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Pierce Brosnan erlangte als James Bond weltweite Bekanntheit. Mit Charisma und einem vielseitigen Repertoire von Action bis Drama prägt er seit Jahrzehnten Film und Fernsehen.

Pierce Brosnan erlangte als James Bond weltweite Bekanntheit. Mit Charisma und einem vielseitigen Repertoire von Action bis Drama prägt er seit Jahrzehnten Film und Fernsehen.
© Fred Duval / Shutterstock.com

Die kulinarischen Seiten von James-Bond-Star Pierce Brosnan

Film
Hollywood

Auch mit über 70 Jahren ist Pierce Brosnan so cool wie der britische Geheimagent, den er jahrelang gespielt hat. Die Rolle des James Bond hat den Iren reich und berühmt gemacht. Leicht war sein Leben dennoch nicht.

Pierce Brosnan ist perfekt. Er entspricht dem Ideal des begehrenswerten, kultivierten Mannes so gut wie kein anderer – darüber herrscht unter den Marketingstrategen diverser Luxuslabels große Einigkeit. Versace, Giorgio Armani, Brioni, Omega, Speake-Marin – um nur einige zu nennen – rissen und reißen sich deshalb seit Jahrzehnten darum, den smarten Schauspieler für viel Geld unter Vertrag zu nehmen und ihn zu ihrem Markenbotschafter zu machen. Und sie werden es weiterhin tun. Denn auch in seinen reiferen Jahren wirkt der ehemalige James-Bond-Darsteller so souverän wie die Kultfigur, die er jahrelang verkörpert hat.

Keine Frage: Die Strahlkraft des »007«-Agenten, der die gefährlichsten Situationen mit Bravour meistert und gleichzeitig das Leben in vollen Zügen genießt, hat auf Brosnan durchgeschlagen. »Das Beste ist gerade gut genug«, diese Devise scheint nicht nur für den britischen Spion, sondern auch für den gebürtigen Iren zu gelten. Brosnan beweist einfach in jeder Lebenslage Stil, wissen seine Fans – ob er nun auf den sanften Hügeln der Toskana die Kollektion des italienischen Modedesigners Paul & Shark präsentiert oder in einem Werbespot für die Lebensmittelkette Spar in einer mondänen Villa ganz lässig im schwarzen Anzug eine Pasta für seinen Sohn zubereitet.

Lieber Tequila als Martini

Doch die beiden teilen nicht alle Vorlieben. Anders als Bond, der am liebsten halbtrockenen Martini »geschüttelt, nicht gerührt« ordert, bevorzugt Brosnan Tequila. Schon 1986, lange bevor ihm seine Traumrolle angeboten wurde, warb er für den Tequila von José Cuervo. Und seit 2020 ist er das Aushängeschild der berühmten Tequila-Marke Casa Don Ramón. Dabei ist er relativ spät auf den Geschmack von Tequila gekommen, nämlich mit 52 Jahren während der Dreharbeiten für den Film »Matador« in Mexico City. Verwundert darüber, dass Männer und Frauen schon zur Mittagszeit in den besten Restaurants der Stadt Tequila tranken, bekam er selbst Lust auf das Getränk. Viele Tequilas später ist er zwar noch immer kein ausgewiesener Connaisseur, sagt er, aber er genieße es, sich in seinem Haus in Hawaii am Abend hin und wieder ein Schlückchen davon zu gönnen. 

So luxuriös und unbeschwert Pierce Brosnans Leben nach außen wirken mag, der Mann hat erfahren, was harte Zeiten und schwere Schicksalsschläge sind. Schon seine Kindheit war alles andere als leicht. Sein Vater verließ die Familie, als der Sohn noch ein Baby war. Pierces Mutter May ging bald darauf nach London, um dort als Krankenschwester Geld zu verdienen. Ihren Sohn ließ sie bei ihren Eltern in der kleinen irischen Stadt Navan zurück. Nach dem Tod der Großeltern kam der Bub zunächst bei Tante und Onkel und später bei anderen Verwandten unter – aber nie für lange.  Schließlich landete er in der kleinen Pension von Eileen Reilly, die Zimmer an Arbeiter untervermietete. In einem davon war auch der kleine Pierce untergebracht – nur ein grüner Vorhang trennte sein Bett von jenen der Männer.

Mit elf holte May, die wieder geheiratet hatte, ihren Sohn endlich zu sich. Ihr Mann Wilhelm bemühte sich liebevoll um seinen Stiefsohn. Immer wieder nahm er ihn mit ins Kino und bewirkte damit mehr, als ihm bewusst war: »Einer der ersten Filme, die ich mit Wilhelm sah, war Goldfinger – ich wollte nicht James Bond sein, aber der Samen für das Kino und die Bilder wurde dort in der Putney High Street gesät«, sagt Pierce.

So luxuriös und unbeschwert es nach aussen wirken mag, Pierce Brosnan musste in seinem Leben bereits einige Schicksalsschläge und harte Zeiten erdulden.
© magicinfoto / Shutterstock.com
So luxuriös und unbeschwert es nach aussen wirken mag, Pierce Brosnan musste in seinem Leben bereits einige Schicksalsschläge und harte Zeiten erdulden.

Ein kochender Familienvater

Nach der Schule zog Brosnan nach London, um Kunst und später Schauspiel zu studieren. In der multikulturellen Metropole begann sich der Ire, der von klein auf immer ein Außenseiter war, nach und nach freier zu fühlen. Auch kulinarisch weitete sich sein Horizont, denn in London lernte er in den unzähligen Lokalen Speisen und Geschmäcker aus aller Herren Länder kennen. Ein besonderes Faible entwickelte er damals für die indische Küche: »Ich mag ihre Currys. Und Chicken Tikka ist eines meiner Lieblingsgerichte. Als ich in London Theater gespielt habe, war ich mit einer Gruppe in Bradford unterwegs, wo es eine große indische Gemeinde gibt. Wir haben in diesen kleinen Restaurants gegessen, die fantastische Currys servierten. Ich wollte immer lernen, wie man sie zubereitet«, sagte er in einem Interview.

Verständlich, musste Brosnan doch tagtäglich für seine Familie kochen. 1977 hatte er seine große Liebe, die australische Schauspielerin Cassandra Harris, kennengelernt und sie wenig später in seiner Heimat Irland geheiratet. Die beiden Kinder, Charlotte und Christopher, die Harris in die Ehe mitbrachte, adoptierte Brosnan sofort, als deren leiblicher Vater starb: »Es fühlte sich einfach so richtig an. Ich habe mich nicht wie ein Vater gefühlt, ich war kein Vater; ich war einfach Pierce. Und dann wurde ich Daddy Pierce. Und dann wurde ich Daddy.« Während Harris Ende der 70er-Jahre schon diverse Rollen in Film- und Fernsehproduktionen angeboten bekam, verdiente Brosnan sein Geld vornehmlich als Theaterschauspieler. Deshalb hatte er untertags meist frei. So kam es, dass er tagtäglich die Kinder bekochte. Allzu groß wurde sein Speisenrepertoire allerdings nicht: »Ich kann Pasta machen, zwei großartige Fischgerichte und Paella.«

1981 spielte Harris ein Bond-Girl in dem Film »For Your Eyes Only« mit Roger Moore in der Hauptrolle. Bei den Dreharbeiten sorgte Harris dafür, dass Brosnan Albert R. Broccoli, den legendären Produzenten der Bond-Filme, kennenlernte. Sie war überzeugt, dass ihr Mann die Idealbesetzung für den coolen Spion wäre. Tatsächlich war Broccoli von dem noch unbekannten Mimen beeindruckt. Deshalb behielt der Produzent ihn im Auge: »Ich wusste, er könnte eines Tages James Bond sein.«

Pierce Brosnan ist ein grosser Fan der indischen Küche, insbesondere der Currys. Zu einem seiner Lieblingsgerichte zählt Chicken Tikka (hier).
© Shutterstock
Pierce Brosnan ist ein grosser Fan der indischen Küche, insbesondere der Currys. Zu einem seiner Lieblingsgerichte zählt Chicken Tikka (hier).

Auf einmal Witwer

Bis der Ire als Geheimagent auf der Leinwand brillieren konnte, vergingen jedoch noch 14 Jahre. Mit »GoldenEye« katapultierte sich der Ire mit einem Schlag in die absolute Superstar-Liga unter den Schauspielern. So überwältigt Brosnan von seinem Erfolg war, so sehr schmerzte es ihn, dass er ihn nicht mehr mit Cassandra teilen konnte. Sie war vier Jahre zuvor mit 43 Jahren an Eierstockkrebs gestorben. Der Vater von nunmehr drei Kindern durchlitt die schlimmsten Jahre seines Lebens. Dabei ahnte er nicht, dass sich der Albtraum zwanzig Jahre später wiederholen sollte. Seine Tochter Charlotte erkrankte ebenfalls an Eierstockkrebs und verlor den Kampf, den sie wie ihre Mutter »mit Mut und Würde« geführt hatte. Auf die Frage des US-amerikanischen Talkmasters Larry King, was ihm geholfen hätte, den Verlust dieser beiden Menschen zu überstehen, antwortete er: »Mein Glaube. Sie wissen, ich bin Ire. Ich bin katholisch. Die Kirche war immer ein großer Teil meines Lebens.« Doch der Glaube allein war es wohl nicht. Drei Jahre nach dem Tod seiner Frau lernte der Witwer die lebensfrohe Journalistin Keely Shaye Smith kennen. »Sie rettete mich, sie gab mir den Willen, weiterzumachen«, sagte er immer wieder. Im Jahr 2001, kurz nach der Geburt ihres zweiten Sohnes, gaben sich die beiden – natürlich in Irland – das Ja-Wort.   

Einfaches Leben auf Hawaii

In Malibu zogen die beiden ihre Kinder groß. Doch vor einigen Jahren beschloss das Paar, dem hektischen Leben Kaliforniens den Rücken zu kehren und ihr Anwesen zu verkaufen. Heute leben Pierce und Keely auf der hawaiianischen Insel Kaua'i und führen dort ganz bewusst ein einfacheres, zurückgezogenes Leben. Der Künstler hat sich in seinem »einfachen, hübschen Cottage« mit Blick aufs Meer auch ein Atelier eingerichtet. Dort kann er sich ungestört seiner großen Leidenschaft, dem Malen, widmen. 

Hinter dem Herd steht Brosnan – jedenfalls privat – kaum mehr: »Glücklicherweise ist meine Frau Keely eine großartige Köchin. In Hawaii zieht sie ihr eigenes Gemüse. Wir lieben es auch, in gute Restaurants zu gehen, aber unsere besten Abendessen finden zu Hause statt«, sagt der 72-Jährige. »Fünf-Sterne-Restaurants sind toll, aber der Prunk und der Ruhm nehmen dem Essen den Geschmack


 

Erschienen in
Falstaff Magazin Deutschland Nr. 6/2025

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Judith Hecht
Autor
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