Was für ein Pignolo!
Eine Exzellenz von Friaul-Julisch Venetien zelebriert ihren einzigartigen Charakter.
Die Produzenten von Pignolo aus Friaul-Julisch-Venetien versammelten sich in Udine zu einer außergewöhnlichen Verkostung und überraschten das Publikum mit einer absoluten Neuheit: Zum ersten Mal wurde die exklusive Kategorie Pignolo Raro vorgestellt, eine Auswahl von Weinen, die mindestens zehn Jahre alt sind. Um die Erfahrung zu bereichern, stellte Nonino einen speziellen Grappa aus dem Trester dieser edlen Rebsorte vor.
Die Vereinigung Pignolo: Hüter eines önologischen Schatzes
Der Friaul-Julisch-Venetien Pignolo Verband ist ein dynamisches Netzwerk von Winzern, die durch ihre Leidenschaft für diese seltene einheimische Rebsorte vereint sind. Der Verein wurde 2023 von Ben Little, einem Iren, der in Pignolo verliebt war, gegründet und hat ein schnelles und stetiges Wachstum erlebt. Little, Autor des Buches Pignolo – Cultivating the Invisible, half dabei, das Wissen über diese Sorte zu verbreiten. Von einer kleinen Anfangsgruppe hat der Verein heute 34 Mitglieder, hauptsächlich in den Colli Orientali, aber auch im Collio und Isonzo.
Zum ersten Mal kamen die Pignolo-Erzeuger in einer direkten und konstruktiven Diskussion über ihre Weine und das Gebiet zusammen, mit ansteckender Begeisterung. Aber Vorsicht: Der Pignolo ist kein Wein für jedermann. Sein hoher Säuregehalt und seine ausgeprägte Tanninstruktur erfordern Zeit und Respekt. Mit nur 60 Hektar Rebfläche, die alle in Friaul-Julisch-Venetien liegen, ist Pignolo ein echtes önologisches Juwel. Die bereits im Mittelalter für ihre Qualität geschätzte Rebe war aufgrund ihres schwierigen Anbaus fast verschwunden, bis sie in dann ab den 1970er Jahren dank der Bemühungen der Familie Nonino zuerst und den Weinen von Girolamo Dorigo und Walter Filiputti später allmählich wiederentdeckt wurde.
Pignolo Raro: Macht das Wetter einen Unterschied?
Die Verkostung des Pignolo Raro stand unter dem Motto «Seltenes und Unerwartetes». Die Ausgangshypothese war klar: Eine längere Reifung sollte die robusten Tannine des Pignolo mildern. Die Praxis hielt jedoch Überraschungen bereit: Die Weine der Jahrgänge 2009 bis 2014 erwiesen sich immer noch als streng und von einer kräftigen Struktur geprägt. Bei der großen Verkostung am nächsten Tag zeigten die jüngeren Jahrgänge jedoch ein zugänglicheres Profil mit einem ausgewogenen Verhältnis von Frucht und Struktur. Unter den Produzenten, die sich hervorgetan haben, waren Specogna, Gigante und Butussi.
Pignolo zeichnet sich durch seine starke Persönlichkeit aus: Während der Markt weiche, runde Weine bevorzugt, bleibt er stolz auf seine starke, tanninhaltige Identität. Die Erzeuger perfektionieren die Techniken, um mit dieser Kraft umzugehen. Ein interessanter Fall ist der Pignolo von Casasola, der aus 100 Jahre alten Rebstöcken hergestellt wird und ausschließlich im Stahl reift, was die Frage aufwirft, ob das Barrique wirklich die beste Wahl für diese Rebsorte ist.
Ein besonderer Toast mit Nonino
Zum Abschluss der Veranstaltung stoßen wir mit einem Pignolo-Grappa von Nonino an. Nach Jahren des Wartens ist es den Schwestern Cristina, Antonella und Elisabetta Nonino endlich gelungen, eine ausreichende Menge an Pignolo-Trester zu sammeln, um diese Rarität zu destillieren.