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Warum die Food-Trends für 2026 überbewertet werden

Trend
Ernährung
Meinung

Das neue Jahr steht im Zeichen von Optimierungsversprechen und Nährwert-Hypes, die eher den Appetit zügeln als ihn anregen. Ein Plädoyer dafür, weshalb die Prognosen für 2026 kaum genussversprechend sind.

Es ist wieder die Jahreszeit, in der Food-Trendreports wie Horoskope gelesen werden: mit Neugier, einer Prise Skepsis – und der Hoffnung, ein wenig in die Zukunft schauen zu können. Was erwartet uns im neuen Jahr? Wie lautet die Vorhersage der Food-Branche? Die Antwort variiert je nach Absender: Proteine im Mineralwasser, Fibermaxxing im Kaffee, Functional Food im Regal. Eins haben sie allerdings alle gemeinsam – die Ansicht: Essen muss leisten.

Natürlich sind Ballaststoffe wichtig. Niemand wird ernsthaft gegen Vollkorn, Hülsenfrüchte oder Gemüse argumentieren. Dass Apfelpektin und Zitrusfasern nun als Upcycling-Helden gefeiert werden, ist ökologisch sinnvoll und technologisch beeindruckend. Und ja, das Mikrobiom ist spannend und Dinnergespräche über Darmgesundheit sind längst kein Tabu mehr. Fermentation erlebt nicht umsonst einen regelrechten Hype, bei dem Kimchi und Kombucha als kleine Alltagshelden gefeiert werden. Aber ist all das am wichtigsten von allen?

Kein Ende in Sicht

Auch der kommende Trend namens »Functional Food 2.0« treibt den Gesundheits-Wahn(sinn) weiter voran. Nahrung wird zur Maßnahme und der Teller zu einer Check-Liste: für Energie, Fokus, Stärkung des Immunsystems, Hydration, Probiotika, Postbiotika, Parabiotika, marine Adaptogene, funktionale Pilze mit Namen wie aus einem Fantasy-Roman. »Lion’s Mane«, der flauschige Igelstachelbart, so nennt sich übrigens der Pilz des Jahres 2025.

Gleichzeitig wirkt die Branche seltsam ambivalent. Während Proteine zu den Superstars auf dem Teller ausgerufen werden, feiert eine britische Supermarktkette das »Great Carb Comeback«. Ebenso verabschieden sich andere Trendreports vom Protein-High-Dining. Schwirrt Ihnen schon der Kopf?

Essen Sie noch, oder leben Sie schon?

Inmitten des Selbstoptimierungswahns möchte man einen kleinen Samen für 2026 pflanzen. In ihm die Hoffnung nach Handwerk, Emotion und echten Momenten am Tisch. Und der Sehnsucht nach Essen, das nicht zwangsläufig optimiert, sondern verbindet. Nach Gerichten, die nicht erklären müssen, warum sie gut für uns sind, sondern es einfach sind – weil sie mit Sorgfalt gemacht wurden, aus guten Produkten, von Menschen, die ihr Handwerk lieben. Gerichte, die gegessen werden, aus Lust und Genuss.

Das heißt nicht, dass Innovation per se schlecht ist. Im Gegenteil! Wir sollten uns nur erinnern, dass Lebensmittel mehr als eine Nährstoffzufuhr mit Zusatzfunktion sind. Essen muss nicht immer eine Funktion erfüllen. Manchmal reicht es, dass es satt macht – und zufrieden. Auch wenn es sich dabei um eine nicht im Trend liegende, ungehypte, schlichte Brezel handelt. Ein potenzieller Trend wird übrigens mächtig unterschätzt: die Dankbarkeit für die Möglichkeit, Essen aus so vielen Facetten betrachten zu dürfen. Wer Essen und seine Vorteile frei wählen kann, darf nicht vergessen, dass diese Freiheit alles andere als selbstverständlich ist.


Célin Röser
Célin Röser
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