Foodguide Ibiza: Genuss im Boho-Style
Ibiza. Ein Name – ein Versprechen: Unbeschwerte Tage, elektrisierende Nächte. Mal zahm, mal ungezügelt, aber immer außergewöhnlich. Von Ensaimada in der Croissant-Show bis zum Formentera-Hummer im Beachhouse: ein Food-Hopping.
Es ist ein Bild für Götter, das sich vormittags in der »Croissant Show« in Eivissa (Ibiza-Stadt) abzeichnet. Die Espressotassen klirren, die Mandel-Croissants bröseln und die Stimmen sind laut, aber angeknackst. Die Nacht im Club war lang, der Tag hat übernommen – das merkt man auch am regen Markttreiben direkt gegenüber der legendären französischen Bäckerei. In der »Croissant Show«, am Fuße der Castillo de Eivissa, versteht man innerhalb von Minuten, worum es auf Ibiza geht – und warum keine andere Insel, egal wo auf der Welt, ihr nahekommt. Ibiza ist so etwas wie die kleine freigeistige Schwester Mallorcas, ein bisschen frecher – und definitiv schillernder. Das ewige »cool kid«.
Hier pickt man sich nicht die Rosinen raus, sondern die Kirschen, das omnipräsente Logo des legendären »Pacha«-Clubs. Zu verdanken hat man diesen Status nicht zuletzt den US-Hippies, die sich auf Ibiza ab den 60er-Jahren ausgelebt haben. Mit ihnen kam eine Lebenseinstellung, die – was viele Ibiza-Verweigerer nicht glauben – bis heute den Alltag auf der Insel nuanciert. Trommel-Sessions zu Sonnenuntergang, Flower-Power-Partys, das Peace-Zeichen und Dreadlocks poppen immer wieder auf. Auch wenn Ibiza von der Show lebt und im Beachclub gerne überdimensionale Paradiesvögel mit Tänzern obendrauf über den Pool gleiten, sind das Hippietum und der Eskapismus nicht aufgesetzt.
Insel der Dualität
Ibiza ist eine Insel der Dualität. Fine Dining-Schick neben Klappstuhl-Ästhetik, das Ländlich-rustikale neben der Beach-Boheme. Alles geht. Fine-Dining mit Sand unter den Füßen, das können so einige. Aber nur auf Ibiza gibt es diesen unvergleichlichen Vibe als Topping. Und nein, dazu muss man nicht ins »Pacha« oder »Unvrs« (früher »Privilege«), Dinner- und Day-Clubs haben längst ihre eigene Klientel. So heißt es etwa von Seiten der Macher des »O« Beach-Clubs (die dieses Jahr das »Bonito Ibiza«-Hotel eröffnen), dass sie die Poolparty nicht erfunden haben – aber perfektioniert. Und das gilt für die ganze Insel, auf der man locker in gut einer Stunde von der Sonnenuntergangs- zur Sonnenaufgangsseite gelangt; ein Vorteil gegenüber Mallorca! Egal, worauf man Lust hat, egal, wohin einen der Gusto treibt, nichts ist zu weit – auch wenn’s auf den Straßen rings um Eivissa in der Hauptsaison zäh wird.
Sagen wir, wie’s ist – das Frühstück hat auf Ibiza wenig Brot, typisch spanisch eben. Wirklich wach wird die Insel mittags, gerne in einem der unzähligen lässigen Beachrestaurants, von denen die ursprünglicheren Chiringuito genannt werden. Fast jeder hat seine Lieblings-Cala und so gut wie immer hat das mit dem strandeigenen Chiringuito zu tun. Hier was anderes ins Spiel zu bringen, ist meist sinnlos, man beharrt auf seinen Favoriten.
Rote, fruchtbare Erde
Nicht abstreiten kann man allerdings, dass das »Casa Jondal« immer gut gebucht ist, die Bonvivants im »Beachhouse« tief durchatmen und das »El Silencio« ziemlich unglaubliche Sonnenuntergänge als Appetizer bietet. Linguine mit Formentera-Hummer oder ein traditioneller Bullit de Peix (Fischeintopf) mit Aioli, das Food-Spektrum konkurriert in seiner Breite mit dem Horizont des Mittelmeers. Musik ist auf Ibiza allgegenwärtig, Beats und Sea Brass – egal, wo man sich niederlässt. Am Fußende des Pools des »Oku«-Hotels thront ein DJ-Pult, entlang der namhaften Beachclubs tänzeln die Club-Promotoren im Sand – man ist den ganzen Tag wie auf einer Welle, während die Sonne den Cava-Sangria in der Hand zum Leuchten bringt.
Ibiza hat ein der Insel innewohnendes Strahlen – und eine Magie, die man schwer erklären kann. Man huldigt der phönizischen Göttin Tanit, Gottheit der Fruchtbarkeit und Ernte. Die rote Erde der Insel hat schon die Phönizier fasziniert, sie ist der Kontrast zu den kalkweißen Häuser-Fassaden. Abseits der touristischen Küstenorte finden sich einige der besten Restaurants der Insel, immer mit dem gewissen Ibiza-Faktor.
Dank der Hippies
Etwa das »Cova Santa« in den Hügeln von San José, gebaut rings um eine natürliche Höhle, bekannt für unvergessliche Live-Musik-Sessions. Oder das »Aubergine«, das zum großartigen »Atzaró-Agrotourismus«-Hotel gehört. Oder aber das »Es Tragón«, eines von fünf Michelin-Restaurants auf der Insel. Umgeben von Pinien, Obstbäumen, eingebettet in ein Fischerdorf, mit eigenem Kräuter- und Weinanbau, ein klassisches Gesamterlebnis. Diese »rural Restaurants« haben auf Ibiza ein hohes Standing, es gibt sie von bis und tatsächlich auch mal ohne Musikbeilage, abgesehen von den zirpenden Grillen. Farm-to-table und Organic sind genauso wie die vegetarische und vegane Schiene auf der weißen Insel fest verankert. Auch hierfür darf man den Hippies gracias sagen!
Energetisch und eklektisch – dafür steht auch die neue Ära der High-End-Hotellerie, deren Restaurants die kulinarische Roadmap der Insel etwas umschreiben. Vom »The Standard« in Ibiza-Stadt, dem »W Hotel«, dem »Oku« oder dem »Hyde«, allesamt Namen, die für unaufdringlichen Luxus stehen. Das gilt auch für die hoteleigenen Restaurants, die sich gerne der Fusionsküche verschreiben, aber immer mit lokalem Touch. So sinniert etwa Gustavo Hernan vom japanischen »Niko« (im »Hyde«): »Ich respektierte die Tradition der Nigiri, aber ich lasse das auch etwas hinter mir, indem ich lokale Produkte und Techniken ergänze.«
Aus dem Winterschlaf
Eines der Signature-Gerichte im 2024 eröffneten »Niko«: Lemon-Fisch Carpaccio mit Trüffel und Dashi-Vinaigrette. Im Hochsommer werden dann neben DJ-Größen auch gerne Chefköche für ihr Kulinarik-Set eingeflogen, letzten August zum Beispiel Chef Pam aus Bangkok. Auf der anderen Seite werden Konzepte wie das des »SubliMotion« (dem angeblich teuersten Restaurant der Welt) gerne exportiert, Dubai ist ein wohlwollender Abnehmer.
LOKALE STARS
Gegrilltes Huhn mit Zitronenconfit und Aioli – so geerdet geht es im neuen und gehypten »Madunia« zu – und das passt auch einfach zu Ibiza. Im »Asador Can Pilot« werden T-Bone-Steaks am Tisch gegrillt, im »Fish Shack« gibt’s den Fisch des Tages auf Klappstühlen in den Felsen und in der »Bar Anita« den vielleicht besten Hierbas (süßlicher Kräuterlikör) der Insel. Ibiza kann nicht nur authentisch, es ist authentisch. Wenig überraschend gibt es starke Parallelen zum spanischen Festland, aber vor allem Mallorca. Die Paella wird vornehmlich nur mit Fisch angerichtet – gerne mit dem Sud des Bullit de Peix (Fischeintopf).
Beim Gedeck geht nichts ohne die Knoblauchcreme Aioli und beim Dessert setzt man seit jeher auf Flaó (eine Tarte) und Greixonera (aus den Resten von Ensaimadas, eine Art Brotpudding). Dazwischen heißt es Fisch, Fisch und Meerestiere, dazu das berühmte Sal de Ibiza aus dem Keramiktöpfchen, und der inseleigene Honig darf in so mancher Vinaigrette nicht fehlen. Tipp: Die Kräuter-Workshops im botanischen Garten des »Fluxà Ibiza«.
Was Ibiza so gar nicht von anderen unterscheidet: der Kampf um den Erhalt der Grundlagen. Álvaro Sanz Clavijo vom »Es Tragón« ist dafür bekannt, Pflanzen, die einst auf Ibiza heimisch waren, neu anzupflanzen und der Fischfang ist natürlich limitiert. Derzeit befindet sich Ibiza im Winterschlaf, der Kick-Off ist immer Anfang Mai. Bis dahin wird konzipiert und orchestriert. Für 2025 angekündigt: Das »Destino Five Ibiza« und ein ganzes Imperium von Salt Bae, der dank Social Media durch eine einzige Geste berühmt wurde. Das Thema Salz würde zumindest zu Ibiza passen, das weiße Gold ist eines der Produkte der Insel. Circa zwei Monate noch, dann wissen wir mehr.
Restaurants & Beachclubs
07817 Sant Josep de sa Talaia
Spanien
07800 Ibiza
Spanien
07815 Sant Joan de Labritja
Spanien
07849 Santa Eulalia del Río
Spanien
07820 Sant Antoni de Portmany
Spanien
Hotels
07800 Ibiza
Spanien
07800 Eivissa/Ibiza
Spanien