Wie diszipliniert muss man für einen neuen Lebensstil sein, Maria Maas?
Maria Maas hat ihre Ernährung radikal umgestellt – nicht aus Trendgründen, sondern aus Notwendigkeit. Heute teilt die Influencerin und Ernährungswissenschaftlerin ihre Erkenntnisse, Rezepte und Routinen mit einer Community von über 225.000 Menschen und zeigt, dass der Darm nicht unterschätzt werden sollte.
Essen soll heutzutage nicht nur satt machen. Im Idealfall soll es heilen, schützen, entgiften, Muskeln aufbauen, Energie liefern – und das alles bitte unter ethisch vertretbaren und nachhaltigen Gesichtspunkten. Ein Kinderspiel, gewohnte Ernährungsweisen umzustellen und nahtlos in den Alltag zu integrieren, ist dies nicht. Menschen sind nunmal Gewohnheitstiere. Am Ende greift man aus Zeitdruck doch zum Riegel – oder zur Tiefkühlpizza.
Ein Fertigprodukt, das man übrigens im Tiefkühlfach von Maria Maas niemals finden würde. Sie hat darmgesunde Ernährung zu ihrem Auftrag gemacht, geschafft, ihren Lebensstil von einem auf den nächsten Tag komplett umzukrempeln und genau die Schritte zu gehen, die andere sich als Vorsatz nehmen – bevor sie diesen wieder über Bord schmeißen. Aus Überforderung? Aus fehlender Motivation? Maria Maas möchte mit ihrem Kochbuch – das im übrigen weitaus mehr als eine Sammlung an Rezepten ist – ihre Lebensweise und ihre Erkenntnisse weitergeben. Falstaff hat sie zum Gespräch getroffen.
Falstaff: Seine Ernährung rigoros umzustellen, ist schwer. Wie haben Sie es geschafft, dies konsequent durchzuziehen?
Maria Maas: Die Motivation muss wirklich stark sein. Für mich ist mein Ziel die langfristige Gesundheit, nicht ein kurzfristiger Effekt wie einen ›Bikini-Body‹. Ich will in 50 Jahren noch immer fit sein, aktiv mit meinen Enkeln spielen und ein energiereiches und glückliches Leben führen. Wenn man einmal erlebt, wie es ist, sich körperlich und mental schlecht zu fühlen, erkennt man sofort, dass man nie wieder an diesen Punkt zurückkehren möchte. Disziplin ist also keine Frage von Willenskraft allein, sondern von einer klaren Zielsetzung und intrinsischer Motivation.
An welchem Punkt standen Sie, als Sie sich dieses Ziel gesetzt haben?
Meine Reise begann in der Studienzeit. In der Schule hatte ich zwar kleinere gesundheitliche Wehwehchen, die waren aber noch nicht relevant. Dann kam das Studentenleben: Von der sehr sportlichen, aktiven Schülerin, die zweimal die Woche Tanztraining hatte, wurde ich zu jemandem, der kaum noch Sport machte, stattdessen viel gefeiert hat und emotional ziemlich mitgenommen war. Ich habe extrem zugenommen, innerhalb von etwa drei Monaten rund acht Kilo, was für mich völlig untypisch war. Bei einer Routineuntersuchung wurde dann PCOS diagnostiziert – eine Stoffwechselerkrankung, die viele Frauen betrifft. Ab diesem Punkt habe ich beschlossen, meinen Lebensstil komplett umzustellen.
Ich gehe meinen Weg konsequent, auch wenn Kommentare kommen.
Für viele ist dennoch der Einstieg in eine disziplinierte Ernährungsweise schwierig. Was würden Sie als ersten Schritt empfehlen?
Der wichtigste Schritt ist, sich mit dem Thema überhaupt auseinanderzusetzen. Im Internet gibt es unzählige Informationen, die sich oft widersprechen. Deshalb ist es entscheidend, sich fundierte Quellen zu suchen, selber zu recherchieren und herauszufinden, was für einen selbst passt. Parallel dazu sind für eine darmgesunde Ernährung kleine Schritte im Alltag entscheidend. Zum Beispiel Vollkornprodukte anstelle von Weißmehl zu wählen, mehr Ballaststoffe in die Ernährung einzubauen und jeden Tag verschiedene Gemüse- und Getreidesorten zu essen, damit die Darmbakterien vielfältig gefüttert werden. Es ist ein Prozess, dessen Wirkung man nicht sofort spürt, der aber langfristig sehr wichtig ist.
Oft ist es das enge Umfeld, das auf die plötzliche Ernährungsumstellung einer Person empfindlich reagiert. Wie haben Sie es geschafft, sich nicht abhalten zu lassen?
Ich bin in einem Haus mit acht Menschen aufgewachsen. Es wurde gegessen, was an dem Tag gekocht wurde. Irgendwann dachte ich mir: Ich bin meine eigene Person. Ich gehe meinen Weg konsequent, auch wenn Kommentare kommen. Freunde, die meinen Lebensstil nicht akzeptieren, sind oft selbst unzufrieden. Diejenigen, die mich unterstützen, respektieren meine Entscheidungen.
Wie hat sich Ihre Ernährungsweise auf Ihre Gesundheit bislang ausgewirkt?
Ich habe nicht nur mehr Energie im Alltag, sondern auch ein besseres Hautbild bekommen. Mein Körper fühlt sich insgesamt fitter an, und ich merke, dass sich die gesunden Gewohnheiten wirklich positiv auf mein Wohlbefinden auswirken. Obwohl ich keinen Zucker, Weizen oder Alkohol zu mir nehme, ist es für mich kein radikaler Verzicht, sondern ein echter Gewinn an Lebensqualität.
Nun überzeugen Sie auch andere, teilen ihr Essen und ihre Rezepte auf Instagram mit 225.000 Followern und haben sich dazu entschieden, Ihr Kochbuch »I gut you« zu schreiben. Was kann man erwarten?
Das Buch ist mehr als ein klassisches Kochbuch. Ich wollte meine Lieblingsrezepte teilen, die auf Instagram viral gegangen sind, und gleichzeitig ein Basiswissen zur Darmgesundheit vermitteln. Viele Menschen wissen gar nicht, wie sehr Ernährung und Lebensstil ihren Darm beeinflussen. Für einen besseren Überblick habe ich jedes Rezept mit Nährstoffangaben ergänzt und für den Einstieg eine 30-Tage-Reset-Challenge erstellt.
Welche drei Lebensmittel findet man immer in deinem Kühlschrank?
Sauerkraut, Eier und Kefir.
Sauerkraut und Kefir sind beides fermentierte Produkte. Für die Darmgesundheit ein wichtiger Aspekt, oder?
Ich liebe fermentierte Lebensmittel, mein Spitzname ist sogar ›Fermented Maus‹. Fermentation enthält viele gesundheitliche Vorteile: Vitamine, Enzyme, Nährstoffe und natürlich Bakterien für den Darm. Ich versuche, möglichst jeden Tag etwas Fermentiertes zu essen, sei es Sauerkraut, Rotkraut, Kefir oder Kombucha. Wenn man nicht die Zeit hat, selbst zu fermentieren, kann man auch auf hochwertige Fertigprodukte zurückgreifen – wichtig ist nur, dass sie nicht pasteurisiert sind. Sonst erhalten sie keine lebenden Bakterien mehr.
Die Bakterien scheinen hier die Stars deiner Ernährungsart zu sein. Warum sind sie so wichtig?
Unser Darm besitzt mehr Bakterien als unser ganzer Körper Zellen. Die kleinen Helfer beeinflussen nicht nur die Verdauung, sondern auch unser Immunsystem, die Haut, die Energie – eigentlich alles. Wenn das Gleichgewicht stimmt, funktioniert der ganze Körper besser.