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Warum das Punktesystem von Weight Watchers gegen Ozempic & Co. verliert

Ernährung
Gesundheit
USA
Insolvenz

Mit Zero-Point-Lebensmitteln und einer riesigen Community wollte Weight Watchers das Abnehmen revolutionieren. Jetzt zwingt die Insolvenz das Unternehmen zum Strategiewechsel – hin zu Medikamenten wie Wegovy.

Der Deal ist simpel: Sie dürfen alles essen – solange Sie Ihre Punktezahl nicht überschreiten. Und Sie nehmen ab. Ohne Verbote. Klingt verlockend, oder? Genau das verspricht «Weight Watchers» (WW) seit Jahrzehnten.

«Weight Watchers» wurde 1963 in New York aus einer Selbsthilfegruppe gegründet. Damals verteilte Jean Nidetch noch eine Liste mit fürs Abnehmen verbotenen Lebensmitteln an ihre Freund:innen. Über die Jahre entwickelte sich daraus ein flexibles System. Dieses legendäre Punktesystem – ergänzt durch eine App – analysiert Mahlzeiten, empfiehlt Zero Point Lebensmittel und protokolliert das Gewicht digital. Aber die Konkurrenz schläft nicht.

Zero Point Lebensmittel
Das Punktesystem von «Weight Watchers» ist ein alltagstaugliches Ernährungstool, das jedem Lebensmittel einen bestimmten Punktewert zuweist – basierend auf Kalorien, Eiweissgehalt, Zucker und gesättigten Fetten. Zero Point Lebensmittel sind Nahrungsmittel, die im «Weight Watchers»-Programm keine Punkte kosten – das heisst, sie müssen nicht abgewogen oder gezählt werden. Sie bilden das Grundgerüst für eine ausgewogene Ernährung, weil sie nährstoffreich, sättigend und tendenziell kalorienarm sind. Beispiele sind: mageres Eiweiss (z. B. Hühnchenbrust, Tofu), Gemüse, Hülsenfrüchte und bestimmte Früchte.

Obwohl der Zugang zum WW-Programm derzeit mit 16 Franken  pro Monat nur einen Bruchteil dessen kostet, was andere Diätmodelle verlangen, hat «Weight Watchers» in den USA einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 gestellt. Ist der niedrige Preis etwa ein Hilfeschrei? Der Betrieb läuft zwar weiter, steht aber unter Druck massiver, sich anbahnender Schulden. Eine Restrukturierung – potenzielle Kostensenkungen, Entlassungen und Geschäftsprozessoptimierungen – soll das Unternehmen retten. Jetzt soll sich alles auf Innovation und digitales Wachstum konzentrieren.

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Die neue Diät aus der Spritze

Am 5. Dezember 2017 wurde «Ozempic» von der FDA zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Bald wurden die Nebeneffekte von gestilltem Hunger, weniger Heisshungerattacken und einer verlangsamten Verdauung bemerkt. So verschrieben es Ärzt:innen zur Gewichtsabnahme, obwohl es dafür nicht zugelassen war. Die offizielle Zulassung des Medikaments «Wegovy» – mit einer erhöhten Konzentration des Wirkstoffs Semaglutid – das zur Behandlung von Adipositas und Übergewicht entwickelt wurde, erfolgte am 4. Juli 2021.

Hat sich der Kampf gegen die Kilos mit dem Aufstieg von GLP-1-Medikamenten wie «Ozempic», «Wegovy» oder «Zepbound» verschoben – von der Verhaltenstherapie zur Biochemie? Es scheint so. Die Substanzen wirken appetithemmend und setzen somit genau dort an, wo viele Menschen scheitern: beim Heisshunger. Auf Reddit berichten Nutzer:innen von der radikalen Wirkung: keine Cravings mehr, weniger Gedanken ans Essen, mehr Selbstbeherrschung.

Aber auch die Spritze ist kein Allheilmittel. Klinische Studien zeigen, dass 10 bis 15 Prozent gar nicht auf die Wirkstoffe ansprechen, sogenannte Non-Responder. Andere erleben heftige Nebenwirkungen wie Übelkeit und Sodbrennen. Und ohne Anpassung des Lebensstils bleibt der langfristige Effekt fraglich. Ein Kaloriendefizit, Bewegung und neue Routinen bleiben essenziell – genau das also, worauf Diätprogramme wie «Weight Watchers» seit Jahrzehnten setzen.

Weight Watchers 2.0

Und wenn man beides kombiniert? «Weight Watchers» hat den Trend der Abnehmspritze erkannt und reagiert darauf mit einem GLP-1-Programm. Es handelt sich um ein Begleitmodell für Menschen, die mit Hilfe von Semaglutid abnehmen wollen, aber weiterhin auf Ernährung und Bewegung achten müssen. Schon vor zwei Jahren kaufte das Unternehmen einen Telemedizin-Anbieter, der verschreibungspflichtige Medikamente anbietet. Medikamente und Lebensstilanpassungen als effektive Power-Kombi, also.

Fettleibigkeit ist eine chronische Erkrankung. Wir müssen sie auch so behandeln.

– Fatloss-Experte Dr. Spencer Nadolsky

Der Wunsch ist derselbe. Alle möchten sich in ihrem eigenen Körper wohlfühlen. Jedoch gibt es keine Lösung, die für alle stimmt. Ob mit Tracking-Apps, Weight-Loss-Medikamenten, personalisierter Ernährung – oder allem zusammen. «Good luck on your journey – no matter how you do it», kommentierte ein Nutzer unter einem Reddit-Post. Summa summarum: Es gibt verschiedene Wege. Auch «Weight Watchers» geht jetzt einen neuen.


 

Linda Carstensen
Linda Carstensen
Portalmanagerin Schweiz und Autorin
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