Es sagt etwas über den Zeitgeist aus, wenn ambitionierte Köche derzeit nicht an neuen Fine-Dining-Konzepten basteln, sondern sich bewusst der einfachen Kneipenküche widmen. In der ehemals rauchigen Eckkneipe Tresen-Treff verfolgen Laurens Friedl und Josha Karlborg gemeinsam mit Gastgeberin Julia Bentzien diesen Ansatz. Nicht ironisch, nicht nostalgisch, sondern mit Respekt vor Ort, Stammgästen und Tradition. Dass sie die Eckkneipe nicht nur gerettet, sondern auch Namen, Charme und vor allem das Publikum bewahrt haben, ist Teil des Konzepts – und einer der Gründe, warum der Tresen-Treff derzeit als Berlins neuester Hotspot gilt. Hier treffen sich nicht nur Nachbarn und Fußballfans, sondern auch Foodies, Köchinnen und Köche aus der Szene. Die Küche übersetzt klassische Berliner Kneipengerichte mit handwerklichem Anspruch und ohne Allüren: Bulette, Beamtenstippe, Königsberger Klopse oder Roulade werden ernst genommen, nicht verkleidet. Entscheidend ist dabei auch der Preis: Alle Gerichte bewegen sich unter zehn Euro – in dieser Qualität derzeit kaum zu schlagen. Der Matjessalat kommt klassisch und angenehm leicht mit Schmand statt Mayonnaise. Rote Bete mit Birne und Sonnenblumenkernen bringt Frische ins Spiel. Besonders überzeugend zeigt sich das Können der Köche bei den Saucen: tief, ehrlich, ohne Tricks. Die Beamtenstippe mit Kartoffelpüree bleibt ein herzhafter Sattmacher alter Schule, die Senfeier verbinden eine cremige Sauce mit ebenso cremigen Eiern. Dass hier erfahrene Köche am Werk sind, zeigt sich weniger in Effekten als im sicheren Umgang mit den Produkten. Zeitgemäße Kneipenküche aus Profihand.