Michelin Guide Tschechien - Falstaff PROFI

Versammelt: Die acht neuen Lokale mit einem Stern auf der Bühne im »Casino« Marienbad.

© Roland Graf

Nicht nur Prag: 9 Sterne-Lokale bei Tschechiens »Michelin«-Premiere

Mit Tschechiens Tourismuswerbung brachte »Makro« die Michelin-Sterne zurück ins Land. An der Spitze rangiert ein Zwei-Sterner, Jan Knedlas »Papilio« in Vysoký Újezd nahe der Hauptstadt, dazu gab es 18 »Bib Gourmands«.

von Roland Graf
15. Dezember 2025

Bereits der Ort der ersten Michelin-Gala in der Tschechischen Republik war ein Statement: In einem der ersten internationalen Tourismusorte, Mariánské Lázně (Marienbad), wurden die Auszeichnungen für die Restaurants vergeben. Und Gwendal Poullennec strich nicht von ungefähr auch die touristische Bedeutung der »macarons« heraus: »Der Stern kann die Karriere eines Kochs prägen, aber auch das Bild einer Region verändern«. Immerhin hatte es – ähnlich wie bereits beim Guide für Österreich – nur die finanzielle Unterstützung der Tourismusbehörden ermöglicht, den Guide für das ganze Land zu erstellen.

Michelin Guide Tschechien - Falstaff PROFI
Jan Valenta (links) begrüßte Gwendal Poullennec und führte als Gastgeber – gemeinsam mit Lukáš Hejlík – durch den Abend. | © Roland Graf

Doppelte Ehrung für das »Field«

Bislang war lediglich Prag mit Sternen ausgezeichnet worden. »Unsere Inspektoren stammen aus 30 Nationen«, erklärte Poullennec im Casino des Hotels »Nové Lázne« das Procedere, »sie agieren wie normale Gäste und bezahlen auch«. Insgesamt 52 Restaurants fanden so Eingang in das Kompendium. Doch traditionell begann der Preisregen mit den Sonder-Auszeichnungen, etwa für das beste Service. Hier kürte der neue Guide den Prager Miroslav Nosek (»Field«). Mit einem von nur zehn Sternen insgesamt, den es auch errang, wurde das Restaurant von Radek Kašpárek so zum der Abräumer des Abends. Will man einen Verlierer ausmachen, ist es Brünn, das als zweitgrößte Stadt kein Sterne-Lokal aufweist.

Zdeněk Oudes wiederum holte auch den Sommelier-Award in die Moldau-Stadt – er wirkt im »Marie B«. Khanh Ta aus dem Prager »Taro« wurde als bester junger Koch geehrt und machte den Newcomern Mut: »Geht euren Weg, habt keine Angst, solang ihr euren Anspruch haltet«.

Michelin Guide Tschechien - Falstaff PROFI
Der stolze Zdeněk Oudes mit dem Sommelier-Award. | © Roland Graf

Eine einzige Frau auf der Bühne

Auch die seit fünf Jahren vergebenen (und nicht unumstrittenen) Grünen Sterne für Nachhaltigkeit wurden an vier nachhaltige tschechische Restaurants verliehen. Großen Applaus gab es dabei für Martin Štangl (»Štangl«, Prag). »Er hat es verdient«, lobte Pavel Drdel (»Sůl a Řepa« in Strakonice) selbst ein Preisträger dieser Kategorie den Kollegen: »Martin hat uns inspiriert und erst gezeigt, was möglich ist!« Mit Barbora Šimůnková aus dem »Leaf« wurde auch die einzige Frau an diesem Abend ausgezeichnet. Danach baten die Gastgeber die acht Ein-Sterner auf die Bühne, sechs davon sind gänzlich neu:

Passend zur Gourmet-Strategie

Dramaturgischer Höhepunkt aber war der erste Zwei-Sterner im Land, »Papilio«. Jan Knedla, der in Vysoký Újezd in den ehemaligen Schloss-Stallungen kocht, schrieb damit Gastro-Geschichte: »Das ist etwas, wovon man sein ganzes Leben träumt«, sagte der überwältigte Koch und widmete den Preis seinem Team.

Zu den Entdeckungen im Land der traditionell herzhaften Küche zählten die 18 »Bib Gourmands«, von denen sich lediglich sieben in Prag (und zwei in Brünn) befinden. »Wir waren echt überrascht über die Einladung, haben wir doch fast 300 Sitzplätze«, so Restaurant-Leiter Pavel Štěpánek vom »Mlýnec« an der berühmten Karlsbrücke. Sein Lokal gehört zu den 52 empfohlenen Adressen im Guide. Träger des »Bib Gourmand« für 2026 ist hingegen das für seine Karpfen-Gerichte berühmte »Šupina a Šupinka« im mährischen Třeboň. Es zählt zu jenen Lokalen, die laut Michelin »sehr gutes Essen zu einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis« bieten.

Für den Direktor der Tourismuswerbung (»Visit Czechia«) passt dieser »einzigartige Abend« auch zur neuen Strategie seiner Agentur: »Wir haben bis 2030 im Plan, auf die gastronomischen Erlebnisse in Tschechien hinzuweisen«, sagte Frantisek Reismüller. Der zweite Sponsor-Partner der Gala, Großhändler »Makro«, ließ dann seine Köche sprechen. Mit Gerichten aus der »Makro Academy« wurden die Gäste in die Nacht begleitet. Vom Lachs auf Kren-Sauce über geräucherten Pilz-Spieß mit Miso bis zur Blunzen-Krokette. Zum Anstoßen auf den Sieg gab es – passend zum Kurbad – einen Trinkbrunnen mit »Becherovka«. Auch wenn der Likörklassiker das einzig Bittere an diesem Abend blieb.

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