Bar Convent Berlin, Fabrizio Tacchi & Adam Rains - Falstaff PROFI

Fabrizio Tacchi und Adam Rains (»The Golden Tiki«, Las Vegas) feierten Zitrus-Liköre.

© Roland Graf

Die Trends für die Trinkwelt 2026, direkt vom »Bar Convent Berlin«

Die Stimmung mag teils verhalten gewesen sein. Doch inhaltlich hat die weltgrößte Bar-Messe immer noch das Zeug zum Leitgestirn. Der »Bar Convent Berlin« zeigte drei Tage lang, in welche Richtung die Branche aktuell geht.

von Roland Graf
09. Oktober 2025

Ein angenehmes Flanieren, kaum Hektik beim Check-in: Berlin ging es diesmal gemütlicher an. Während im Vorjahr rund 15.000 Interessierte kamen, waren es heuer 12.000. Doch auch ohne Besucher-Rekord ließ sich ein klares Bild gewinnen. So dürfte die große Zeit der alkoholfreien Destillate vorbei sein. Ihre Präsenz war deutlich geringer als noch vor zwei Jahren. Aktuell geht es um praktische Lösungen, die Zeit und/oder Geld sparen. Diesen Meta-Trend konnte man beim Rundgang durch den BCB deutlich erkennen. Doch es gibt einige wenige Kategorien, die zulegen. Und natürlich gab es auch jene Stände, die mit ihrem Design zum Messe-Gespräch wurden. Dieses Jahr war der Schwarzwald-Gin »Monkey 47« ganz vorne dabei. Mit einem an die TV-Serie »The Bear« angelehnten Design stellte man den neuen »Distiller’s Cut« vor.

Bar Convent Berlin 2025, Falstaff PROFI
Breites Angebot, guter Überblick – der »Bar Convent Berlin« (BCB) zeigt, wohin die Trend-Reise geht. | © Roland Graf

1. Tequila, Mezcal und neue Rums

Geht es nach den Spirituosen, regiert nach wie vor Südamerika. Vor allem die Gemeinschaftsstände rund um die Agave (z. B. von »AliasSmith«) waren stets umlagert. Hier ließen sich auch kleiner Erzeuger kennenlernen. Gefolgt wurde das Interesse von jenem für Rum. Da scheint nach dem immer noch unschlagbaren »Süßrum« mit mehr als 20 Gramm Zucker/Liter nun auch ein trockeneres Angebot für Kenner Fuß zu fassen. Der neue »Fumée Volcanique« von »Rhum J.M.« stellt mit seinen Rauch-Noten ein Angebot für Whisky-Freunde dar. Und aus dem Portfolio von »Plantaray« spricht das »Hogo Monsta« nicht nur des Namens wegen die Rum-Kenner an – der extreme Ester-Gehalt ist genau das, was sie suchen.

2. Bitteres und Zitrus-Erweiterung

Italien geht offenbar immer. Das Gastland der Messe lieferte nicht nur die wichtigsten Beiträge der Aperitivo-Kultur, die aktuell im Day Drinking dominiert. Im Gefolge von Aperol oder Sarti kommen nun auch andere Zitrusfrüchte in den Handel. Bergamino (mit Bergamotte) oder der Clementinen-Likör standen bei »Caffo« im Fokus. Natürliche Aromen und zarte Süße ermöglichen neben Longdrinks auch abgerundete Cocktail-Kreationen mit mediterranen Aromen. Die zart herben Noten sprechen zudem den »erwachsenen« Geschmack »Bitter« bei versierten Bargästen an. Ein Beispiel dafür war die markante Flasche namens »Ode«. Vor allem die rote Variante, von der Markengründer Stefan Graf Becker nicht von ungefähr sagt, »die ist für Fortgeschrittene«. Beinahe medizinale Bitternoten im Hall sind in der Tat abseits des Mainstreams angesiedelt. Die will ich unbedingt haben, begeisterte sich dafür etwa Isabella Lombardo, die im Spätherbst ihre Bar »Sbagliata« in Wien eröffnen wird.

3. Pre-Mix in allen Formen

Vorgemixte Cocktails, in der Branche salopp als »RTD“ (=ready to drink) bezeichnet, sind keine Sache für die Tankstellen und »Spätis« mehr. Der Vormarsch im letzten Jahr (plus vier Prozent) beruht vor allem auf Mixgetränken mit Rum, Wodka und Wein, so die Analyse der »International Wine and Spirits Competition« (IWSC): „Deutsche Verbraucher sind weiterhin dabei, Geschmack zu entdecken, der über die vorherrschenden Whisky-basierten RTDs hinausgeht«. Das zeigte sich auch auf der Messe. Selbst alte Bekannte wie der kroatische Kräuterlikör Pelinkovac kommen nunmehr zusammen mit Tonic in die Dose. Hier trifft niedriger Alkohol auf Convenience!

Bar Convent Berlin 2025, Falstaff PROFI
Was trinken wir 2026? Auf dem BCB treffen Barbesitzer, Bartender, Distributoren und Hersteller aus rund 90 Ländern aufeinander. | © Roland Graf

4. Convenience statt Personal

Apropos Bequemlichkeit: Selbst Sicherheit lässt sich auslagern. Mit der Technologie von »Alco Prevention Canada« lässt sich das Versetzen von Drinks mit K.O.-Tropfen verhindern. Sicherheitsdeckel und Analyse-Tools sorgen für ungetrübtes Bewusstsein. Denn weniger Personal soll nicht weniger Sicherheitsgefühl bedeuten. Immerhin 22 % der Berliner Partygäste sollen schon Erfahrungen mit »gespikten« Drink gemacht haben, rechnet »Komfid« vor – ein Hersteller kompostierbarer Schutzdeckel.

Vor allem aber sollen die Cocktails weiterhin geschmacklich überzeugen, auch wenn kein geschulter Bartender sie zubereitet. Hier setzt etwa das mobile System der Piemonteser Aperitivo-Erzeuger Gamondi an: Aus dem 20-Liter-KEG werden klassischer »Veneziano Spritz« oder »Hugo« serviert. Ab dem Winter folgt der »Pink Spritz«, so Thomas Hergge. Vorbestellungen für das mobile Trolley-System aus der Wintergastronomie gibt es bereits etliche für die kommende Saison, ließen die Italiener durchblicken.

5. Nachhaltig mit Mehrwert

Als Differenzierung taugt Nachhaltigkeit heute nur mehr bedingt, »grünes« Bewusstsein« gehört in der Bar-Welt mittlerweile zum Standard. Doch es lassen sich noch immer spannende Ansätze finden. So setzt etwa »KaapKargo« die Segel, um Rum aus der Karibik nach Holland zu bringen. Der Ansatz ist nicht neu, doch bei David Koel kann man sich auch Fass-Hölzer für eine spezielle Abfüllung für die Bar auswählen. Die leeren Gebinde werden in der Karibik befüllt und reifen auf dem Segelschiff nach.

Gegen Lebensmittel-Verschwendung wiederum trat »Full Circle« an; die Holländer erzeugen Limoncello und Co. aus übrig gebliebenen Früchten. Und natürlich lässt sich auch der Reiz lokaler Zutaten entdecken. Das beste Beispiel dafür war die »Distillerie des 4 frères« aus den französischen Alpen. Mit dem Lärchen-Destillat alias »Melèze« erinnerten sie an die Tradition des Zirben-Schnapses. Und in Zeiten des Gegenwind für Destillate schenkten die vier Brüder auch einen Schnaps ein, der Hoffnung machte: »Le Phoenix ist unser erster Gin, den wir nach dem Feuer in der Destillerie gebrannt haben«, so Nicolas Ribuot. Sein impliziter Wunsch: Möge sich auch die Barkultur so erheben wie der Vogel aus dem Feuer!

»Grüne« Überfahrt: »KaapKargo« transportiert Rum aus der Karibik per Schiff nach Holland. | @ Roland Graf

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