In kaum einer Weltstadt ist das Verhältnis der Einwohner zu Hotelrestaurants derart von vorsichtiger Zurückhaltung geprägt wie in Wien. Während in London oder in Paris selbstverständlich auch lokales Publikum die Sterne- oder auch Szene-Lokale mit Freude frequentiert, bleibt das in Wien eher die Ausnahme – »Ritz-Carlton«, »Park Hyatt« oder »The Amauris« erfreuen sich guter bis bester Buchungslage. Andere wie dieses tun sich da trotz Premium-Lage schwerer. Im 2022 eröffneten »The Leo Grand« war anfangs die DOTS-Gruppe für die Verpflegung zuständig. Nach deren weitgehender Auflösung betreibt nun die »Lenikus-Gruppe« selbst die Gastronomie im Haus. Küchenchef István Törzsök werkte zuvor im nahen »The Bank« und soll hier nach dem von den MAGA-Leuten entliehenen Motto »Make fine dining sexy again« kosmopolitisch kochen – was immer damit gemeint ist. Auf den Tellern kommt das: ein unauffällig abgeschmecktes Wolfsbarsch-Ceviche mit Daikon, Fenchel, Gurke und Grapefruit. Mildes Kalbstatar mit Shiitake und Limette. Ein liebenswürdig kleines und gutes Stück fluffiger Langos mit Crème fraîche, Jungzwiebel, Zwiebelchutney und ein bisserl Bergkäsehobel ist mit 19 Euro fantasievoll kalkuliert. »Die Rote Ente« (34 Euro) besteht aus zwei Tranchen rosa Brust mit roten Rüben – Mousse und sehr bissfesten Scheiben – in süßsaurem Preiselbeer-Jus und drei Blättchen Blutampfer. Ist zwar alles recht rot und schmeckt erdig, ein gelungener Geschmacksakkord ist dabei schwer zu entdecken. Auf der Weinkarte steht naturgemäß viel vom Bio-Weingut des Hausherrn, der Rest ist ein eher wirres Sammelsurium, bei dem vor allem die bombastischen Schaumwein-Aufschläge ins Auge stechen.