. Das Thema der Frühjahrsprobe waren wie in den Jahren zuvor die Kremstal-DAC-Weine der Sorten Grüner Veltliner und Riesling. In dieser Jungweinprobe wurde kein Unterschied zwischen Gebiets-, Orts- und Riedweinen gemacht, da im Weinbaugebiet Kremstal der Prüfnummernantrag für Lagenweine bereits mit dem Stichtag 1. März gestellt werden darf.

Anders verhält es sich mit der Kategorie »Kremstal DAC Reserve«: Diese Weine können erst ab dem 1. Juli des auf die Ernte folgenden Jahres beantragt und anschließend in Verkehr gebracht werden. Sie sind daher Gegenstand unseres herbstlichen DAC-Reserve-Cups, gemeinsam mit den Weinen aus den Ersten Lagen der Österreichischen Traditionsweingüter – im Kremstal gehören dazu derzeit 19 Betriebe.

Von insgesamt 139 bei der aktuellen Probe eingereichten Weinen waren nicht weniger als 41 Rieslinge. Zwei Aspekte fielen dabei besonders auf: Erstens präsentierten sich die Kremstaler Rieslinge – anders als in den umliegenden Gebieten – mit einem lebendigen Säureniveau. Zweitens lagen die Alkoholwerte meist zwischen zwölf und 12,5 Prozent, also etwas niedriger als üblich, was ihre Trinkfreudigkeit zusätzlich unterstreicht.

Eine echte positive Überraschung: Die Hälfte der Rieslinge erreichte beeindruckende 92 Punkte, während die vier höchstbewerteten Weine sogar 93 Punkte erzielten. Zudem ist die Zahl der biozertifizierten Weine weiter gestiegen.

Die Siegerweine

Der Riesling-Sortensieger kommt von Josef Schmid aus Stratzing: Sein Riesling Kremstal DAC Vom Urgestein 2024 stammt aus Trauben, die in den besten Terrassenweingärten auf Urgesteinsverwitterungsböden gewachsen sind. Platz zwei geht an das Weingut Familie Proidl aus Senftenberg. Ihr Senftenberger Ortswein Riesling Kremstal DAC 2024 trägt den Namen »Steilheit« – passend, denn er wird aus Trauben verschiedener Senftenberger Steillagen vinifiziert.

Die Bronzemedaille sicherte sich der Riesling Kremstal DAC Hollenburg Ried Kreuzberg 2024 von Bio-Winzer David Harm aus Krustetten. Dieser Wein wächst auf roten, kalkreichen Rendzinaböden, die auf Sandstein lagern und ihm seine feine Mineralität und Frische verleihen. Auf dem undankbaren vierten Platz, aber ebenfalls mit hervorragenden 93 Punkten, landete der elegante Riesling Kremstal DAC Stein vom Salomon Undhof.

Die Verkostung der 98 Grünen Veltliner war ebenso ein Genuss. Dank der vielfältigen Bodenbedingungen zeigte sich eine breite aromatische Vielfalt, gepaart mit einer qualitativen Konstanz, die sich viele andere Regionen nur wünschen können. Den Cup-Sieg holte sich diesmal Josef Dockner vom Weingut Familie Dockner in Höbenbach. Sein Grüner Veltliner Kremstal DAC Ried Oberfeld überzeugte besonders – gewachsen auf tiefgründigem Löss in Furth-Palt.

Der zweite Platz ging an den Grünen Veltliner Kremstal DAC Wieden, einen Gebietswein, der nach der einstigen Hauslage des Undhofs der Familie Salomon benannt ist, und die Bronzemedaille sicherte sich der Grüne Veltliner Kremstal DAC Ried Höhlgraben vom Weingut Malat. Diese Traditionslage wird bereits seit 1722 von der Familie bewirtschaftet. Der Wein wächst auf einer einzigartigen Mischung aus verwittertem Stein, Schotterböden und Ablagerungen der Urdonau.

ZUM GESAMTEN TASTING


Auf zum Wein!

Wer die jungen Weine des Jahrgangs 2024 persönlich kennenlernen möchten, dem bieten sich dafür zwei Wochenenden besonders an: Am letzten April-Wochenende, Samstag, 26. April, und Sonntag, 27. April 2025, lädt das Kremstal gemeinsam mit dem Kamptal und dem Traisental zum traditionellen Weinfrühling ein. Rund 220 Weingüter öffnen an beiden Tagen ihre Türen und laden Besucher dazu ein, sich durch die besten Weine zu kosten. Bereits am Freitag, dem 25. April, haben 70 Weingüter geöffnet und bieten die Möglichkeit, schon früher mit der Verkostung zu beginnen.

Alle Informationen zum Weinfrühling von den teilnehmenden Weingütern über geöffnete Heurige, Mobilitätsangebote und Rahmenveranstaltungen bis hin zu touristischen Tipps sind auf weinfruehling.info zu finden.

Am folgenden Wochenende, Samstag, 3. Mai, und Sonntag, 4. Mai 2025, öffnen dann die Kremstaler Betriebe der Österreichischen Traditionsweingüter gemeinsam mit ihren Mitgliedern aus dem Traisental, Kamptal und Wagram ihre Tore. Ermäßigte Tickets gibt es bis zum 2. Mai online unter tourdevin.at um 35 Euro.


 

Erschienen in
Falstaff Magazin Schweiz Nr. 3/2025

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Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
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