Restaurant der Woche: »Sein«
Spitzenkoch Thorsten Bender erlebte einen turbulenten Weg zu seinen zwei Michelin-Sternen. Doch sein Streben nach Perfektion lohnte sich. Das Ergebnis sind kulinarische Höhepunkte, die alle Sinne begeistern.
Sein Vorstoß in die Sphäre von zwei Michelin-Sternen wurde Thorsten Bender vom Restaurant »sein« nicht gerade leicht gemacht. Bevor er seine Auszeichnung im April im Rahmen der offiziellen Verleihung im Karlsruher Konzerthaus in Empfang nehmen konnte, führte ihn der Moderator vor vollbesetztem Saal aufs Glatteis: »Du wurdest von der Liste der Ein-Sterne genommen«, verkündete er Bender mit vorgetäuschtem Mitleid, sodass selbst einem Brocken von Mann wie dem 41-jährigen Spitzenkoch die Knie schlotterten.
In Kennerkreisen jedoch wurde Benders Ehrung längst erwartet, hat er seit Eröffnung des »sein« vor fünf Jahren sein Niveau doch deutlich erhöht, wobei ihm nicht zuletzt die durch Corona verhängte Zwangspause verhalf, die er eigenem Bekunden nach zur Selbsthinterfragung nutzte. Das Ergebnis: neuer Mut zur Konzentration auf wenige Komponente, wovon Gerichte wie der Bretonische Wolfsbarsch mit grüner Mandel und Aprikose zeugen. Mittags bietet Bender sein Menü in abgespeckter Form an, abends gibt es das volle Programm mit sechs Gängen – auf Wunsch auch als vegetarische Alternative, die das herkömmliche Menü an visueller Raffinesse sogar überbietet.
Los geht’s in beiden Fällen mit »Lustmachern«, deren Glanzstück ein ausgeblasenes Ei mit Kichererbsenpürree, griechischem Joghurt und rauchiger Piment d’Espelette darstellt. Fleisch und Fisch brät Bender perfekt, seine Soßen sind von meisterlicher Tiefe. Umsorgt wird man auf zuvorkommendste Art von Restaurantleiterin Franziska Dufner. Die fantastischen Weine werden aus Doppelmagnum-Flaschen ausgeschenkt.