»Mangel an Respekt«: Starkoch lehnt veganes Menü für Prinz William ab
Amazonas-Starkoch Saulo Jennings sollte das Dinner für Prinz William beim Earthshot Prize 2025 in Rio kreieren. Doch die Forderung nach einem komplett veganen Menü stieß beim Koch auf Ablehnung.
Anfang November wird Prinz William in Rio den Earthshot Prize verleihen, einen internationalen Umweltpreis, den er 2020 ins Leben rief. 700 Gäste werden erwartet, darunter Wissenschaftler, Politiker und Umweltexperten. Doch bevor die Gala im futuristischen »Museum of Tomorrow« überhaupt beginnt, sorgt ein kulinarischer Konflikt für Aufsehen.
Saulo Jennings, Spitzenkoch aus dem Amazonasgebiet und UN-Botschafter für Gastronomie, sollte das Dinner gestalten. In Nordbrasilien hat er sich einen Namen gemacht, indem er die traditionelle Küche seiner Heimatregion auf hohem kulinarischem Niveau präsentiert – nachhaltig, lokal und eng verbunden mit der Kultur indigener Gemeinschaften. Zu seinen bevorzugten Zutaten zählen Nüsse, Blätter, Früchte und der Pirarucu, ein riesiger Süßwasserfisch, der in den vergangenen Jahrzehnten dank nachhaltiger Fangmethoden vor dem Aussterben bewahrt wurde.
Jennings Plan war es, den Pirarucu in kunstvollen Gerichten als kulinarisches Aushängeschild des Amazonas auf die Teller zu bringen. Doch die Veranstalter verlangten ein vollständig veganes Menü, bei dem Fisch, Milchprodukte und Honig tabu waren. Für Jennings war das ein Affront: »Es ist wie Iron Maiden zu bitten, Jazz zu spielen«, erzählt er gegenüber der New York Times. Und weiter: »Es war ein Mangel an Respekt gegenüber der lokalen Küche, gegenüber unserer kulinarischen Tradition.« Er sah darin eine Missachtung der regionalen Kochtradition und nachhaltiger Fischerei – ein Ansatz, den er seit Jahren in seinen Restaurants verfolgt. »Ich habe nichts gegen Veganer oder Briten. Aber ich möchte meine kulinarische Mission nicht aufgeben«, so der Koch.
Obwohl er schließlich ein veganes Menü mit Maniok, Jambu-Blättern und Paranüssen entwarf, kam es nicht zur Zusammenarbeit. Nach Angaben von Personen aus dem Organisationsteam waren Budgetrestriktionen der entscheidende Faktor. Prinz William selbst war nicht in die Menüplanung involviert.
Der Vorfall löste in Brasilien eine Diskussion darüber aus, wie Klimaschutz und Esskultur zusammenpassen. Für viele im globalen Norden gilt vegan als Inbegriff von Nachhaltigkeit, Jennings jedoch betont, dass echte Nachhaltigkeit die natürlichen Ressourcen respektieren und kontrolliert nutzen bedeutet. Der Pirarucu etwa steht heute für genau diese Balance: Nachdem er in den 1980er Jahren fast ausgerottet war, konnten lokale Gemeinschaften durch strenge Fangkontrollen eine stabile und nachhaltige Fischpopulation wiederherstellen.
Jennings bleibt seiner Linie treu. In wenigen Wochen wird er erneut für internationale Delegationen kochen – diesmal auf Einladung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.
Sein Versprechen: »Bei allem Respekt – es wird Fisch geben.«