Im 2018 generalsanierten »Falkensteiner Balance Resort« legt man den Fokus auf den Gesundheitstrend.

Im 2018 generalsanierten »Falkensteiner Balance Resort« legt man den Fokus auf den Gesundheitstrend.
© Falkensteiner Hotels & Residences

Der »Medical Wellness«-Trend

Gesundheit liegt im Trend. Davon profitiert auch der Tourismus. »Medical Wellness« hat viele Facetten – PROFI zeigt einige davon.

Den Zusatz Wellness-, Spa- oder Wohlfühl- beanspruchen mittlerweile schon sehr viele Hotels für sich. Doch das allein mutet in Zukunft vielleicht zu wenig an, weil es zur Normalität geworden ist. Ein bewusster Lebensstil ist für immer mehr Menschen der Weg zum Glück, und dazu gehört auch ein gesunder Körper. Nicht nur im Alltag, sondern auch im Urlaub. In Kombination mit Erholung und Wohlfühlen hält der Gesundheitstourismus Einzug in die Hotellerie.

Blockaden lösen

Im 2018 generalsanierten »Falkensteiner Balance Resort« in Stegers­bach legt man den Fokus auf den Gesund­heitstrend – und zwar nur für Erwachsene. Seit dem Umbau wird der Fünf-Sterne-Betrieb als Premium Adults Only Hotel geführt. Und zwar mit einem SPA-Angebot, das bereits nach kurzer Zeit einen Erholungswert bieten soll, der noch lange nach dem Aufenthalt Wirkung zeige.
Hoteldirektor René Sulzberger legt die Gesundheitsangebote des Resorts nicht nur seinen Hotelgästen ans Herz, sondern auch den Mitarbeitern. Mit dem Programm tsar® (the secret of active regeneration) ist das südburgenländi­sche »Falkensteiner Balance Resort« Vorreiter, denn in keinem anderen Hotel wird dieses innovative Konzept bisher angeboten. Durch gezielte aktive Bewegun­gen und passive Behandlungen wird ein nachhaltig positiver Effekt auf Körperhaltung, Verspannungen und Blockaden bewirkt. Die Entwicklerin dieses Programms ist Sonja Ruprah-Weihs. 2016 erhielt sie dafür den European Health & Spa Award. »Mag eine Verspan­nung noch so klein sein, sie wirkt sich auf unseren gesamten Körper und Stoffwechsel aus. Wie bei einem abgeklemmten Schlauch – ist er nur leicht geknickt, verändert sich der gesamte innere Druck.«
Zusätzlich zu tsar® vervollständigen Angebote wie Herzratenvaria­bilitätsmessungen (HRV-Messung) sowie Metabolic Balance® Packages (Metabolic Balance® beruht auf einer Blutanalyse, auf­grund derer eine Liste mit den individuell empfohlenen Nahrungsmitteln erstellt wird) den Gesundheitsgedanken.
»Derzeit ist es so, dass 10 % unserer Gäste wegen unseren Gesundheitsangeboten kommen. In naher Zukunft wird diese Zahl auf 50 % steigen. Der Medical-Wellness- sowie der Gesundheitsseminar-Tourismus nehmen extrem zu«, so Sulzberger. Spezielle Gesundheitswochen, Bootcamps oder Detox-Tage locken den gesundheits- und lifestylebewussten Gast zusätzlich.     

Der Gast merkt bereits an der Rezeption, ob Gesundheits-Know-how vorhanden ist.
© Michael Vogt
Der Gast merkt bereits an der Rezeption, ob Gesundheits-Know-how vorhanden ist.

Weniger ist mehr

Eines dieser Angebote, das nicht mehr neu, aber dafür sehr wandelbar ist: Fasten. Mitt­lerweile gibt es unzählige Arten zu Fasten (Basen-Fasten, Heil-Fasten, Hildegard von Bingen-Fasten, Vegan-Fasten etc.). Die Öster­reichische Gesellschaft für Gesundheitsförde­rung arbeitet als das größte gemeinnüt­zige Netzwerk im Bereich Fasten und Detox in Österreich seit über 20 Jahren mit Fasten­trainern und Hotels zusammen und hat den Gesundheitstourismus ein Stück mitgeprägt. Die Vorteile für Hotels liegen für Geschäfts­führerin Ulrike Borovnyak auf der Hand: Ansprechen einer neuen Zielgruppe, längere Aufenthaltsdauer (empfohlene Fastendauer: 7 bis 10 Tage), Auslastung in der Nebensaison.
Um dem Gast beim Optimieren seiner Gesundheit zu helfen, sei es für Hotelbetrei­ber wichtig, das nötige Umfeld der Auszeit zu schaffen. »Bei den zertifizierten ›Fasten für Genießer®-Hotels‹ nennen wir es auch ein ›Ambiente der Geborgenheit‹. Der Gast muss zuerst Abstand vom Alltag gewinnen kön­nen, um den Einstieg in eine neue gesund­heitsförderliche Lebensgestaltung zu ermöglichen.« Dazu muss der Betrieb natürlich neben der erforderlichen »Hardware« auch die »Software« entwickeln, also Mitarbeiter aller Hotelbereiche müssen in Richtung des angebotenen Gesundheitskonzeptes ausgebil­det sein. »Der Gast erkennt schon am Gespräch mit dem Rezeptionsmitarbeiter, ob hier Gesundheits-Know-how vorhanden ist«, weiß Borovnyak.

»Derzeit kommen 10 Prozent unserer Gäste wegen den Gesundheitsangeboten. In naher Zukunft wird diese Zahl auf 50 Prozent steigen.«
René Sulzberger

Gesunde Konzepte

Dass Kulinarik auch oft in Zusammenhang mit Gesundheit und Beauty steht, davon ist man in der Schweiz im »Grand Resort Bad Ragaz« überzeugt. Unter den Schlagworten »Weight Loss« oder »Anti-Aging Stay Young« werden spezielle Programme in Zusammen­arbeit mit dem Medizinischen Zentrum Bad Ragaz angeboten, die eine Kombination aus Fitness, Ernährung und Beauty ergeben und mit klassischen Kuraufenthalten nicht mehr viel gemeinsam haben, denn es sind an den Gast individuell angepasste Konzepte. »Wir sehen klar einen Trend hin zu »Medical Well­ness«. Wohlfühlen und medizinische Aspekte werden immer enger miteinander verknüpft. ›Medical Well­ness‹ im ›Grand Resort Bad Ragaz‹ bereits sehr gelebt, denn der Hotelbereich arbeitet mit der Medizin schon seit Jahren eng zusammen«, stellt Anita Basu, Direktorin Medizi­nisches Zentrum Bad Ragaz, fest.
Rund die Hälfte der Gäste kom­me laut CEO Patrick Vogler auf­grund der Angebote in der Reha­bilitation, Prävention oder sonsti­ger medizinischer Leistungen ins Hotel. Es wird dem Gast jedoch auch geholfen, zur inneren Schönheit zu finden. Diesbezüglich spielt die Kulinarik eine große Rolle. »Der Trend geht hin zum bewussteren, gesünderen Essen. Deswegen wird Spitzenkoch Sven Wassmer im Juli 2019 auch ein Health Restaurant bei uns eröffnen«, so Basu.

Besserer Schaf

Immer mehr Resorts entwickeln eigene Pro­gramme, mit denen sie ihre Gäste an sich binden möchten. Der »Lanserhof Tegernsee« in Bayern hat ein ebensolches Konzept entwi­ckelt (zum vierten Mal in Folge wurde das Haus im Rahmen der World Spa Awards auch 2018 als World’s Best Medical Spa aus­gezeichnet). Das neue »Lans Better Sleep Programm 2.0« diagnostiziert den Schlaf und bietet multidimensionale Ansätze zur nach­haltigen Optimierung der Schlafqualität. Zum Einsatz kommt modernste Technik in Kombination mit dem renommierten »Lan­serhof Lans Med«-Konzept. »Die Gründe für schlechten Schlaf sind individuell. Den Auslösern gehen wir auf den Grund und lie­fern unseren Patienten einen vielfältigen the­rapeutischen Ansatz«, so Dr. Jan Stritzke, stellvertretender ärztlicher Direktor »Lanser­hof Tegernsee«. Von der Erstellung eines Neurostressprofils, einer Mikronährstoffanalyse, über Atemmuskeltraining, bis hin zu Elektrosmogfreischaltung, Blaufilterbrille sowie Spezialbetten und -schlafkleidung, versucht das »Lans Better Sleep Programm 2.0« den Patienten zu helfen, langfristig besseren Schlaf zu finden.

Gesundheit aus Fernost

Auf internationale Allianzen setzt das gehobe­ne 4-Sterne »Wellness- und Ayurvedahotel Paierl« in der Steiermark, das neben Massa­gen und Beauty-Behandlungen auch fernöstli­che Heilmethoden und Ayurveda-Kuren bie­tet. Dabei ist die Authentizität sehr wichtig. »Unser Team aus Ayurveda-Spezialisten – Gelehrte, Köche und Therapeuten – aus Kerala ist das ganze Jahr über im Haus. Zum Erfolg einer Ayurveda Behandlung oder -Kur trägt das Baden im hauseigenen Heil-Ther­malwasser ebenso nachweislich bei. Somit dürfen wir uns als größtes authentisches Ayurvedaresort Österreichs mit Heil- Ther­malwasser bezeichnen«, so die stellvertreten­de Geschäftsleiterin Sieglinde Raser. Es hat sich als sehr wertvoll erwiesen, das Ayurveda-Angebot seit 2002 Schritt für Schritt in die Angebotspalette einzubinden. Und es wird stets weiter an Angeboten gearbeitet, so ist derzeit eine Zusammenarbeit mit der Med- Uni Graz in Ausarbeitung, um im Sektor Gesundheit weiterhin authentische und mess­bare Angebote garantieren zu können.

Das Geheimnis der Gene

Einen messbaren Effekt erzielen auch die Lifestyle-Produkte von Zem.Way. Das Unter­nehmen bietet verschiedene Arten von Gen- Tests an, die das Kennenlernen des persönli­chen Bauplans des eigenen Körpers ermögli­chen. Dabei wird Wissen über die eigenen Gene erlangt und wie diese im Zusammen­spiel von Bewegung, Nahrung und Medika­mentenwirkstoffen agieren. »Wer das weiß, kann die Chance ergreifen, fit und gesund ein langes Leben zu genie­ßen«, erklärt Christian F. Albrecht, Geschäftsführer der Reng GmbH, welche den Zem.Way exklusiv als Marke ver­treibt.
Neben Apotheker und Allgemeinme­dizinern, sind auch Hotelbetreiber Zielgrup­pe des Unternehmens. Hoteliers stellen mit diesem Angebot die Beziehungen zu ihren Stammgästen auf eine neue, ganzheitliche Ebene und finden eine Möglichkeit, während des gesamten Jahres eine aktive Beziehung zu ihren Gästen aufzubauen. »Es kann ein viel größeres Potenzial der Kundenbindung ent­deckt und die Auslastung des Hotels binnen weniger Monate vervielfacht werden.« Dazu hat das Unternehmen komplette Gastgeber- Packages geschnürt: Umfangreiche Informa­tionen sowie Plakate, Prospekte und Bestell-Blocks werden dem Personal zur Verfügung gestellt. Zudem gibt es Schulungen mit Univ.- Doz. Dr. Nicolas Zech (Gründer und wissen­schaftlicher Vater von Zem.Way). »Damit hat der Hotelier die Möglichkeit, seinen Umsatz zu steigern, ohne größeren Personal­aufwand.« Ob Muskelregeneration, Ayurveda, Schlaf­programme, Fasten oder Gentests – der Trend zu einem gesünderen Ich bringt nicht nur die Tourismusbranche in Fahrt, sondern hilft auch dem Gast, seinem Körper und seiner Seele Gutes zu tun.

Nicole Schlaffer
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