Winzer trauern um Hans Günter Schwarz
Mit Hans Günter Schwarz verliert der deutsche Weinbau einen Mann, der eine ganze Generation von Winzern und Kellermeistern geprägt hat. Kolleginnen und Weggefährten nehmen Abschied.
Als Mitte der Nullerjahre die Diskussion über die so genannten »neuen önologischen Verfahren« ihren Höhepunkt erreichte, als also der Einsatz von Eichenchips zur Aromatisierung von Weinen oder die Anwendung der Umkehrosmose zu ihrer technischen Konzentration erlaubt wurden, stand Hans Günter Schwarz, obwohl schon in Rente, mitten im Getümmel. Denn seine eigene Kellermaxime vom »kontrollierten Nichtstun« war dem diametral entgegengesetzt, was nun plötzlich von einigen Önologen und Interessensvertretern als Heilsversprechen angesehen wurde.
Schwarz erzählte damals gerne von seinen Anfangsjahren, als er direkt nach der Weinbauschule im namhaften Pfälzer Weingut Müller-Catoir als Betriebsleiter anfing. Als 19-Jähriger hatte er unter Mitarbeitern, die doppelt und dreifach so alt und ihm untergeben waren, keinen leichten Stand, auch wenn er sich der Rückendeckung durch Heinrich Catoir gewiss sein konnte. Das war 1961 – in einer Zeit, in der das Wirtschaftswachstum und der Stolz darüber, die Nachkriegszeit bewältigt zu haben, eine starke Technologiegläubigkeit gefördert hatte. Schwarz aber zweifelte daran, dass Schönungsmittel und aggressive Kellertechniken dem Wein wirklich guttun.
Nach und nach begann er, seiner eigenen Idee von einer natürlichen Weinbereitung zu folgen. Schlaflose Nächte habe ihm das manchmal bereitet, bekannte er im Rückblick. Denn was wäre, wenn ein Tank ungenießbar würde, beispielsweise, weil er eine Schönung mit Bentonit unterlassen hatte? Alle würden dann sagen: Wärst Du doch nur den Techniken gefolgt, die man Dir auf der Weinbauschule beigebracht hat.
Die Schwarz-Schule
Doch es geschah das Gegenteil: Schwarz’ Intuition, dass ein guter Wein dann am meisten strahlt, wenn er aus makellosen Trauben gekeltert und dann im Keller so wenig wie möglich manipuliert wird – diese Intuition erwies sich als goldrichtig. Schon in den 1970er Jahren begann das Weingut Müller-Catoir an Prestige zu gewinnen. Bereits in den 1980er Jahren war Müller-Catoir ein Vorzeigebetrieb.
Und die Jugend strömte nach Haardt, um bei Schwarz zu lernen. In seinen 40 Berufsjahren – die er vom ersten Tage bis zur Berentung bei Müller-Catoir verbracht hat – hat Schwarz etwa 100 Lehrlinge ausgebildet. Alle, die durch seine Schule gegangen sind, erwähnen die Hingabe, mit der er sein Wissen und seine Erfahrung teilte. Und Schwarz, der selbst sehr früh beide Eltern verloren hatte und von älteren Geschwistern aufgezogen worden war, strahlte selbst eine so souveräne Väterlichkeit aus: zugewandt, stets humorvoll, ein aufrichtiges Interesse am Menschen bekundend. Statt zu tadeln, belehrte er durch sein Vorbild.
Vergangenen Freitag, den 21. November, ist Hans Günter Schwarz, wie seine Witwe Sabine Schwarz mitteilt, friedlich eingeschlafen. Wir sprechen ihr und der ganzen Familie Schwarz unser tief empfundenes Mitgefühl aus.
Falstaff hat einige Stimmen von Schülern und Schülerinnen, Freunden und Weggefährten gesammelt, die die nächsten Tage sukzessive ergänzt werden:
Hans Günter Schwarz war wie ein väterlicher Freund für mich. Ich habe unendlich viel von ihm gelernt und habe ihm unendlich viel zu verdanken. Er hat mich ins Odinstal gebracht. Ich habe nicht nur weinbauliche und ökologische Prinzipien von ihm gelernt, sondern auch ganz viele soziale Kompetenzen, wie man miteinander umgeht, wie man mit Mitarbeitenden umgeht, wie ein landwirtschaftlicher Betrieb mittlerer Größe auch ohne Saisonkräfte funktionieren kann. Und vor allem, seinen eigenen Weg zu gehen, der völlig anders sein kann als Hans Günters Weg. Die Bereitschaft, die gängigen Lehrmeinungen in Frage zu stellen. Und natürlich die Definition des Pfälzers: sich zu verabschieden, um zu bleiben. Das hat er jetzt gemacht. Er bleibt. In unseren Herzen und seinen Weinen, die über 20 Jahre nach seinem letzten Jahrgang bei Müller-Catoir immer noch so viel Freude bereiten, dass es kaum zu fassen ist.
– Andreas Schumann, Weingut Odinstal, Wachenheim/Weinstraße
Ich habe ein Ausbildungsjahr bei Hans Günter verbracht, das ist beinahe 30 Jahre her. Er hat mir Werte vermittelt, mit und nach denen ich immer gearbeitet habe: Auf Augenhöhe mit der Natur umzugehen und mit ganz viel Freude im Weinberg zu arbeiten, das hat er gelebt wie wenig andere und das hat uns sehr zusammengeschweißt. Die Liebe zum Beruf verbindet uns sehr eng, er hat mir auch sein Faible zu Rebsorten wie dem gelben Muskateller mitgegeben, ich habe gleich nach der Ausbildung einen Weinberg damit bepflanzt. Laute Rebsorten wie Muskateller oder Scheurebe leise und nicht zu dominant zu interpretieren, mit Säurespiel, Eleganz und sehr klarer Ehrlichkeit, das hat er auch bei Müller-Catoir meisterhaft praktiziert.
Hans Günter hat seine Weine mit Reinzuchthefen vergoren, als ich anfing meinen Muskateller spontan zu vergären, hat er die Weine mit mir probiert und er war begeistert, dass ich die Lust nicht verliere, neue Wege zu gehen: Diese Offenheit für Neues hat er sich immer bewahrt. Er war ein sensibler Lehrmeister, er hat auch seine Azubis immer nach ihrer Meinung gefragt, er wollte die Menschen kennenlernen. Er hat die Weinbranche enorm geprägt, ich weiß nicht, ob unsere Generation das genauso schafft, das berührt mich sehr. Er war mein Mentor, er hat mich immer begleitet, wir sind uns immer nahe geblieben, es gab kein wichtiges Ereignis, an dem er nicht dabei war.
Er hat auch auf lustige Art und Weise sein Okay gegeben, als ich ihm meinen jetzigen Mann vorgestellt habe. Ich hatte bis zuletzt Kontakt zu ihm, der Tod gehört nun mal zum Leben dazu. Ich nehme ganz viele wunderbare Erinnerungen an ihn mit und bin sicher, dass ich sie dahin schicken kann, wo er jetzt ist.
– Tina Pfaffmann, Weingut Tina Pfaffmann, Frankweiler (Pfalz)
Wenn ich an meine Zeit auf der Haardt in Neustadt bei Müller-Catoir zurückblicke, fallen mir der Zusammenhalt des Teams und die tollen Gespräche mit Hans Günter ein: »Aktionismus im Weinberg – Minimalismus im Keller. Zur richtigen Zeit das Falsche unterlassen«, das war Hans Günters Credo, das bis heute auch ein wichtiges Motto für uns ist.
Er hat mit seiner Liebe und Leidenschaft zur Natur und zu den Menschen Generationen von Winzern den Virus für guten Wein eingepflanzt. Wir klebten förmlich an seinen Lippen - so inspirierend war der Mensch Ha-Gü (wie er liebevoll in Winzerkreisen genannt wurde) und die Weine, die er auf Flaschen füllte.
Man war Teil einer Familie, traf sich abends noch bei der Steffi (Weegmüller, gleich im Weingut nebenan) und ging zusammen in die Eselsburg, um Pfälzer Weine und klassische Pfälzer Küche zu genießen. Mit Ha-Gü immer in großer Runde mit Kollegen, Praktikanten, Azubis.
Als mir einmal beim Abstich eines Rieslaner-Fasses (zusammen mit Lucas Pichler von FX Pichler aus der Wachau) beim Ausleeren in einen »überkopf-hohen« Behälter ein Eimer mit Rieslanerhefe aus der Hand glitt und ich quasi von oben bis unten voller Hefe war, sagte Hans-Günter mir lachend: »Julia, jetzt bist du mit Rieslaner getauft.« Meine ganz besondere Liebe zu Rieslaner und Scheurebe stammt aus dieser Zeit und beide Rebsorten werden bei uns im Weingut bis heute mit viel Leidenschaft angebaut.
Unsere gesamte Familie wird Hans-Günter in allerbester Erinnerung behalten und ihn sehr vermissen.
– Julia Keller, Weingut KP Keller, Flörsheim-Dalsheim (Rheinhessen)
Hans Günter ist für mich die Eiche des Pfälzer Weinbaus, alle Winzerinnen und Winzer, die gut sind, sind seine Pflänzchen. Er hat den Pfälzer Weinbau geprägt wie kein anderer. Ich bin ihm seit 1982 immer wieder begegnet und wir haben uns angefreundet, er wohnte ja nur Luftlinie drei Mal spucken entfernt. Ich habe damals in unserem Betrieb angefangen, 1984 meinen ersten Jahrgang erzeugt, und er war immer da mit seinem Ratschlag, wenn man ihn gebraucht hat, er hatte immer ein offenes Ohr und ist immer hinter mir gestanden.
Er hat immer die Arbeit der anderen toleriert und gewürdigt, als Ratgeber war er sehr geduldig, hat aber auch andere Meinungen zugelassen, es war ein gegenseitiges Miteinander. Hans Günter war selbstlos, für ihn gab es nur Weinbau, er hat an jedem Schräubchen gefeilt, um die beste Qualität zu erreichen. Aber er war auch ein Urpfälzer und hat gerne gefeiert, wir haben viele Stunden in der Eselsburg verbracht, das war das Wohnzimmer von uns. Nun ist er auch gegangen, aber er wird in unseren Gedanken bleiben.
– Stefanie Weegmüller, Nachbarin, und früher: Weingut Weegmüller, Haardt an der Weinstraße (Pfalz)
Vor mehr als 25 Jahren führte mich mein erstes Auslandspraktikum zu Hans Günter ins Weingut Müller-Catoir – eine Zeit, die meinen Weg als Winzerin entscheidend geprägt hat. Seine ansteckende Lebensfreude, die akribische Arbeit im Weingarten und seine tiefe Verbundenheit zur Natur haben mich bestärkt, meinen eigenen Weg konsequent und qualitätsorientiert zu gehen.
Hans Günter vereinte höchste Professionalität mit echter Menschlichkeit und einem großen Herzen – Eigenschaften, die ihn für mich zu einem Vorbild gemacht haben. Trotz der Entfernung blieben wir verbunden, und sein Besuch mit der Familie vor einigen Jahren bedeutet mir bis heute sehr viel.
In Worte kann man es eigentlich gar nicht fassen, wieviel Gutes er mir und ich denke allen anderen und der Weinwirtschaft im Ganzen getan hat, den Weingärten und der Weinqualität.
Und noch ein Satz, der ganz wichtig ist: Er teilte sein Wissen mit einer Selbstverständlichkeit, die zeigt, wie sehr ihm die nächste Generation am Herzen lag.
– Silvia Heinrich, Weingut Silvia Heinrich, Deutschkreutz (Burgenland/Österreich)
Hans Günter war immer sehr aufgeschlossen und offen und teilte sein Wissen bereitwillig auch mit jungen Kollegen (das waren wir damals).
Es war eine grosse Freude Hans Günter über viele Jahre an verschiedenen Verkostungen (wie dem Riesling Cup) zu begegnen und an vielen schönen Abenden seinen Humor und seine angenehme Gesellschaft zu geniessen.
Und es war eine sehr glückliche Fügung für uns, durch Hans Günter seinen Stiefsohn Andreas und dessen Frau Ulli kennenzulernen (etwa im Jahr 2009), mit denen wir jetzt zu einem tollen Team zusammengewachsen sind.
– Martha und Daniel Gantenbein, Weingut Gantenbein, Fläsch (Graubünden/Schweiz)
Natürlich hat mich Hans Günter mit seiner Weinstilistik und seiner Philosophie des »des kontrollierten Nichtstuns« in meinen vier Jahren bei Müller-Catoir auch für mein weiteres Berufsleben geprägt.
Viel wichtiger ist aber – so glaube ich – dass mich die PERSON Hans Günter sehr geprägt hat. Seine bodenständige, offene, emphatische Art war sehr beeindruckend. Ein Wort, das Hans Günter bei den passenden Gelegenheiten benutzt hat, war »Sozialkompetenz«. Wenn es in meinem Privat- oder Berufsleben etwas hektischer zugeht und auch mal etwas lautere Worte fallen und sich die Situation etwas beruhigt hat, dann kommt mir oft Hans Günter in den Sinn und ich denke mir: Jetzt habe ich meine Sozialkompetenz wohl etwas vernachlässigt.
– Markus Wöhrle, Weingut Wöhrle, Lahr (Baden)
Mit dem Tod von Hans Günter hat die Welt einen ganz besonderen, ausgesprochen wertvollen Menschen verloren – die Lücke, die er hinterlässt, ist groß. Dass er so einzigartig war, zeigt sich bereits darin, dass wir heute beim Denken an ihn, neben all der Trauer und Wehmut auch ein Lächeln auf den Lippen haben und eine Wärme empfinden- erfüllt von Dankbarkeit über das Glück, ihn kennen gelernt zu haben.
Es gibt meiner Meinung nach kaum Menschen, zu denen Einsteins Zitat besser gepasst hat als zu Hans Günter: »Es gibt zwei Arten sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines. Ich glaube an Letzteres.«
Er war in jeder Situation ein bedingungsloser Optimist und ein demütiger Naturflüsterer, der nie verlernt hat über die Geheimnisse der Welt zu staunen und ihr mit Respekt zu begegnen. Ein kostbarer Freund, der stets für jeden ein offenes Ohr und ein Wort der Wertschätzung hatte und dabei kompromisslos ehrlich war – ohne je zu verletzen. Und nicht zuletzt war er für uns ein Mentor, der nie belehrte und einen stattdessen dazu anspornte, sich selbst zu vertrauen und über sich selbst hinaus zu wachsen. Hans Günter bleibt für uns ein Wegbegleiter, den wir nie vergessen werden.
Bei jedem gemeinsamen Gang durch die Weinberge- und es waren viele, besonders in den Anlagen mit Scheurebe und Rieslaner, hatte er stets eine Hand an der Rebe und ordnete beim Philosophieren ganz beiläufig aus der Reihe tanzende Triebe, gab ihnen und uns Halt. So wird er uns auch weiterhin begleiten und wir werden bei der Arbeit in unserer »offenen Werkstatt« – so nannte Hans Günter den Weinberg gerne – seiner gedenken.
– Regine und Theo Minges, Weingut Theo Minges, Flemlingen (Pfalz)
Hans Günter begleitet mich schon mein ganzes Leben, er war oft Gast bei meinen Eltern in Deidesheim, die dort Gastronomie betrieben. Ich bin jetzt schon seit 17 Jahren in der Eselsburg, Hans Günter war immer Stammgast, bis er nicht mehr die Kraft hatte herzukommen. Es ist unbeschreiblich, was er für die Pfalz getan und geleistet hat, er hat den Pfälzer Wein zum Weltkulturerbe gemacht, in seiner ganzen Bescheidenheit: Er war ein Visionär, ohne es sein zu wollen. Er hat die alten Brücken eingerissen, die den Pfälzer Weinbau gestützt haben und ist neue Wege gegangen. Er hat die Region geliebt, ohne provinziell zu sein, er war ein Mann mit Weitblick, er hat das größte Vermächtnis hinterlassen, das man sich vorstellen kann.
In der Eselsburg saß er immer am Stammtisch, immer mittendrin und hat gerne den Schwartenmagen-Salat mit Bratkartoffeln bestellt, er hat die ehrliche und einfache Kost geschätzt und dazu oft Wein von Theo und Regine Minges getrunken wie die Scheurebe aus der Literflasche. Für ihn hat es nicht viel gebraucht, obwohl er die großen Weine zu deuten und zu schätzen wusste. Für ihn mussten es nicht immer die Großen Gewächse sein, ihm haben genauso die Underdog-Weine gefallen.
Hans Günter war unfassbar humorvoll, immer mit dem Schalk im Nacken, er war ein zutiefst positiver Mensch, egal wie ernst die Lage war. Man hat es ihm schon in den Augen angesehen, dass gleich was kommt, wo alle sich vor Lachen die Bäuche halten mussten. Und wenn die Weingespräche zu ernst wurden, hat er das durchbrochen mit seinem Witz und Charme. Dann hat er das Thema Wein entzaubert und wieder nahbar gemacht. Ich hoffe, dass er weiß, was er hinterlassen hat und dass er die größte Party oben im Himmel feiert. Sein Bild hängt in der Eselsburg über dem Stammtisch und da wird es immer bleiben.
– Anette Berberich, Inhaberin Weinstube Eselsburg, Mussbach (Pfalz)
Hans Günter Schwarz war entscheidend für meinen Start in Deutschland und in der Pfalz, er hat mich zum Weingut von Buhl gebracht und den Kontakt zum Eigentümer Achim Niederberger hergestellt. Ich habe bis 2012 bei Bollinger in der Champagne gearbeitet und habe dann im Juli 2013 in Deidesheim angefangen. Die Anfangszeit war schwierig für mich, weil ich bei den Weinen und Sekten weg gegangen bin vom deutschen Stil und den französischen eingeführt habe: Ausbau im Holz, weniger Schwefel, mehr Geduld, ich wollte keine Fruchtbonbons produzieren, sondern Terroir-Weine erzeugen. Das wurde auch skeptisch beobachtet und ich habe mich manchmal gefragt, ob ich so weiter machen kann.
Hans Günter kam zu mir in den Keller und wir haben zusammen die Weine und Sekte probiert, das hat mir gut getan. Er hat mich in meiner Richtung bestätigt, er war der Einzige in dieser Zeit in der Pfalz, der mich unterstützt und gesagt hat: Mathieu, du gehst in die richtige Richtung. Für mich ist er im Wein einer der Großen, auch im internationalen Kontext, ich habe ihn oft als die Referenz schlechthin für die Pfalz genannt. Er war eine besondere Persönlichkeit, dieses Diskrete und Bescheidene, obwohl er so viel Erfahrung hatte und so viel erreicht hatte, das hat mir imponiert – zumal ich auch nicht der Lauteste bin.
Er gehört zu den Leuten, die einfach schaffen und diskret nach vorne drücken, die nicht so viel an sich denken, sondern mehr an die Gemeinschaft, an die Region und das Land. Was mir immer in Erinnerung bleiben wird, sind seine Witze, seine Pfälzer Gebote: Wie schnell ist nix getrunken. Oder: Der Pfälzer verabschiedet sich und bleibt sitzen. Die verwende ich selbst immer wieder und denke an ihn.
– Mathieu Kauffmann, Falstaff Winzer des Jahres 2019, Karthäuserhof (Ruwer), Christmann & Kauffmann (Pfalz), Château Ollwiller (Elsaß)
Hans Günter Schwarz habe ich unglaublich geschätzt. Ich hatte ihn bei der DLG Weinprämierung kennengelernt und war sofort von seinem Sachverstand beeindruckt. Wir haben dann mehrere Jahre lang immer mal wieder am selben Tisch verkostet. Er blieb bei seinen Bewertungen immer auf der objektiven Seite, hat Weine immer sachlich gewertet, immer verbindlich – selbst wenn er etwas zu kritisieren hatte, dann tat er das nie mit Häme. Seine unaufgeregte, liebenswürdige Art hat mich enorm fasziniert. Und er war auch abseits der Verkostungen ein angenehmer Gesprächspartner, mit dem man auch andere Themen als den Wein diskutieren konnte.Letztes Jahr ist bei mir im Privatkeller in einer versteckten Ecke noch ein größerer Schatz an Müller-Catoir-Weinen aus den neunziger Jahren aufgetaucht. Die habe ich im Freundeskreis mit größtem Vergnügen getrunken. Darunter ragte eine fruchtige Scheurebe heraus: Haardter Mandelring Kabinett aus 1996. Aber selbst der trockene Literriesling aus 1991 war noch mit Genuss zu trinken und bekam von den kompetenten Verkostern in der Gruppe 90 Punkte und mehr!– Peter Scheib, Prüfleiter der Gesellschaft für Weinbewertung, Berlin, früherer Weinkontrolleur im Bundesland Berlin
Für mich witzig war, dass wir abends, nach der Arbeit immer zu Weegmüllers rüber sind, noch was trinken. Da hat er immer den eigenen Wein mitgebracht. Als ich mich als Lehrling beworben hatte, war ich fünf Jahre zu spät mit meiner Bewerbung. Zu meinem Glück hat er mich aber als Praktikant für die Lese 2001 genommen. Unser Bewerbungsgespräch war in der Eselsburg.Er war unglaublich großzügig, feinsinnig und den Menschen zugetan.Der Ausbau der Weine war perfektioniert. Trauben mit dem Förderband direkt auf die Presse, Abtropftank unter der Presse, Moste am nächsten Morgen über den von ihm mitentwickelten Strassburger Filter (auspressbare Platten) geklärt, In Gärung gebracht in temperaturgesteuerten Edelstahltanks, die Tanks in der Größe aufeinander abgestimmt, sodass nach einem Abstich alle immer voll waren, Kühlmittel über gezogene Edelstahlrohre zur perfekten Temperatursteuerung – in zwei Stunden auf 4°C. Für mich damals unfassbar perfekt.2001 gab es bei manchen Weinen Schwierigkeiten mit der alkoholischen Gärung. Manche Weine machten einen biologischen Säureabbau. Zum ersten Mal in seiner Karriere! Den hätte, meinte er, sicher ich an den Stiefeln mit in den Keller geschleppt…Zitate von ihm, die mir einfallen:»Manchmal ist es ganz wichtig, im richtigen Moment das Falsche zu unterlassen.«»Man muss manchmal auch auf ein Opfer verzichten können.« (Im Angesicht einer noch nicht geöffneten Flasche guten Weins)Eugen Roth hat er auch gerne zitiert: »Ein Mensch erblickt das Licht der Welt / doch oft hat sich herausgestellt / nach manchem trüb verbrachten Jahr / dass dies der einzige Lichtblick war.« – Dann ergänzte er: »Was Eugen Roth hier festgestellt/ist nicht das Spiegelbild der Welt/ derweil wir in so manchen Jahren/ Genießer manchen Lichtblicks waren.«– Konrad Salwey, Falstaff Winzer des Jahres 2017, Weingut Salwey, Oberrotweil (Baden)
Ich hatte das große Glück, eine Ernte bei Hans Günter Schwarz verbringen zu dürfen. Diese Zeit war sehr prägend für mich. Er war sowohl in fachlicher wie auch in persönlicher Hinsicht ein großes Vorbild.Seine Arbeitsweise war geprägt von Ruhe, Präzision und einem tiefen Verständnis für den Weinberg. Er zeigte mir, dass Qualität im Weinberg und im Keller durch Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Geduld entsteht.Besonders beeindruckt hat mich auch seine Bescheidenheit und Offenheit. Er stellte sich nie in den Mittelpunkt (obwohl ihm das gebührt hätte) und es war ihm die größte Freude seine Erkenntnisse und sein Wissen zu teilen, um auch andere Kollegen und junge Winzer weiterzubringen.Ich habe noch einige Flaschen seiner »Herzenssorten« Rieslaner und Scheurebe aus den 90er Jahren im Keller, die wir zu einem besonderen Anlass trinken werden.– Leo Alzinger, Weingut Alzinger, Unterloiben (Wachau/Österreich)