Von erhaltenen und neu übernommenen Wirtshäusern ist hier regelmäßig zu lesen. Bisweilen wird im alten Rahmen auch allerlei abseits des klassischen Rezeptekanons serviert – Hauptsache, es landet nicht schon wieder ein Traditionslokal auf der Liste der verblichenen Gaststätten. Was Philipp Marko und Lukas Fürk eben in Gamlitz aufgesperrt haben, ist aber noch eine ganz andere Geschichte zum Thema. Die zwei Herren gründeten ein Gasthaus, wo nie eines war. Noch dazu ist die Südsteiermark zwar reich an Buschenschanken und exzellenten Restaurants – der Typ Wirtshaus ist dagegen Mangelware. Der ehemalige Pfarrsaal in einem adretten alten Haus, einst auch als Kino und Konzertsaal genutzt, wurde zur »Weinkehr«. Und die beiden machen so ziemlich alles richtig. Da hilft auch die profunde Ausbildung – vier Jahre »Döllerer« in Golling, wo bekanntlich auch ein Vorzeigewirtshaus steht. Und dann ebenso lang in der nahen »Weinbank« in Ehrenhausen. Das wunderbare Brot stammt von der Bäckerei Altenburger aus St. Nikolai ob Draßling, die flaumigen Grammelknödel aus Erdäpfelteig gehen auf ein familiäres Rezept von Lukas Fürk zurück und kommen auf papriziertem Welschrieslingkraut. Kräutersuppen mögen anderswo zur Kategorie der Sattmacher zählen, von dieser »Erdäpfel-Frühlingskräuter-Rahmsuppe« mit Frischkäsetascherl hätte man gern das Rezept. Löffelzarte geschmorte Kalbsschulter liegt auf Nussbutterpüree, dazu Lavanttaler Spargel und Morcheln. Wahlweise ist dieses Arrangement auch mit Bries oder Leber zu haben. Die 42-seitige Weinkarte mit ganz viel Steiermark und allerlei von Mosel bis Jura beruht auf der privaten Weinsammlung der zwei Inhaber. So geht Wirtshaus 2.0.