Felix Thoms und Leonardo Donati kochen im »Fukagawa« mit bemerkenswerter Präzision, ihre japanisch-französische Fusionsküche übersetzt Ramen-Tradition konsequent ins Fine Dining. Als Küchenchef konnte Donati den gebürtigen Berliner Felix Thoms gewinnen. Der 35-Jährige eröffnete 2019 in Schöneberg das Restaurant »Bob & Thoms«. Nun widmet sich Thoms für das Fukagawa intensiv der japanischen Küche. Unterstützt wird er von Markus Suntinger, der reichlich Erfahrung im »Golvet«, »Coda« und »Bonvivant« sammeln konnte. Das Menü im »Fukagawa« mit acht, wahlweise neun Gängen greift die drei Grundelemente traditioneller Ramen auf: Öl, Brühe und Würzung. Vier selbst hergestellte Brühen bilden das Fundament: Chintan-Hühnerbrühe, Tori-Paitan, Tonkotsu aus Schweineknochen und Chintan-Gemüsebrühe. Der Auftakt zeigt die Philosophie deutlich: Kalter Ramen-Shot und gefüllte Praline demonstrieren die Bandbreite. Die handgetauchten Jakobsmuscheln aus der Bretagne mit schwarzem Knoblauchöl in Tonkotsu-Reduktion überzeugen ebenso wie drei Cuts vom Bluefin-Thunfisch. Herausragend: das Wagyu-Rib-Eye aus Kagoshima, auf dem Konro-Grill mit Binchotan-Kohle zubereitet. Die Ausführung ist tadellos, einzelne Gerichte dürften allerdings noch etwas fokussierter daherkommen. Was sonst überzeugt: die stimmige Einrichtung, die makellose Präsentation, die ausgezeichnete Weinkarte mit Schwerpunkt Deutschland und Österreich. Alternativ gibt es eine Sake- oder alkoholfreie Teebegleitung. In Zeiten, in denen Fine Dining in Deutschland unter Druck steht, ist ein solches Konzept mutig. Thoms und Donati haben das handwerkliche Können und den Anspruch,
es gelingen zu lassen.