Unterfranken: Sternekoch Sascha Kurgan übernimmt die »Auberge de Temple«
Nach einer kurzen Renovierungspause meldet sich ein kulinarisches Wahrzeichen in Unterfranken zurück. Mit Sascha Kurgan und Carlos Beckmann zieht geballte Sterne-Erfahrung in die traditionsreiche Auberge ein – und bringt ein zweigeteiltes Genusskonzept mit.
Die Zeit der Vakanz in Johannesberg ist beendet. Nach einer Renovierungsphase positioniert sich die »Auberge de Temple« kulinarisch neu und holt dafür zwei Schwergewichte der deutschen Gastronomieszene nach Unterfranken. Ab Mai 2026 übernimmt Sascha Kurgan als Küchendirektor die Leitung, flankiert von Carlos Beckmann als Küchenchef. Mit diesem Schritt setzt das Haus auf eine Doppelspitze mit zwei Köchen, deren Lebensläufe maßgeblich durch die Schule der deutschen Drei-Sterne-Gastronomie geprägt wurden.
Sascha Kurgan ist in der Branche kein Unbekannter. Zuletzt sicherte er als Chef de Cuisine den Stern für die Berliner »Sky Kitchen«. Seine Ausbildung und prägenden Jahre verbrachte er in den führenden Küchen Deutschlands: vom »Lorenz Adlon Esszimmer« unter Hendrik Otto bis hin zum »Vendôme« bei Joachim Wissler. In Johannesberg wird er nun erstmals die strategische Verantwortung für ein gesamtes Ensemble tragen, das weit über den klassischen Restaurantbetrieb hinausgeht.
Zweitourig zum Erfolg
Sein Partner am Herd, Carlos Beckmann, ergänzt dieses Profil. Auch seine Stationen im »Schloss Hugenpoet« und im »Vendôme« zeugen von einer Ausbildung im klassisch-französisch geprägten Fundament. Beckmann, der zuletzt im schleswig-holsteinischen »Goldschätzchen« sowie international in Südafrika tätig war, gilt als technisch versierter Praktiker, der Kurgans Vision operativ umsetzen soll. Das Duo verzichtet bei seinem Einstand bewusst auf allzu exotische Experimente und besinnt sich stattdessen auf ein Handwerk, das die klassische deutsche und französische Küche als Basis nutzt.
Die kulinarische Antwort auf die Herausforderungen der aktuellen Gastrolandschaft ist in Johannesberg eine Zweiteilung des Angebots. Man versucht den Spagat zwischen unkomplizierter Nahbarkeit und hochpreisigem Fine Dining. Im Restaurant »Auberge« soll eine reduzierte, handwerklich saubere Küche etabliert werden, die sich explizit an ein breiteres Publikum richtet. Die Devise lautet hier: Präzision statt Komplexität.
Das »Atelier de Temple« hingegen soll das Erbe des Hauses als Gourmet-Adresse antreten. Hier wird die kreative Handschrift von Kurgan und Beckmann deutlicher spürbar sein. Es ist der Versuch, das Fine-Dining-Niveau der Vergangenheit in eine neue, eigenständige Form zu überführen, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Ob diese duale Strategie in der Region aufgeht, wird sich nach der Eröffnung im Mai zeigen.
Flankiert wird der Neustart von den bewährten Säulen des Hauses. Das Boutique-Hotel mit seinen sechs Zimmern dient weiterhin als Anlaufstelle für überregionale Gäste, während die Galerie und die Kochschule den kulturellen Rahmen bilden. Letztere soll durch regelmäßige Kurse und Events wieder stärker in den Fokus rücken.