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Aqua Fitness: Ganzkörpertraining im Wasser

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Nicht nur für Senioren: Aqua Fitness wird oftmals unterschätzt. Dabei ist es ein effektives Ganzkörpertraining.

Im Wasser wiegt der Körper nur noch rund zehn Prozent seines tatsächlichen Gewichts, muss sich aber dennoch bei jeder Bewegung gegen einen Widerstand behaupten, der an Land so nicht existiert. Das Ergebnis: ein Ganzkörpertraining, das Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit gleichermaßen trainiert, Herz und Kreislauf ankurbelt und dabei Gelenke, Sehnen und Bänder so gut wie gar nicht belastet. Kein Wunder also, dass Aqua Fitness längst über die Reha-Welt hinausgewachsen ist. Mag. Nina Schröder, Sportwissenschaftlerin, Personal Fitness & Mental Health Trainerin und Leiterin von John Harris Medical, erklärt, was hinter dem Training im Wasser wirklich steckt und für wen es sich besonders lohnt.

Nina Schröder

Mag. Nina Schröder ist Sportwissenschaftlerin, Trainingstherapeutin und Personal Fitness & Mental Health Trainerin. Als Leiterin von John Harris Medical, dem Wiener Health Point mit Schwerpunkt Präventiv- und Lifestylemedizin, verbindet sie fundiertes wissenschaftliches Know-how mit jahrelanger Praxiserfahrung im Spitzenfitness-Bereich. Als Cheftrainerin von John Harris Fitness begleitet sie ihre Klientinnen und Klienten mit einem ganzheitlichen Ansatz, der körperliches Training, mentale Stärke und medizinische Kompetenz vereint.

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falstaff HappyLife: Was macht Aquafitness für Sie persönlich so besonders?

Nina Schröder: Was mich an Aquafitness besonders fasziniert, ist die Verbindung aus hoher Trainingswirksamkeit und gleichzeitig reduzierter mechanischer Belastung. Viele Menschen verbinden Wasser automatisch mit Schonung – tatsächlich verändert Wasser die Belastungsphysiologie grundlegend. Der Auftrieb reduziert Druck auf Gelenke und passive Strukturen, während der Wasserwiderstand die Muskulatur in nahezu jeder Bewegungsrichtung fordert. Dadurch entsteht ein Trainingsumfeld, das sowohl präventiv als auch leistungsorientiert eingesetzt werden kann.

Als Sportwissenschafterin finde ich besonders spannend, dass Intensität im Wasser nicht nur über Tempo entsteht, sondern über Hebel, Fläche, Bewegungsausmaß, Widerstand und Bewegungskontrolle. Als Coach begeistert mich wiederum etwas anderes: Menschen erleben Bewegung im Wasser oft anders – freier, mutiger und weniger wertend.

Für welche Zielgruppen ist Aquafitness besonders geeignet?

Nina Schröder: Durch Auftrieb, Widerstand und die Möglichkeit, Belastung sehr fein zu dosieren, lässt sich Aquafitness an ganz unterschiedliche Voraussetzungen anpassen – vom sportlichen Einsteiger bis zur leistungsorientierten Person, vom Wiedereinstieg bis zum ergänzenden Athletiktraining.

Besonders geeignet ist Aquafitness für Menschen, die gelenkschonend trainieren, ihre Ausdauer verbessern, funktionell Kraft aufbauen oder Bewegung wieder mit einem positiven Körpergefühl verbinden möchten. Gleichzeitig profitieren auch jüngere und sportliche Zielgruppen zunehmend von modernen Wasserformaten, weil diese Intensität, Koordination, Core-Stabilität und Regeneration intelligent verbinden.

Der Wasserwiderstand fordert die Muskulatur in nahezu jeder Bewegungsrichtung.

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Welchen Effekt hat das Training im Wasser auf die Psyche – und was unterscheidet es neuropsychologisch vom Training an Land?

Nina Schröder: Ich bin überzeugt: Körperliche Bewegung verändert nie nur den Körper. Sie verändert Wahrnehmung, Emotionen, Selbstwirksamkeit und mentale Belastbarkeit. Neuropsychologisch unterscheidet sich Training im Wasser vom Training an Land dadurch, dass unser Gehirn permanent andere Informationen verarbeitet. Der hydrostatische Druck, der Widerstand und die kontinuierliche sensorische Rückmeldung erzeugen eine intensive Form der Körperwahrnehmung. Viele Menschen erleben dadurch mehr Präsenz, weniger Ablenkung und einen stärkeren Fokus auf den Moment.

 

Wie sieht eine ideale Aquafitness-Einheit bei John Harris Fitness aus?

Nina Schröder: Die ersten Minuten dienen dazu, den Körper an das Medium Wasser anzupassen – Mobilisation, Aktivierung und Bewegungskontrolle schaffen die Grundlage. Danach entwickelt sich die Einheit je nach Kursformat unterschiedlich.

Aqua Fitness verbindet Ganzkörpertraining mit Ausdauer und Kraft. Aqua Dance kombiniert Dynamik, Rhythmus und Energie. Float Fit fordert Balance, Stabilität und Core-Kontrolle. Im Swim Training stehen Technik und Effizienz im Vordergrund.

Was mir wichtig ist: Intensität wird nicht dem Zufall überlassen. Unsere Trainer:innen steuern Belastung individuell – dadurch kann dieselbe Einheit sowohl für eine sportliche 28-Jährige als auch für einen 55-jährigen Wiedereinsteiger passend sein.

© John Harris

Welche Intensitäten sind bei Aquafitness realistisch?

Nina Schröder: Viele Menschen sind überrascht, wenn ich sage: Im Wasser kann man nahezu jede Intensitätsstufe trainieren – von regenerativ bis leistungsorientiert. Die Kurse bei John Harris sind facettenreich: Aqua Fitness bietet vielseitige Ganzkörperbelastung, Aqua Dance fordert Ausdauer und Dynamik, Float Fit arbeitet intensiv über Stabilität und Körperspannung und im Swim Training stehen Effizienz und Ausdauerleistung im Fokus.

Welche Mythen rund ums Wassertraining begegnen Ihnen häufig?

Nina Schröder: Der häufigste Mythos ist ganz klar: »Aquafitness ist nur etwas für ältere Menschen.« Mein persönlicher Lieblingsmythos ist allerdings: »Aquafitness ist gleich Aquagymnastik.«

Ich glaube, dass Aquafitness deshalb noch immer unterschätzt wird, weil viele das Bild von klassischer Aquagymnastik im Kopf haben: ruhige Bewegungen, geringe Intensität und ein reines Gesundheitsprogramm. Moderne Wassertrainingsformate haben damit nur noch wenig gemeinsam. In der Praxis können Einheiten athletisch, dynamisch und fordernd sein – mit Intervallen, Core-Arbeit, koordinativen Anforderungen und funktionellen Bewegungsmustern.


Jessica Haberl
Autor
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