Griechische Küche kennt jeder, griechisches Fine Dining kaum jemand. Was auch daran liegt, dass sich ausserhalb Griechenlands kaum jemand an der Sublimierung hellenischer Klassiker versucht. Das «Neora» ist da eine Ausnahme. Was wir hier probierten, ging weit, sehr weit über die üblichen pseudogriechischen Deftigkeiten hinaus. Ausgezeichnete Taramosalata, subtil gewürztes Tzatziki, auch die ofengebackene Rande gelangen, wurden aber noch von roten Garnelen mit fassgereiftem Feta übertroffen. Die griechischen Pommes frites sollen handgeschnitten sein und mit geriebenem Feta serviert werden, hörten wir, liessen sie aber zugunsten der Moussaka aus, weil wir neugierig waren, was Küchenchef Leonidas Zervakis aus dem Familiengericht machen würde. Es bestand zwar aus denselben Zutaten, wie sie auch jede griechische Hausfrau verwendet, war aber genial abgestimmt und abgeschmeckt. St. Moritz wäre übrigens nicht St. Moritz, wenn man im «Neora» nicht auch Hummer, Kaviar und Trüffel bestellen könnte. Joghurtsorbet mit allerlei Toppings von Nüssen bis Honig war zum Schluss ein grosser Spass. Der Service konnte da locker mithalten, weil er keinen Deut weniger aufmerksam wirkte als früher im «Cà d’Oro» an derselben Stelle, und weil passende Weine empfohlen wurden. Griechische natürlich, von denen wir nie zuvor gehört hatten: Was man zwischen Thessaloniki und Rhodos zu keltern vermag, weiss hier kaum jemand. Wir probierten Malagousia von Ktima und Symbolo von Lyrarakis und waren begeistert, liessen tollen Muscat-Tsikoudia, einen Tresterschnaps der Extraklasse, folgen. Den sollte man kennenlernen!