Hannover hat wunderschöne Ecken – und der Wedekindplatz gehört zweifellos dazu. Zwar durchschneidet eine viel befahrene Straße das Ensemble, doch der Charme aus Altbaufassaden, Kopfsteinpflaster und alten Bäumen bleibt ungebrochen. Im Rund haben sich Weinläden und Gastronomiebetriebe angesiedelt – darunter auch das »Marie«. Das neue Sternerestaurant liegt im Erdgeschoss eines Gründerzeithauses und beeindruckt mit lässigem Chic aus Naturmaterialien. Sven Holthaus arbeitet hier bereits seit mehreren Jahren an einer offenen, modernen Fine-Dining-Küche. Eine Auszeichnung im Guide Michelin war sein stiller Wunsch, obwohl er selbst nie in einem Sternerestaurant gekocht hat. Stilistisch bewegt sich der gebürtige Emsländer eher in sicheren Häfen als auf waghalsigen Genusspfaden. Seine Gerichte sind zeitgemäß, kreativ und durchdacht – komplex, aber nie kompliziert. Ein Beispiel: Stücke von gegrillter Wagyuschulter baden in einer süffigen, asiatisch inspirierten Rinderbrühe, ergänzt um Liebstöckelöl, gepickelte Schalotten sowie Pastinakenstroh und -püree. Ein wachsweiches Eigelb wird in Zwiebelkonfit und Meerrettich-Beurre-blanc serviert – eine elegante Kombination aus Tiefe und Frische. Dazu kommen gut ausgewählte Weine ins Glas. Etwa ein 2020er Sauvignon Blanc Ried Czamillonberg vom Weingut Polz, dessen lebhafte Säure die Salzigkeit einer gebeizten Fjordforelle mit roter Paprika und Kartoffel-Bärlauch-Creme ausbalanciert. Oder ein 2022er Chardonnay Réserve vom Weingut Thörle zum Schwarzfederhuhn, begleitet von Butterrübe und Gulaschjus. Das Schöne: Die Erfolgsgeschichte des »Marie« hat eben erst begonnen.