Obwohl Kanada in den letzten gut 30 Jahren enorm in Weinbau und Weinqualitäten investiert hat, wird das Land als Produzent hochwertiger Weine nach wie vor noch nicht so recht wahrgenommen und steht im Schatten des scheinbar übermächtigen Nachbarn USA. Einer Legende zur Folge sollen bereits Wikinger im 11. Jahrhundert an der Ostküste Kanadas Wein angebaut haben. Als gesichert gilt, dass bereits 1811 ein deutscher Offizier nahe Toronto ein ca. 8 Hektar großes Weingut gegründet hat, der offizielle Startschuss für Weinbau in Kanada. Allerdings wurde über fast 150 Jahre hinweg der Anbau von Hybridreben favorisiert. Die Prohibition hat Kanada bestens überstanden, durch ein geschicktes Marketing konnte der Weinbau sogar gestärkt werden. Lange Zeit hat der Staat hier Einfluss genommen, doch mit der Gründung des ersten privaten Weinguts Inniskillin begann eine neue Zeitrechnung. Ca. 15.000 Hektar stehen in Kanada unter Reben wobei ca. 90% der Produktion auf zwei Regionen entfallen, auf Niagara Peninsula im Osten des Landes, sowie auf das Okanagan Valley in British Columbia im Westen. Rebsorten und Weinstile haben sich ebenfalls drastisch geändert. Wurden aus den Hybridsorten früher süße Weine oder aufgespritete Weine im Sherry- oder Portwein-Stil erzeugt, sind es heute trockene Weine aus internationalen Sorten wie Chardonnay, Sauvignon Blanc, Riesling, Merlot und Pinot Noir. Geblieben ist die Hybridsorte Vidal, aus der bei gesundem Lesegut in den typischen kalten Wintern exzellente Eisweine erzeugt werden. Auf etwas über 500 Weingüter verteilt sich die gesamte Produktionsmenge von ca. 70 Mio Liter. Da Kanada mit seinem Klima, den kurzen Sommern und den langen kalten Wintern vom Klimawandel eher profitiert, darf man für die nächsten Jahre noch einiges erwarten.