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Lynch Bages kauft Nachbarn Haut-Batailley

Die Serie spektakulärer Eigentümerwechsel reißt in Frankreich nicht ab: In Bordeaux’ Spitzen-AOC Pauillac wechselt das 5ième Cru classé Haut Batailley den Eigentümer. Käufer ist der identisch klassifizierte Nachbar Lynch Bages.

Kurz vor dem Beginn der Primeurwoche erregt in Bordeaux ein Eigentümerwechsel Aufsehen: Château Haut Batailley, bekannt für seinen preiswürdigen fruchtbetonten und eleganten Wein von alten Reben, gelangt aus den Händen seiner 88-jährigen Besitzerin Françoise Des Brest in den Besitz von Jean Michel Cazes. Die Transaktion wurde bereits am vergangenen Wochenende von Bordeaux’ Tageszeitung Sud Ouest vermeldet, auf Nachfrage von Falstaff zogen sich beide Parteien jedoch zunächst auf ein »no comment« zurück.

Inzwischen scheint der deal jedoch auch notariell besiegelt zu sein. François-Xavier Borie bestätigte am Donnerstag gegenüber Falstaff, dass das zuvor im Besitz seiner Tante befindliche Château mit seinen 22 Hektar Weinbergen in den Besitz von Jean Michel Cazes übergegangen sei.

Seit 1929 gehörte Haut Batailley der Familie Borie, François-Xavier Borie von Château Grand Puy Lacoste hatte das Gut zuletzt gepachtet und zeichnete mit seinem Team für die Weinbereitung verantwortlich. Dabei stieg das Ansehen des Weins unter Fachleuten kontinuierlich, wenngleich sein Preis nur moderat vom Boom der vergangenen 20 Jahre profitierte. »Schade«, kommentiert Borie, und verweist darauf, dass der Besitz aufgrund der hohen Erbschaftssteuern beim Generationenübergang kaum in der Familie zu halten gewesen wäre. Bei der Verkostung der 2016er Fassmuster auf Grand Puy Lacoste war Haut Batailley bereits nicht mehr mit von der Partie.

Lynch Bages andererseits ist gerade dabei, seine Betriebsgebäude zu renovieren. Zur Erneuerung passt eine Expansion natürlich gut – auch wenn davon auszugehen ist, dass Haut-Batailley als eigenständiges Château weitergeführt wird. Möglich wäre eine Umwidmung der Weinberge von Haut Batailley auf Lynch Bages jedoch ebenfalls: In Bordeaux hängt der Klassifikationsrang nicht am einzelnen Stück Land, sondern der (Marken-)Name eines Weinguts als solcher trägt die Klassifikation.

Über die Summe der Transaktion wurden bislang keine Details bekannt. Laut der in Frankreich für die Schätzung der Landpreise zuständigen Behörde SAFER liegt der durchschnittliche Preis für einen Hektar Pauillac derzeit bei rund zwei Millionen Euro. Zusätzlich zum 22 Hektar großen Weinberg sollen auch Brachflächen Teil des Verkaufs gewesen sein.

Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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