»Rate My Chives«: Diese digitale Bewertung macht selbst Spitzenköche nervös
Wie messen sich Spitzenköche? Normalerweise mit Sternen, Hauben und Plätzen auf den großen Restaurantlisten dieser Welt. Doch auf Instagram hat sich ein deutlich kurioserer Wettbewerb etabliert: Dort kämpfen Profis und Hobbyköche um die perfekte Bewertung für gehackten Schnittlauch.
Wer hätte gedacht, dass sich Gleichmäßigkeit, Präzision und Sorgfalt erstaunlich gut an einem Haufen Schnittlauchröllchen ablesen lassen. Auf dem Account »Rate My Chives« reichen Köche aus aller Welt Fotos ihrer fein geschnittenen Schnittlauchröllchen ein und lassen sie von einem anonymen (knallharten) Juror beurteilen. Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10. Selbst renommierte Sterneköche stellen sich dem Urteil – und nicht jeder kommt dabei gut weg. Gordon Ramsay musste bereits eine schmerzhafte Niederlage einstecken.
Denn wer denkt, das sei ein Kinderspiel, hat noch nicht die strikten Anforderungen des Account-Gründers mitbekommen. Die einzelnen Ringe sollen möglichst identisch aussehen, dünn geschnitten sein und ihre runde Form behalten. Zerdrückte oder ausgefranste Stücke gelten als Zeichen eines stumpfen Messers oder unsauberer Technik. Außerdem wird kontrolliert, ob das Schneidebrett grüne Verfärbungen zeigt. Sind sie vorhanden, wurden die Halme beim Schneiden gequetscht – ein No-Go!
Zu den Followern gehören renommierte Köche aus aller Welt, darunter auch der amerikanische Spitzenkoch Grant Achatz. Perfekte 10-Punkte-Bewertungen sind allerdings selten. Nur eine Handvoll Köch:innen hat bislang die Höchstnote erreicht. Einer von ihnen ist der in Helsinki arbeitende Koch Cliff Lyijynen, der sogar mehrfach die Bestwertung erhielt. Dass selbst prominente Namen nicht verschont bleiben, macht den Reiz zusätzlich aus. Ein Video von Gordon Ramsay erhielt gerade einmal 1,2 von 10 Punkten – ein Urteil, das in der Community fast legendären Status erreicht hat.
Strenger als jeder Restaurantkritiker
Wer auf schnelles Lob hofft, ist bei »Rate My Chives« somit an der falschen Adresse. Der anonyme Gründer des Accounts gilt als ebenso gefürchtet wie respektiert. Besonders misslungene Einsendungen kommentiert der Juror mit trockenem britischem Humor, manchmal bissig, manchmal gnadenlos direkt.
Genau das hat eine eigene Dynamik in der Community entstehen lassen. Unter den Beiträgen wird gefachsimpelt, gespottet und mitgefiebert. Nutzer:innen analysieren jeden Schnitt, verteidigen ihre Favoriten oder legen in den Kommentaren nach, wenn eine Bewertung besonders vernichtend ausfällt. Gleichzeitig feiern viele die seltenen Höchstwertungen wie sportliche Rekorde. Man könnte meinen, die Disziplin hat auf Instagram fast schon einen olympischen Status erreicht.