Von Dresden in die Welt: Dresdner Christstollen
Stolz können die Dresdner nicht nur über ihren Ruf als »Elbflorenz« sein: Auch der berühmte Christstollen ist regionales Kulturgut. Der darf sich nämlich nur als Original rühmen, wenn er direkt in der Elbmetropole und den umliegenden Orten gebacken wird. Von hier aus wird er in alle Welt verschickt und fehlt an kaum einer Advents- und Weihnachtstafel.
Mehl, Hefe und Wasser – aus mehr bestanden die ersten Stollen nicht, die im 15. Jahrhundert gebacken wurden. Eine Fastenspeise, deren Zutaten von der Katholischen Kirche genau reglementiert wurde. Butter und Milch erlaubte sie als Beigabe nicht. Kein wirkliches Erfolgsrezept, dem erst Papst Innozenz VIII. zur Popularität verhalf. Auf Bitten des sächsischen Kurfürsten hob er 1491 das Butterverbot auf. Die Erlaubnis ging als legendärer Butterbrief in die Geschichte ein. Und der Dresdner Christstollen wurde zur süßen Erfolgsstory, die seinesgleichen sucht.
geschützes Genusserlebnis
Heute veredeln gleich mehrere weitere Zutaten das feine Gebäck. Sie sind vom »Schutzverband Dresdner Stollen e. V.« festgeschrieben und alle Stollenbäcker in Dresden und Umgebung halten sich daran: Rosinen oder Sultaninen kommen hinein und davon nicht gerade wenig.
Bezogen auf den Mehlanteil muss der Stollenteig mindestes 65 Prozent dieser Trockenfrüchte enthalten. Zitronat und Orangeat – diese beiden kandierten Früchte geben dem Dresdner Stollen sein frisch-fruchtiges Aroma. Verwendet werden dafür die Bitterorange, die im Mittelalter aus China nach Südeuropa kam, und die Zitronatzitrone, die auch den Namen Zedrat-Zitrone trägt. Die fand schon im ersten Jahrhundert nach Christus den Weg vom indischen Assam nach Europa.
Seinen typischen Geschmack erhält der Dresdner Christstollen auch durch seinen Anteil an Mandeln. Mit 15 Prozent bezogen auf den Mehlanteil eine wichtige Komponente. Und ein paar bittere Mandeln sind auch darunter. Etwas, was dagegen nicht in den Teig darf, sind jegliche künstliche Aromen oder Margarine. Der »Schutzverband Dresdner Stollen« besteht auf reine Butter oder Butterschmalz, eine Prise Salz und auf ein spezielles Mehl – ein Weizenmehl Typ 405. Hergestellt wird es zum Beispiel in der Dresdner Mühle; es ist also ein regionales Produkt.
Stollenbäcker übergaben ihrem Landesherrn traditionell ein oder zwei Weihnachtsstollen.
Ein Schuss Rum darf auch nicht fehlen und natürlich die typischen Gewürze: Da hat jeder Bäcker so seine eigene Mischung, die natürlich geheim ist. Aber was auf jeden Fall drinsteckt, das ist Marcis – Muskatnussblüte. Der zur Ernte rote Samenmantel wird in Handarbeit von der Muskatnuss getrennt und getrocknet, in Fäden gebrochen und gemahlen. Marcis schmeckt leicht bitter und karamellartig.
Königliches Gebäck
Rund 100 Stollenbäcker und -konditoren gibt es heute immer noch in der Sächsischen Hauptstadt und Umgebung. Sie tragen jedes Jahr wieder den guten Ruf des »Königlichen Gebäcks“«in alle Welt. Ab 1560 übergaben sie traditionell zum heiligen Fest ihrem Landesherrn ein oder zwei Weihnachtsstollen. In einer Zeremonie wurde das 36 Pfund schwere Backwerk von acht Meistern und acht Gesellen durch die Stadt zum Schloss getragen.
Außerhalb von Sachsen wird Stollen, vor allem in der Vorweihnachtszeit, natürlich auch gebacken. Weit verbreitet ist der Marzipan-, Quark-, Nuss- oder Mohnstollen. Nur dürfen sich diese nicht mit dem goldenen Siegel des original Dresdner Christstollens schmücken.
Das typische Aussehen hat der Dresdner Christstollen natürlich seiner Form und reichlich Puderzucker zu verdanken. Fein weiß umhüllt soll das Traditionsgebäck an das in Windeln gewickelte Christkind erinnern. Einfach zum Anbeißen süß!