Philipp Barosch hat getauscht. Außerhalb des Gürtels, aber viel größer war ihm doch lieber als innerhalb, aber winzig – das »Nido« steht für »Nest« und passte trefflich zur alten Location. So siedelte sein »Nido Bistro« vom Spitalsviertel am Alsergrund nach Rudolfsheim unweit des Meiselmarkts ins ehemalige »M77« – ein vollständig ausgestattetes Lokal, das »bis hin zum Zahnstocher« betriebsbereit war. Barosch werkte zuvor lange im »Gasthaus Seidl«, noch früher im alten »Reznicek« und dereinst sogar in den legendären »Drei Husaren«. Jemand also, den man als irgendetwas zwischen Routinier und Veteran bezeichnen darf. Dennoch strotzt die oft wechselnde Karte nur so vor originellen Ideen. Liest sich schräg und mundet köstlich: Sardinenhumus mit knusprigem Babyoktopus und Chilicreme. Grob gehacktes Beef Tatar »asiatisch« mit Wasabicreme und gebratenem Spitzpaprika ist eine erfrischend andere Version des allgegenwärtigen Klassikers. Ganz traditionell dagegen das Ganslleber-Parfait mit Quitten-Gel und Preiselbeeren oder die glasierte Kalbsleber mit Apfel und Nussbutterpüree. Wer sein Tuna-Steak – hier mit Zitronenrisotto und Erbsenschoten – nicht ganz durch will, sollte das wohl dazusagen. Und Patisserie ist eine eigene Kunst, das Topfensoufflé wird eher keinen Preis gewinnen, der Kaiserschmarren dagegen schon. Die Weinkarte ist dem Patron und seinem Servicemann Thomas Seidl ein Anliegen, hier findet man auch interessante Flaschen aus weniger prominenten Regionen wie dem Aostatal oder Franken. Eine Zuneigung zum Andauer Weingut Schwarz scheint auch zu bestehen. In der Sektion »Bistro« ist dieses jedenfalls eines der gerade originellsten der Stadt.