Warum zu Hause plötzlich Sardinenbüchsen angezündet werden
Dass die sozialen Medien die Geburtsstätten manch verrückter Trends sind, ist kaum überraschend. Nun aber brennen Nutzer:innen Büchsen mit Sardinen an und stellen Videos ihres kleinen Kochexperiments online. Das Ergebnis: Smoked Sardines.
Man nehme eine Sardinenbüchse, öffnet diese und legt ein gefaltetes Küchenpapier darauf. Dieses wird sich mit dem Öl, in dem die Fische eingelegt sind, vollsaugen. Anschließend nehme man ein Feuerzeug und zündet das getränkte Küchenpapier an. Es entsteht eine Flamme, die nach ein paar Sekunden erstickt wird, indem man eine Schüssel über die brennende Büchse stülpt und kurz wartet. Wenn man erfolgreich war und seine Küche nicht (!) in Brand gesetzt hat, hat man sich in wenigen Minuten geräucherte Sardinen gezaubert. Fraglich ist jedoch, ob das eine gute Idee ist.
An sich sind Sardinen ernährungsphysiologisch ein kleines Wunderwerk, das häufig unterschätzt wird. In ihrem silbrig schimmernden Körper bündeln sie, wovon Ernährungsmediziner schwärmen: hochwertiges Eiweiß, Omega-3-Fettsäuren, dazu Vitamin D, B12 und Calcium, letzteres besonders dann, wenn man sie mitsamt Gräten genießt. Doch wie gesund ist es, die Fische nach der neuen Trendart zuzubereiten?
No smoke without a fire
Allein die Zubereitung klingt nicht ganz ungefährlich. Grundsätzlich sollte man beim Kochen mit offener Flamme besonders vorsichtig sein. Bedeutet: Leicht entflammbare Gegenstände oder Materialien aus dem Weg schaffen, die ganze Zeit das Feuer im Auge behalten und den Prozess nach Möglichkeit draußen durchführen.
Geschmacklich gesehen funktioniert der Trick – sogar überrschend gut. Auch wenn die Art der Zubereitung nur wenige Sekunden dauert, bekommen die Sardinen dadurch eine sanft rauchige Note. Gleichzeitig wird der typisch fischige Geschmack, den viele als abschreckend empfinden, reduziert. Dennoch: Was hier als »Räuchern« verkauft wird, ist streng genommen keines. Klassisches Räuchern erfolgt bei kontrollierten Temperaturen, mit Holzrauch und über einen definierten Zeitraum.
Die TikTok-Variante dagegen ist eher ein kurzfristiges Anflämmen samt Rauchstau. Dabei entstehen durchaus Substanzen, die man lieber nicht regelmäßig mitessen möchte. Wenn Öl oder Papier verbrennen, können polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen – jene Verbindungen, die auch beim zu starken Anbrennen von Fleisch oder Rösten von Brot kritisch gesehen werden. In kleinen Mengen, einmal ausprobiert, wird das kaum dramatische Folgen haben. Als Lunch-Routine taugt es jedoch eher für den Algorithmus als für den Körper.