Restaurant der Woche: »Auerhahn«
Reduziert, luftig, kreativ: Im »Hotel Auerhahn« zeigt man, dass Spitzenküche ohne Kitsch funktioniert.
Hält in der Gastronomie etwa die stilistische Kehrwoche ihren Einzug? Vielerorts besinnt man sich jedenfalls auf Schlichtheit, so auch im Frühjahr eröffneten »Hotel Auerhahn« am Schluchsee. Im gleichnamigen Fine-Dining-Restaurant gibt es zwar einen Deko-Kachelofen und Holzverschalungs-Elemente, aber Bollenhut-Kitsch und Schnitzfiguren-Nippes sucht man vergeblich. Loungemusik schallt durch die Räume. Alles ist luftig, reduziert und wirkt mit den blanken Holztischen fast sogar etwas karg, was aber das junge Service- und Küchenteam um Inhaber Marius Tröndle und Küchenchef Yann Bosshammer mit gastronomischer Kreativität konterkarieren.
Da plätschert zu einem Garnelentatar mit Staudensellerie und Sanddorn-Vinaigrette ein 2024er Rosé-Spatburgunder von Hans Wirsching ins Glas. Zu geschmorten Kohlrabi mit Mohn, Mandarinenvinaigrette und -gel wird ein 2022er Riesling »Eitelsbacher Alte Reben« vom Kartäuserhof eingeschenkt. Küchenchef Bosshammer weiß genau, was er mit seinem Team souverän auf die Teller bekommen kann, und übernimmt sich nicht wie viele andere am Anfang ihrer Karriere.
Die Weinkarte von Sommelier David Löffler befindet sich im Aufbau, lässt aber bereits jetzt die Schwerpunkte Deutschland, Österreich und Frankreich erkennen. Etwas zu viel Körper bringt ein Italiener (2021, Tenuta Luce, Lucente) zum Hauptgang ins Glas: Ein mit Niedertemperatur gegarter und gegrillter Kalbstafelspitz, mit Erbsenpüree, knackigen Zuckerschoten, zarten Kräuterknöpfle, alles umkränzt von viel Rahmsoße … Sollten die Schwarzwälder beim reduzierten Flair des »Auerhahns« nicht anbeißen, damit gehen sie garantiert ins Netz.
79859 Schluchsee
Deutschland