Zu überfüllt statt volle Blüte: Japan sagt Kirschblütenfest am Fuji ab
Die Stadt Fujiyoshida hat in diesem Jahr ihr beliebtes Kirschblütenfestival abgesagt. Grund sind Sorgen über zu viele Tourist:innen und deren rücksichtsloses Verhalten.
Wer möchte das Naturspektakel nicht einmal erlebt haben: die volle, rosafarbene Kirschblüte im April, mit dem schneebedeckten Gipfel des Fuji als Kulisse? Weltweit steht das Erleben der japanischen Kirschblütenzeit – »Hanami« – bei vielen Menschen an oberster Stelle ihrer Travel Goals. In Fujiyoshida, am Fuße des Vulkans, sind die jährlichen Besucherzahlen zu hoch, weshalb das beliebte Fest im April 2026 nun abgesagt wurde.
Abgesagt aufgrund respektloser Tourist:innen
Das Kirschblütenfestival in Fujiyoshida (Einwohnerzahl: knapp 50.000) zog Ende März 2025 rund 200.000 Besucher:innen aus dem Aus- und Inland an. Laut den Einheimischen sind das zu viele. Auch deren Benehmen ließ, so scheint es, zu wünschen übrig, wie unter anderem der Spiegel berichtet: Aufgrund des Staus auf den Straßen, Zigarettenstummeln auf den Bürgersteigen und Fäkalien in den Vorgärten haben die Menschen am Fuji genug vom alljährlichen Kirschblütenfest.
Und so sagte die Stadt das beliebte Event kurzerhand ab. »Wir müssen unser Umfeld und unsere Würde schützen – das Festival, das nun zehn Jahre alt ist, hat diesen Rahmen längst gesprengt«, sagt Bürgermeister Shigeru Horiuchi. Trotz der Festivalabsage bleibe der beliebte Park mit Blick auf den Fuji geöffnet – ein Rückzug des Festes bedeute nicht, dass die Natur selbst für Besucher:innen geschlossen bleibt.
Fujiyoshida ist dabei kein Einzelfall. Auch in Kyoto, wo Tempel, Paläste und historische Viertel locken, berichten Einwohner:innen von überbordendem Tourismus. Ganz Japan erlebt derzeit einen Rekordanstieg an Besucher:innen, nicht zuletzt auch dank der historisch schwachen Währung.
Problem des Overtourism an vielen Orten Japans
2025 wurden fast 43 Millionen Tourist:innen gezählt – ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Besonders Besucher:innen aus China prägen die Zahlen, während auch Europa, die USA und Australien immer stärker vertreten sind.
Um die Besucherströme einzudämmen, erhöht das Land die Tourismussteuer. Auch in Kyoto fallen beispielsweise ab März 2026 erhöhte Gebühren für Reisende an. Für den Zugang zum Berg Fuji ist außerdem eine Voranmeldung erforderlich und es wird eine Eintrittsgebühr von 4.000 Yen (ca. 22 Euro, Stand Februar 2026) erhoben.
Wer die Kirschblüte in ihrer vollen Pracht und die schönsten Orte Japans erleben möchte, muss künftig tiefer in die Tasche greifen, besser planen – und sich respektvoll benehmen.