Das »Bundesbüdchen« in Bonn war einst der legendärste Politiker-Treff der früheren Bundesrepublik. Nun feiert es sein Revival im Berliner Regierungsviertel – mit fermentierten Kimchi zu Allgäuer Spätzle, Sauerteigbrot mit Süßrahmbutter und Liebstöckelwürze oder Hühnerleberparfait in Roscoff-Zwiebeln. Der Inhaber des Berliner Replikats, Jochen Thoss, hat die Räumlichkeiten originalgetreu nachgebaut. Von außen wirkt es wie eine verkleinerte Version des Bonner Originals: ein ovaler Pavillon, der Kiosk-Charme mit moderner Pop-Art verbindet. Innen trifft 70er-Jahre-Nostalgie auf klares Design. Johann Maier, der zuletzt in der »Cordobar« und dem »Oh, Panama« tätig war, zwei Berliner Unternehmen, und bis 2015 bei »Mraz & Sohn« in Wien, interpretiert traditionelle deutsche Rezepte neu, indem er Einflüsse verschiedener Regionen verbindet: Blutwurstknödel mit karamellisiertem Bayrischkraut, Obazda mit Wasabi-Rauke und Radieschen, Saibling in Buttermilch-Garum mariniert, mit frisch geriebenem Meerrettich und Zitronenabrieb, Eismarillenknödel mit karamellisierten Pistazien, Pankobröseln und einem Öl aus Feigenblättern. Aromatisch präzise, ohne Schnickschnack – aber mit einer Eleganz, die diese Küche wieder zeitgemäß wirken lässt. Auch die Weinbegleitung ist gelungen: Naturweine – unter anderem aus Deutschland und Österreich – ergänzen die Gerichte perfekt. Zudem gibt es diverse regionale Biere wie Meckatzer aus dem Allgäu sowie spektakuläre Cocktails und alkoholfreie Varianten. Der Service ist aufmerksam – aber trägt dabei genau die richtige Dosis Hauptstadt-Lässigkeit zur Atmosphäre bei.