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© VistaPrint / Melanie Dreysse

Cornelia Poletto sucht wieder »Lokalhelden«: »Unsere Geschichten müssen erzählt werden«

Wettbewerb
Gastronomie
Köchin

Sterben kleine Restaurants und Cafés langsam aus? Cornelia Poletto will gegensteuern – und sucht mit VistaPrint erneut Deutschlands »Lokalhelden«.

Steigende Kosten, Fachkräftemangel und Gäste, die seltener essen gehen: Für viele kleine Restaurants und Cafés bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt. Gleichzeitig haben gastronomische Betriebe für viele Menschen eine große Bedeutung – als Treffpunkt, sozialer Raum und Teil der lokalen Identität.

Genau hier setzt die Initiative von Spitzenköchin Cornelia Poletto und dem Unternehmen VistaPrint an. Mit dem Wettbewerb »Lokalhelden gesucht«, der in diesem Jahr in seine zweite Runde geht, sollen kleine gastronomische Betriebe in Deutschland sichtbarer werden – und konkrete Unterstützung erhalten. Der Gewinnerbetrieb erhält 20.000 Euro Preisgeld, zusätzlich bekommen fünf Finalisten jeweils 1.000 Euro Guthaben für Marketing- und Printmaterialien.

Zwischen Kostensteigerungen und Umsatzdruck

Dass Unterstützung dringend gebraucht wird, zeigen aktuelle Umfrageergebnisse, die VistaPrint gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhoben hat. 71 Prozent der Gastronomen haben demnach in den vergangenen zwölf Monaten darüber nachgedacht, ihren Betrieb anzupassen – etwa durch Personalabbau. Fast jeder Fünfte zog sogar in Betracht, den Betrieb zu verkaufen oder ganz zu schließen.

Die Ursachen sind vielfältig: steigende Energiepreise, höhere Einkaufskosten und Personalmangel. Gleichzeitig achten viele Gäste stärker auf ihre Ausgaben.

»Das größte Problem ist im Moment schlicht: Es fehlt Umsatz«

Die jüngste Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 % auf Speisen, die seit dem 1. Januar wieder gilt, bewertet Poletto zwar positiv – sie könne die Probleme der Branche aber nicht allein lösen. »Die Senkung kam zudem zu spät. Das sieht man auch daran, dass die Zahl der Insolvenzen in der Gastronomie zuletzt um fast 40 Prozent gestiegen ist«, sagt sie. Die Entlastung helfe vor allem, laufende Kosten zu decken und Betriebe zu stabilisieren. »Das größte Problem ist im Moment schlicht: Es fehlt Umsatz«, sagt Poletto.

Interessant sei jedoch eine Beobachtung aus ihrem eigenen Restaurant: »Seit Januar hat mich noch kein einziger Gast gefragt, warum mein Menü nicht günstiger geworden ist.« Das zeige, dass viele Gäste durchaus Verständnis für die Situation der Gastronomie hätten.

Mehr Kommunikation mit den Gästen

Genau hier sieht Poletto einen entscheidenden Hebel: Kommunikation. Viele Gäste wüssten zwar, dass Restaurants unter Druck stehen – doch oft werde zu wenig darüber gesprochen.

Cornelia Poletto verbindet norddeutsche Lässigkeit mit italienischer Lebensfreude. Ihre Küche setzt auf hochwertige Produkte und den reinen Geschmack der Zutaten. Nach zehn Jahren mit Michelin-Stern eröffnete sie 2011 ihr Restaurant in Hamburg Eppendorf. Sie bietet Kochkurse unter »Cucina Cornelia Poletto« an, ist Gastgeberin in ihrer Deli & Bar »Paolas« und engagiert sich in verschiedenen gastronomischen Projekten. Bekannt aus TV-Formaten wie »Die Küchenschlacht« (ZDF) und Autorin von neun Kochbüchern, setzt sie sich seit über 15 Jahren sozial ein, u. a. als Schirmherrin des Altonaer Kinderkrankenhauses.
© RTL / picture alliance / Axel Heimken
Cornelia Poletto verbindet norddeutsche Lässigkeit mit italienischer Lebensfreude. Ihre Küche setzt auf hochwertige Produkte und den reinen Geschmack der Zutaten. Nach zehn Jahren mit Michelin-Stern eröffnete sie 2011 ihr Restaurant in Hamburg Eppendorf. Sie bietet Kochkurse unter »Cucina Cornelia Poletto« an, ist Gastgeberin in ihrer Deli & Bar »Paolas« und engagiert sich in verschiedenen gastronomischen Projekten. Bekannt aus TV-Formaten wie »Die Küchenschlacht« (ZDF) und Autorin von neun Kochbüchern, setzt sie sich seit über 15 Jahren sozial ein, u. a. als Schirmherrin des Altonaer Kinderkrankenhauses.

»Wir müssen unsere Geschichten erzählen – aber nicht nur negativ«, sagt die Köchin. Gastronomen sollten offener darüber sprechen, warum sie ihren Betrieb gegründet haben, welche Herausforderungen es gibt – und warum Restaurants und Cafés mehr sind als Orte zum Essen.

»Das Schönste ist doch, unter Menschen zu sein«, sagt Poletto. Ob beim Abendessen mit Freunden, beim Kaffee im Café oder beim spontanen Treffen in der Nachbarschaft – gastronomische Betriebe seien wichtige Orte für Begegnungen und das soziale Miteinander. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt werde diese Rolle immer bedeutender. »In Zeiten, in denen alles digitaler und KI-gesteuerter wird, sind diese analogen Treffpunkte wichtiger denn je.«

Gastronomen sind heute »Mädchen für alles«

Wer heute ein kleines Restaurant oder Café eröffnet, müsse laut Poletto zusätzlich weit mehr leisten als früher. Neben Küche und Service seien viele Betreiber gleichzeitig Unternehmer, Personalchef und Marketingverantwortlicher. »Man ist eigentlich Mädchen für alles«, sagt sie. Köchin, Gastgeberin, Unternehmerin – und gleichzeitig zuständig für Kommunikation und Social Media. Gerade für kleine Betriebe sei es deshalb entscheidend, sichtbar zu werden und neue Gäste zu erreichen. Genau hier setzt der Wettbewerb »Lokalhelden gesucht« an.

»Man muss sich ständig schütteln und wieder aufstehen«

Dass Poletto sich besonders für kleine Betriebe engagiert, hat auch persönliche Gründe. Vor rund 25 Jahren eröffnete sie selbst ihr erstes Restaurant – mit gerade einmal 40 Sitzplätzen. »Ich stand damals alleine in der Küche«, erinnert sie sich. Der Traum vom eigenen Restaurant sei zwar erfüllt gewesen – gleichzeitig habe sie schnell gemerkt, wie viele zusätzliche Herausforderungen damit verbunden sind.

»Man muss sich ständig schütteln und wieder aufstehen«, sagt Poletto rückblickend. Gerade deshalb bewundere sie junge Gastronomen, die heute den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Leidenschaft und Persönlichkeit

Bei der Auswahl der Finalisten gehe es weniger um Größe oder Bekanntheit eines Betriebs als um Persönlichkeit und Konzept. »Es kann ein kleines Café sein oder ein Restaurant«, sagt Poletto. Entscheidend sei, ob Menschen mit Leidenschaft hinter ihrem Projekt stehen und eine Verbindung zur lokalen Gemeinschaft schaffen.

Ein Beispiel aus der ersten Runde: ein kleines Café, das nicht nur alle Kuchen selbst backt, sondern auch Wert auf regionale Produkte und handgefertigtes Geschirr legt. »Dieser Mix aus Handwerk und echter Gastfreundschaft macht unsere Branche aus.« Auch die Geschichten hinter den Betrieben spielen eine wichtige Rolle. Viele Bewerber erzählten sehr offen von ihren Herausforderungen – und davon, warum sie trotzdem an ihrem Konzept festhalten.

»Menschen, die für das brennen, was sie tun«, sagt Poletto, »das ist es, was unsere Branche so besonders macht.«

Von Nordfriesland bis in den Bayerischen Wald

Die erste Ausgabe des Wettbewerbs zeigte bereits, wie vielfältig die deutsche Gastronomieszene ist. Mehr als 200 Betriebe hatten sich beworben – aus ganz unterschiedlichen Regionen. Der Gewinner kam schließlich aus dem Bayerischen Wald: Michael Ammon mit seinem »Gasthaus Jakob« in Perasdorf. Sein Restaurant liegt fern großer Laufkundschaft, überzeugte die Jury aber mit einem klaren Konzept und konsequenter Qualitätsarbeit.

Teilnehmen können gastronomische Betriebe in Deutschland mit maximal 15 Mitarbeitenden. Die Bewerbungsphase läuft vom 16. März bis 12. April 2026. Anschließend wählt eine Jury fünf Finalisten aus, bevor die Öffentlichkeit im Mai über den Gewinner abstimmt.

Für Poletto ist der Wettbewerb vor allem eine Bühne für Betriebe, die sonst oft wenig Aufmerksamkeit bekommen. »Wir wollen zeigen, wie viel Leidenschaft und Arbeit in diesen kleinen Restaurants und Cafés steckt«, sagt sie. »Und vielleicht auch ein bisschen Mut machen.«


Anna Wender
Anna Wender
Senior Redakteurin
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