Streik in Döner-Großfabrik: Wird Kebap bald noch teurer?
Deutschlands größter Dönerspieß-Produzent steckt im Tarifkonflikt. Was die Beschäftigten fordern – und warum der Streit auch an der Imbisstheke spürbar werden könnte.
Wenn es um Döner geht, führt in Deutschland kaum ein Weg an Birtat vorbei. Der Hersteller aus Murr bei Ludwigsburg beliefert nach eigenen Angaben tausende Imbisse in ganz Europa – und ist laut Gewerkschaft NGG der größte Dönerspieß-Produzent Baden-Württembergs. Doch in der gut gekühlten Produktionshalle herrscht derzeit nicht nur Tiefkühlklima – sondern auch eine zunehmend frostige Stimmung zwischen Belegschaft und Geschäftsführung.
Seit Monaten fordern die rund 115 Mitarbeitenden der Birtat-Produktion einen Haustarifvertrag – der erste seiner Art in der deutschen Dönerbranche. Nach wiederholten Warnstreiks und Verhandlungen, die im Juli abgebrochen wurden, spitzte sich der Konflikt zuletzt weiter zu: In einer Urabstimmung votierten die Gewerkschaftsmitglieder einstimmig für eine Ausweitung der Streiks. Die Fronten sind verhärtet, das Management zeigt sich bislang unnachgiebig.
Kern der Auseinandersetzung ist nicht nur die geforderte Lohnerhöhung um 375 Euro, sondern vor allem ein Ende willkürlicher Lohnstrukturen. Bislang sei das Gehaltsgefüge laut NGG völlig undurchsichtig – wer mehr verdiene, hänge oft von Beziehungen oder Verhandlungsgeschick ab, nicht von Erfahrung oder Verantwortung.
Knochenjob am Spieß
Die Arbeitsbedingungen in der Produktion sind hart: Schweres Heben, Arbeit in der Kälte, hohes Tempo, scharfe Messer – und täglich bis zu 40 Tonnen Dönerspieß, die aus Kalb, Rind oder Geflügel gefertigt und schockgefrostet werden. Betriebsratschef Muzayfe Doganer spricht gegenüber der Deutschen Presse Agentur (dpa) von einem echten Knochenjob. Viele Beschäftigte stammen zudem aus Bulgarien, Rumänien oder der Türkei – die Organisation in der Gewerkschaft sei allein deshalb ein Kraftakt.
Sollte es zu einem Tarifvertrag kommen, hätte das Signalwirkung weit über Murr hinaus. Die Gewerkschaft spricht von einem Pilotprojekt mit bundesweiter Relevanz – immerhin gibt es in Deutschland rund 400 Dönerproduzenten. Auch für Konsumenten könnte sich etwas ändern: Angesichts steigender Rohstoff- und Energiekosten war zuletzt mehrfach prognostiziert worden, dass der Preis für einen Döner bald die 10-Euro-Marke übersteigen könnte. Höhere Löhne würden diese Entwicklung weiter verstärken – oder, wie die Gewerkschaft argumentiert, für mehr Gerechtigkeit in der Entlohnung sorgen.
Wie geht es weiter?
Der Druck auf die Belegschaft ist nach Angaben des Betriebsrats hoch, vereinzelt gebe es Einschüchterungen. Gleichzeitig sei das Engagement innerhalb der Belegschaft gewachsen. Auch die Gewerkschaft kündigt an, weiter an einer Lösung arbeiten zu wollen. Ob es bald zu einer Einigung kommt, ist offen – fest steht jedoch: Der Konflikt bei Birtat rückt die Arbeitsbedingungen in der Branche stärker in den Fokus – und wird am Ende auch den Endkonsumenten betreffen.